Norderstedt
Mietgarten

Raus aus der Stadt und ab ins Gemüsebeet

Mark Mauermann setzt Rankhilfen für die Erbsen ins Beet

Mark Mauermann setzt Rankhilfen für die Erbsen ins Beet

Foto: Heike Linde-Lembke

Auch bei Regen und zehn Grad: Unverdrossen bestellt Familie Mauermann ihren Mietgarten auf Hof Rehders in Norderstedt-Glashütte.

Norderstedt.  Oskars Lieblingsziel ist der Wasserbottich mit der Pumpe. Er schnappt sich seine bunte Gießkanne und düst los. Schnell hat der zweijährige Knirps auf seinen kurzen Beinen den Trampelpfad mit Grasbüschel und Steinen abgetrippelt und trichtert nun mit seiner gelben Schaufel Wasser in die Gießkanne.

Der Wasserbottich ist so etwas wie ein Babysitter für die Familie Mauermann, wenn sie einmal in der Woche in ihrem Mietgarten auf Hof Rehders am Grünen Weg in Norderstedts Ortsteil Glashütte für Ordnung sorgt, Salat und Spinat von Unkraut trennt, das jetzt Beikraut genannt wird.

Ein Gartenjahr mit Familie Mauermann

Seit einigen Jahren bereitet die Landwirtsfamilie Rehders für die Mietgarten-Organisation Meine Ernte (www.meine-ernte.de) mehr als 20 Mietgärten auf einem Acker am Grünen Weg vor, sät Gemüsesorten und Blumen ein und gibt den Mietgärtnern Tipps zum Säen, Pflegen und Ernten. Wir werden die Familie Mauermann aus Hamburg-Eimsbüttel durch ihr Gartenjahr im Norderstedter Mietgarten in unserer Garten-Serie begleiten.

„Oskar ist zwar hinterher immer pitschnass, aber das macht nichts“, sagt Mutter Susanne Mauermann und strahlt. Oskar ist nicht das erste Kind der Familie, da gibt es noch die zwölfjährige Merle und den neunjährigen Malte und natürlich Vater Mark Mustermann.

Der befreit die jungen Erbsen-Sprösslinge von einer Plane, die so fein ist, dass sie zwar Sonne und Luft hindurch lässt, aber keine Insekten und schon gar keine Vögel, die die Samen und frischen Pflanzenspitzen zu ihrer Lieblingsspeise erkoren haben.

„Die Familie Rehders hat uns die Folie empfohlen, weil sonst einfach nicht viel übrig bleibt von den Pflanzen“, sagt Mark Mauermann und zieht die Plane vorsichtig ab. Damit sie nicht direkt auf den wachsenden Sprösslingen lastet und so das Wachsen verhindert, hat er die Plane auf Abstandshaltern platziert.

Tipps für die Mietgärtner

„Jetzt ist es Zeit, den jungen Erbsen eine Rankhilfe zu geben“, sagt Mauermann. Die Rankhilfen sind Halbrund-Stangen mit Querstreben, an denen die Erbsen ihre Ranken andocken.

Von Meine Ernte erhalten die Mietgärtner einen Gärtnerbrief, in dem viele nützliche Tipps stehen, beispielsweise, dass sich Topinambur und Minze ungehemmt im Beet ausbreiten. Daher solle auf Topinambur ganz verzichtet und Minze nur im Topf gepflanzt werden. Die Rote Beete, die Rehders mit eingesät hat, muss jetzt verzogen werden, das heißt, die stärksten Pflanzen im Abstand von fünf bis zehn Zentimeter stehen lassen, damit sie gute Knollen bilden können. Zudem sind die herausgezogenen Rote-Beete-Pflanzen essbar. Im Gegensatz zu allem Grün der Kartoffel. Das ist ebenso giftig wie die Beikräuter Nachtschatten und Stechapfel. Und damit die Mietgärtner auch wissen, wie diese Giftzwerge aussehen, gibt’s im Gärtnerbrief gleich die Fotos dazu.

„Für Oskar ist der Ackerboden ein richtiges Entdeckerland mit Regenwürmern, Tausendfüßler, Ohrenkneifer und Marienkäfer“, sagt Susanne Mauermann. Auch Experimente mit Pflanzen für ihr Zuhause stehen im Gärtnerbrief. Wer den oberen Teil von Möhren, Radieschen und Rettich abschneidet und in einen mit Wasser gefüllten Teller legt, kann zusehen, wie wieder frisches Grün austreibt. Oder: Einen Teller mit Küchenpapier auslegen, Wasser draufgießen, Kressesamen aussäen, und schon bald sprießt die Kresse.

In jedem Mietgarten legt Landwirtschaftsmeister Hans-Jürgen Rehders auch ein Wunschbeet an. „Wir haben Erdbeerspinat ins Wunschbeet gesät, aber bei dem kühlen Wetter braucht der noch ein bisschen“, sagt Susanne Mauermann. Eine große Herausforderung beim Jäten sei es, das Beikraut vom nützlichen Kraut zu unterscheiden. „Zuerst aber haben wir unser Beet von Steinen befreit, vor allem Oskar war dabei sehr fleißig“, sagt Mark Mauermann.

Einmal in der Woche kommt die Familie in ihren Garten. „Beim nächsten Mal bringen wir unseren Gartenzwerg mit, der hat auf Oskars Wunsch eine orangenfarbene Mütze“, sagt Susanne Mauermann. Bei ihrem nächsten Garten-Besuch will sie auch den Lauch anhäufeln.

„Wenn wir aus dem vollen Lauf der Woche kommen, ist es für uns unglaublich entspannend, auf dem Beet zu werkeln. Danach sind wir in jeder Weise geerdet, dreckig und glücklich“, sagt Mark Mauermann – und seine Frau stimmt ihm zu.