Norderstedt
Pronstorf

Mit Charme und Fantasie durchs Märchenreich

Miguel Vallés Mateu (v. l.), Simon Hanrath, Sabine Meyer, Jang Eun Bae, Daniel Gauthier und Sebastian Pottmeier begeisterten mit virtuosem Spiel auf Gut Pronstorf

Miguel Vallés Mateu (v. l.), Simon Hanrath, Sabine Meyer, Jang Eun Bae, Daniel Gauthier und Sebastian Pottmeier begeisterten mit virtuosem Spiel auf Gut Pronstorf

Foto: Heike Linde-Lembke

Klarinettistin Sabine Meyer und das Alliage Quintett eroberten das Publikum auf Gut Pronstorf beim Schleswig-Holstein Musik Festival.

Pronstorf.  Nur Holzbläser auf der Bühne. Und ein Flügel. Und die schaffen das Kunststück, bei Dimitri Schostakowitschs oft geigenselig gespieltem Walzer Nr. 2 aus der Jazz-Suite vergessen zu machen, dass es so etwas wie Streicher gibt. In ihrem SHMF-Konzert „Fantasia“ im Kuhstall von Gut Pronstorf setzten Klarinettistin Sabine Meyer und das Alliage Quintett den Konzert-Titel konsequent und mit viel Finesse um und wurden vom Publikum umjubelt. Und das nicht nur nach der zweiten Zugabe, eben dem Schostakowitsch-Walzer.

In der ersten Zugabe verneigten sich die zwei Musikerinnen und fünf Musiker mit einer hinreißenden Interpretation von „America“ aus dem Musical „West Side Story“ vor Leonard Bernstein. Der Mitgründer des Schleswig-Holstein Musik Festivals wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden, das wird beim SHMF natürlich gefeiert.

Das Alliage Quintett mit Daniel Gauthier am Sopran-Saxofon, Miguel Vallés Mateu am Alt-Saxofon, Simon Hanrath an Tenor-Saxofon, Sebastian Pottmeier am Bariton-Saxofon und Pianistin Jang Eun Bae eröffnete das Konzert rasant-fröhlich mit der Suite aus „The Fairy Queen“ von Henry Purcell. Alliage bedeutet Legierung, und das kleine Ensemble will den Klang eines ganzen Orchesters verbreiten. Ist gelungen – bis zum Vergessen der Streicher.

In „Der Zauberlehrling“ von Paul Dukas übernahm Sabine Meyer an ihren Klarinetten die Rolle der Erzählerin. Mit dem Quintett ließ sie den Besen flitzen und tanzen: „Walle, walle, manche Strecke...“ Bei dem humorvoll-ironischen Spiel der sechs Musiker sieht man den hochnäsigen Lehrbub geradewegs Stufe um Stufe in die Verzweiflung fallen.

Nach zwei Sätzen, nach der Pause die drei weiteren, aus Schostakowitschs „Fünf Stücke“, in denen sie zeigen, dass sie auch ländlerisch romantisch können, begeistern die Musiker mit Scaramouche von Darius Milhaud. Sie feiern den Swing, und Sabine Meyer betont das „Modéré“ melancholisch geheimnisvoll. Im Brazileira tanzt sie mit der Klarinette.

Über alle Pulte stringent und wieder wahrlich fantasievoll erwecken sie Igor Strawinskys Feuervogel zum Leben, sezieren Übermut und Trauer bis zum majestätischen Sieg des Prinzen über den bösen Zauberer. In den Polowetzer Tänzen zeigt Sabine Meyer noch einmal ihre Meisterschaft.