Norderstedt
Kreis Segeberg

Endspurt für Firmen beim Thema Datenschutz

Die neue Datenschutz-Grundverordnung und ihre Folgen: Makler Thorsten Hausmann musste 50.000 Euro in neue Aktenschredder investieren, die geknüllt (rechts) und nicht in Streifen (links) schreddern

Die neue Datenschutz-Grundverordnung und ihre Folgen: Makler Thorsten Hausmann musste 50.000 Euro in neue Aktenschredder investieren, die geknüllt (rechts) und nicht in Streifen (links) schreddern

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Ab heute gilt die europäische Datenschutzgrundverordnung – Viele Unternehmen und Vereine in der Region sind verunsichert.

Norderstedt.  Zwei Plastikbeutel hält Immobilienmakler Thorsten Hausmann hoch. In einem streifig geschredderte Geschäfts-Dokumente. Im anderen zu Schnipseln geschredderte Geschäfts-Dokumente. Die Schnipsel sind nach der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) legal. Die Streifen nicht. „Also habe ich für alle Büros unseres mittelständischen Unternehmens 100 neue Schredder á 500 Euro gekauft – und das war ja noch die leichteste Übung, um die Verordnung umzusetzen“, sagt Hausmann.

Von heute an gilt die DSGVO ohne Ausnahme für alle Unternehmen, Vereine und Institutionen, die personenbezogene Daten speichern und verarbeiten. Sie hebt den Datenschutz europaweit einheitlich auf eine neue Stufe und droht bei Zuwiderhandlung mit drakonischen Strafen von bis zu 20 Millionen Euro. Und das allein sorgte in den vergangenen Monaten für Hektik und Verunsicherung in vielen Betrieben und besonders bei Vereinen.

Makler Hausmann liefert stellvertretend für den Mittelstand ein Beispiel dafür, was die Umsetzung der DSGVO bedeutet. Zunächst wurden alle fünf Webseiten des Unternehmens überarbeitet und relauncht. „In allen unseren Büros haben wir Kundenräume eingerichtet – wie bei einer Bank. Da kann keiner mehr auf Akten oder Bildschirme der Mitarbeiter schielen“, sagt Hausmann. In die Hausmann-Büroräume kommen Mitarbeiter jetzt nur noch mit Chip-Karten, damit die Kundendaten hinter den Türen – in Akten und Rechnern – gesichert sind. Hausmann: „Viele Kollegen haben über diese Folgen der DSGVO noch gar nicht nachgedacht.“ Hausmann stieg tief in die seit zwei Jahren vorliegende Verordnung ein, arbeitete sich für seinen Betrieb durch 5000 Einzelbeschreibungen von Geschäftsvorgängen. „Erst war da Chaos im Kopf. Doch wir haben stur eine Prioritätenliste abgearbeitet und stehen jetzt gut da. Wenn wir alles bis ins Detail umsetzen wollten, könnten sich 20 Leute in meinem Haus mit nichts anderem beschäftigen.“

Im Handwerk sorgt die DSGVO für anhaltende Verunsicherung. „Wir verzeichnen zurzeit rund 30 Anfragen täglich“, sagt Anja Schomakers, Sprecherin der Handwerkskammer Lübeck. Kleine Betriebe seien überfordert. Viele wissen nicht, ob sie nun einen Datenschutzbeauftragten brauchen oder nicht, was sie genau auf ihren Internetseiten beachten müssen oder ob bei jedem neuen Vertrag Einwilligungserklärungen der Kunden eingeholt werden müssen (Infos unter www.hwk-luebeck.de). Henning Schurbohm, Geschäftsführer des Elektrotechnikhandwerksbetriebes Elektro-Alster-Nord holte sich übergeordnete Expertise über den Einkaufsverbund Expert, zu dem sein Elektronikmarkt zählt. „Wir müssen Datensicherheit gewährleisten, wenn es um Stornierungen, um Alarmanlagen oder Baupläne geht“, sagt Schurbohm. Für den externen Rat sei ein niedriger vierstelliger Betrag fällig geworden. Allerdings müsse noch eine Flut von Handlungsanweisungen abgearbeitet werden, etwa bei der Speicherung von Daten und zur Dokumentation. Zwei Mitarbeiter hat Schurbohm dafür abgestellt.

Überforderung auch bei den Norderstedter Vereinen. „Als ehrenamtlicher Verein schafft man die Umsetzung nicht, dafür ist das Ganze zu umfangreich“, sagt Thomas Scheer, Zweiter Vorsitzender beim Glashütter Sportverein. Ein externer Dienstleister wurde beauftragt. Er prüft den Glashütter SV und die anderen vier Sportvereine der Interessengemeinschaft mit TuRa Harksheide, 1. SC Norderstedt, Norderstedter SV und SV Friedrichsgabe und fungiert als Datenschutzbeauftragter. „Das wurde uns vom Landesverband empfohlen, die Kosten liegen im dreistelligen Bereich – das ist gut erträglich“, sagt Scheer.

Wolfgang Peterwitz, Vorsitzender vom Kunstkreis Norderstedt, vermisst eine zentrale Stelle, über die sich Vereine informieren können. „Ich habe eher durch Zufall vor zwei Monaten erfahren, dass wir als Verein betroffen sind. Seither sammle ich alles mögliche an Informationen.“ Auch ein Seminar der Wirtschaftsakademie habe er besucht. „Es ist eine ganze Menge Bürokratie. Wir müssen Mitarbeiter schulen, die Webseite umbauen und alle Mitglieder informieren.“

Ilka Bandelow vom Willkommen- Team setzt sich schon lange mit der DSGVO auseinander. „Wir haben ein Konzept entwickelt. Aber die Vorgaben sind nicht leicht zu durchschauen und die Umsetzung dauert. Hoffentlich schaffen wir es rechtzeitig.“