Norderstedt
Pronstorf

Wenn Orient auf de Bühne auf Okzident trifft

Das Duo Kian Soltani am Cello und Aaron Pilsan am Flügel begeisterte auf Gut Pronstorf auch mit zeit-genössischen Kompositionen

Das Duo Kian Soltani am Cello und Aaron Pilsan am Flügel begeisterte auf Gut Pronstorf auch mit zeit-genössischen Kompositionen

Foto: Heike Linde-Lembke

Cellist Kian Soltani und Pianist Aaron Pilsan überzeugten beim SHMF-Konzert auf Gut Pronstorf mit ihrem federleichtem Spiel.

Pronstorf.  Cello und Klavier, Bach, Brahms und Schumann – das klingt nach einem braven Kammermusik-Konzert. Wenn nicht Cellist Kian Soltani und Pianist Aaron Pilsan spielen und beim vorletzten Konzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals auf Gut Pronstorf nach Bach, Brahms und Schumann die Komponisten Reza Vali und Astor Piazzolla ins Programm genommen hätten.

Reza Vali komponiert auf der Basis von armenischen und persischen Volksklängen neue frische Werke. Der 26 Jahre alte Cellist Kian Soltani, Perser aus dem österreichischen Bregenz, begeistert mit unverfrorenem Charisma und leidenschaftlichem Spiel, in dem ihm aber sein Klavierpartner Aaron Pilsan nicht nachsteht. Die Stärke des Duos liegt im gegenseitigen Respekt vor der Virtuosität des Anderen, der nahtlosen Kongruenz des Spiels und dem Willen, das Publikum zu begeistern. Das ist ihnen in Pronstorf mit ihrem federleichten Spiel geglückt. Das Publikum trampelte, klatschte und jubelte, den gefühlten 40 Grad auf dem Heuboden über dem Kuhstall zum Trotz.

Doch neben der charmant-charismatischen Attitüde – Kian Soltani kann auch feinnervig, wie er im ersten Satz von Johann Sebastian Bachs Sonate für Viola da Gamba und Klavier in G-Dur bewies. Mit einer Prise Übermut glitt er ins erste Allegro, gefühlvoll ins Andante, um das Allegro moderato forsch anzugehen.

Kompromisslos, fast brutal jede Satzvorgabe noch einmal verschärft widerspiegelnd, kam die Cello-Klavier-Sonate, e-Moll, Opus 38, von Johannes Brahms. Mit Robert Schumanns Toccata, Opus 7, und Arabesque, Opus 18, glänzte Pianist Aaron Pisan mit einer impulsiven Interpretation, die er sanft, kaum mehr hörbar, ausklingen ließ.

Dann die Konfrontation zwischen Okzident und Orient im Werk des 66 Jahre alten Iraners Reza Vali, eine Auftragsarbeit des Duos Soltani und Pisan, die in diesem Stück sowohl die Melancholie, die Trauer über den armenischen Holocaust durch die Türken als auch die persischen Liebesschwüre in ihrem atemraubenden Spiel widerspiegelten.

Nach dem Grand Tango von Astor Piazzolla war das Publikum vollends begeistert und durfte noch zwei Zugaben, das komische und mit Lust gespielte „New York Honk“ von Thomas Demenga und Schumanns „Du bist wie eine Blume“, hören.