Norderstedt
Gartenzeit

Was man beim Rasen alles falsch machen kann

Rasenexperte Olaf Preuß hat eine Probe des Stadtpark-Rasen gestochen und prüft gemeinsam mit den Zusehen die Wurzeldichte

Rasenexperte Olaf Preuß hat eine Probe des Stadtpark-Rasen gestochen und prüft gemeinsam mit den Zusehen die Wurzeldichte

Foto: Andreas Burgmayer

Die Gartenpraxis im Stadtpark: Der Rasen-Experte Olaf Preuß klärte Hobbygärtner über die beste Pflege für das schöne Grün auf.

Norderstedt.  Wenn es um den perfekten Rasen geht, dann gibt es von zehn Gärtnern zehn verschiedene Patentrezepte, sagt Olaf Preuß. Und natürlich hat er auch eines, schließlich ist er Gärtnermeister und seit 30 Jahren im Geschäft für die Firma Oscorna. Was seines von den meisten anderen Patentrezepten unterscheidet, ist der Grundsatz. „Die meisten sind immer gegen irgendwas – gegen Moos, gegen Schädlinge, gegen Unkraut“, sagt Preuß. „Ich bin für alles, was dem Rasen und dem Boden gut tut.“

Preuß war am Donnerstag der Experte beim zweiten Gartenpraxis-Termin, den die Aktion Gartenzeit des Hamburger Abendblatts gemeinsam mit dem Norderstedter Stadtpark präsentiert. In der Lions-Werkstatt des Stadtparks referierte Preuß vor über 40 Rasenbesitzern, die im Laufe seines Vortrags immer leiser wurden – weil sie nicht umhin kamen, sich einzugestehen, in den vergangenen Jahren wohl so einiges falsch gemacht zu haben auf dem Grün hinterm Haus. Deswegen also die Kahlstellen überall, das dichte Moos zwischen den Halmen, die vielen Gänseblümchen oder die Klee-Inseln und dieses „gelblühende Zeug“, das sich ungefragt breit macht.

Für einen perfekten Rasen braucht es viel Einsatzbereitschaft und ein gutes Rezept

Preuß stellte zunächst klar, dass Rasen nichts für Weicheier ist. Wer zur neudeutschen „Easy Gardening“-Fraktion zähle, solle sich lieber Beton statt Rasen in den Garten legen. „Oder er sagt sich gleich: Moos ist doch auch Grün und lässt das wachsen.“ Für den perfekten Rasen brauche es hingegen viel Einsatzbereitschaft und – wie beim Kuchen – ein gutes Rezept. Man nehme: Einen guten Standort, einen guten Boden und hochwertiges Saatgut. Der Rest sei viel Pflege und Ernährung. Das alles ist – wie bei einem Kuchen – leichter gesagt als getan.

Preuß räumte mit den gröbsten Fehlern und Fehleinschätzungen auf. Wer zum Beispiel nicht wenigstens einen halben Tag Sonne auf der Rasenfläche hat, kann es sich gleich sparen, Gras zu pflanzen. „Rasen braucht Sonne. Ich weiß, es gibt Schattenrasen-Saatgut. Aber da wird der Käufer schlicht und einfach beschissen.“ Wichtig im Halbschatten: Das Gras fünf bis sechs Zentimeter lang lassen. „Es braucht mehr Blattfläche, um die wenige Sonne besser aufzunehmen. Sonst wartet das Moos um die Ecke und sagt: Hey, ich bin der Schattenkönig! Mach mal Platz!“ Kollegen, die im Büro den Gartenexperten raushängen lassen und sagen „Moos! Da mach mal Kalk drauf!“ sollte man ignorieren. „Von heute an vergessen sie das Wort Kalk. Ganz zu schweigen von Eisensulfid. Forever vergessen. Das ist giftig!“

Stattdessen soll man der Monokultur Rasen lieber eine ordentliche Vitalspritze verpassen. Am besten den eigenen Kompost, drei Liter je Quadratmeter, einharken. „Der Rasen explodiert schon am nächsten Tag!“ Wer keinen Kompost hat, nimmt eben Bodenverbesserer, eine Mischung aus Algenkalk („kein Vergleich zum herkömmlichen Baumarkt-Kalk“), Gesteinsmehl und Tonmineralien. Und natürlich Dünger oder, wie Preuß es ausdrückt, „Ernährung“. Dreimal im Jahr, Frühjahr, Sommer und Herbst, wobei letztere die wichtigste ist als Depot für den Winter.

„Wenn sie abends gießen, bauen sie nur eine Schneckenautobahn“

Wer den Rasen ganz frisch anlegt, sollte nicht glauben, dass die bunte Packung Rasenmischung „Fürst Pückler“ im Ständer am Ausgang des Baumarktes wirklich Sinn macht. „Das ist Müll.“ Vielmehr sollte man auf eine gute Mischung von zehn bis zwölf Gräsersorten achten. Und der Anteil des billigen, aber schnell wachsenden deutschen Weidegrases (Lolium) sollte nicht über 40 Prozent liegen. Geradezu emotional belegt ist das Thema Wässern beim Rasen. Als Preuß ausführte, man solle den Rasen im Sommer alle vier bis fünf Tage richtig besoffen machen, so mit 20 bis 25 Liter den Quadratmeter und ihn danach wieder ausnüchtern („gut für die tiefe Wurzelbildung!“), stöhnte ein Norderstedter im Gedenken an die künftige Wasserrechnung. Gegossen wird übrigens am besten morgens („So gegen 5.30 Uhr!“). Preuß: „Wenn sie abends gießen, bauen sie nur eine Schneckenautobahn.“

Wer seinen Rasen so pflegt, wird die meisten Schädlinge aus Fauna und Flora fernhalten, sagt Preuß. Mit Pestiziden steht er auf Kriegsfuß. Im Kampf gegen ungeliebte Kräuter gibt es für ihn nur noch Vertikutieren und Ausstechen.

Natürlich fiel auch irgendwann das Stichwort Maulwurf. Der vierfache Vater hatte einen guten Tipp: „Schaffen sie sich vier Kinder an, die auf dem Rasen trampeln. Oder einen Mähroboter. Das ständige Dröhnen vergrämt den kleinen Kerl zuverlässig!“

Die Gartenzeit des Abendblatts nimmt sich Zeit für Ihren Garten und präsentiert ihn in der Regionalausgabe Norderstedt. Melden Sie sich unter der Telefonnummer 040/300 62 01 04 oder schreiben Sie uns eine E-Mail an norderstedt@abendblatt.de. Wenn Sie wollen, bringen wir den Gartenexperten Erik Voß mit, der Ihnen alle ihre Fragen rund um das Gärtnern beantwortet.