Metropolregion Hamburg

HVV-Rechner: Was Wohnen und Pendeln wirklich kosten

Pendler am Hamburger Hauptbahnhof (Symbolbild)

Pendler am Hamburger Hauptbahnhof (Symbolbild)

Foto: dpa/picture alliance

Private Haushalte können jetzt ermitteln, was Wohnen und Pendeln im HVV-Gebiet kosten – allerdings nicht auf dem Smartphone.

Hamburg.  Je näher am Stadtzentrum man eine Wohnung oder ein Haus bezieht, umso höher steigen in der Regel die Wohnkosten. Was dabei allerdings oft übersehen wird: Meist sinken parallel die Mobilitätskosten, je zentraler man wohnt. Denn die Wege zum Arbeitsplatz, zur Schule der Kinder, zum Arzt oder ins Kino sind dann oft deutlich kürzer und vielfach zu Fuß, mit dem Rad oder Bus und Bahn zu bewältigen. In vielen Fällen zahlt es sich sogar in der Gesamtbetrachtung aus, zentral in der Stadt zu wohnen — obwohl etwa im Hamburger Umland die Mieten und Kaufpreise meist deutlich niedriger liegen. Das allerdings hängt sehr von individuellen Faktoren und Ansprüchen ab.

Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) und die Metropolregion Hamburg haben jetzt ein praktisches Programm vorgestellt, mit dem sich individuell berechnen lässt, welche Wohnorte in der Gesamtberechnung günstiger sind. Mit dem neuen Wohn- und Mobilitätskostenrechner kann man im Internet unter www.womorechner.de die tatsächlichen Belastungen durch Wohnen und Pendeln für unterschiedliche Wohnorte miteinander vergleichen. Dabei lassen sich viele individuelle Faktoren eingeben, neben der Wohnform (Miete, Eigentum, Wohnfläche) Familiengröße, Heiz- und Stromkosten, den Arbeitsstätten der Eltern und den genutzten Verkehrsmitteln auch besondere Ansprüche etwa an die Nahversorgung mit Einkaufsmöglichkeiten oder Freizeitangeboten. Neben den Kosten wird auch der Zeitaufwand für Fahrten berechnet — ebenso wie die CO2-Bilanz, also die Belastung für Klima und Umwelt.

WoMo-Rechner greift auf umfangreiche Datenbank zurück

„Der WoMo-Rechner soll eine Hilfestellung für die Nutzer sein, die vielleicht ihr Mobilitäts- und Pendelverhalten überdenken und dorthin ziehen wollen, wo sie ihre Ziele besser mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichen können“, sagte HVV-Geschäftsführer Dietrich Hartmann. Dabei sei es möglich, den Rechner „eher spielerisch zu nutzen“, oder sehr genau Angaben zu machen, um sehr aussagekräftige Ergebnisse zu bekommen. Bei der Berechnung greift der WoMo-Rechner auf eine umfangreiche Datenbank zurück.

Mit dem Programm sollten die Menschen dabei unterstützt werden, ihre Kosten realistisch einzuschätzen, sagte der Leiter der Geschäftsstelle der Metropolregion Hamburg, Jakob Richter. „Wir möchten damit ihr Bewusstsein für eine nachhaltige und umweltbewusste Wohnortentscheidung unterstützen.“

Daten werden anschließend wieder gelöscht

Die Nutzer können die Ergebnisse ihrer Berechnungen speichern und ausdrucken. Beim Verlassen des Programms würden alle Daten gelöscht, versicherten die Verantwortlichen bei der Präsentation. Daher könnten die Angaben der Nutzer auch nicht für die Entwicklungsplanung genutzt werden. Die Anwendung sei vom Datenschutzbeauftragten des HVV geprüft und für vereinbar mit allen gesetzlichen Regelungen zum Datenschutz befunden worden.

Finanziert wurde die Entwicklung zu 80 Prozent von HVV und der Metropolregion Hamburg, die von den Gesamtkosten von 140.000 Euro gemeinsam 112.000 Euro übernahmen. Die restlichen Kosten von 28.000 Euro haben die Stadt Hamburg, der HVV, der Kreis Pinneberg und der Landkreis Harburg gemeinsam getragen.

Kritik am HVV-Rechner folgt prompt

Bereits kurz nach seiner Online-Freigabe geriet der Rechner jedoch in die Kritik. Grund: Er funktioniert nicht richtig auf Smartphones. Das sei in einer Zeit,in der weit über 60 Prozent der Menschen das Internet mit dem Smartphone nutzten, nicht vermittelbar, kritisierten erste Nutzer in Facebook-Diskussionen.

Der im Projekt federführende HVV räumte auf Abendblatt-Nachfrage ein, dass der Rechner lediglich für PC oder Tablets ausgelegt sei. Da viele Daten einzugeben und umfangreiche Karten zu betrachten seien, habe man Smartphones zunächst ausgenommen.