Norderstedt
Craft Beer Day

65er Harksheider mit Premiere beim Craft Beer Day

Foto: Heike Linde-Lembke

Bier-Sommelier Rajas Thiele hat noch einmal 500 Liter seiner eigenen Bier-Kreation gebraut. Das Abendblatt hat ihn dabei begleitet. Am Sonnabend, 21. März, stellt der Geschäftsführer der „TriBühne“ und des Kulturwerks sein Pale Ale vor.

Norderstedt. Kaum war das Fass angezapft, war es auch schon leer. Ausgetrunken. Alle. Dabei sollte das erste 65er Harksheider Bier bis zum Craft Beer Day am Sonnabend, 21. März, im Norderstedter Kulturwerk halten. Doch kurz vor Weihnachten war Schluss mit dem süffigen Gebräu. Die Norderstedter fuhren voll auf das erste Bier ab, das wohl jemals für die Stadt gebraut wurde.

Rajas Thiele ist der Brauer, und Norderstedts Bier-Sommelier, einer von zwei in ganz Schleswig-Holstein, behagte es so gar nicht, von seinem ersten selbst gebrauten Bier keinen Tropfen mehr an einem eigenen Stand auf dem Craft Beer Day präsentieren zu können. Er nahm sein Rezept, fuhr morgens früh um Sieben in die Micro-Brauerei von Ratsherrn in den Hamburger Schanzenhöfen und setzte weitere 500 Liter Harksheider an. Das Abendblatt braute mit.

7 Uhr: Dunkel ist es , wenig Verkehr auf den Straßen. Auch in der Micro-Brauerei bei Ratsherrn gehen jetzt erst die Lichter an. Und die Kaffeemaschine. Braumeister Ian Pyle prüft noch einmal die Rezeptur für das 65er Harksheider und rechnet alle Zutaten auf 500 Liter um. Das muss exakt ausjustiert werden, denn das neu gebraute Harksheider soll genauso schmecken wie das erste. Sechs Fässer Bier zu je 30 Litern will Thiele abfüllen, der Rest wird auf 0,75-Liter-Flaschen gezogen.

7.30 Uhr: Rajas Thiele wiegt mit Braumeister Ian Pyle die einzelnen Malzsorten ab und füllt die Mischung in große Säcke. Pale Ale und Caraamber heißen die Sorten, Weyermann Münchner Malz II. und Carapils. Die Körner schmecken mal schokoladig, mal nach Aprikose. Anschließend werden 103,6 Kilogramm Malz mit etwas Wasser geschrotet, damit es nicht zu sehr staubt. Messbecher für Messbecher füllen die beiden Brauer die Körner in die Malzmühle. Die Prozedur dauert. Die Schrotmaschine rattert und knattert laut, leichter Staub liegt in der Luft, es ist frisch in der Malz-Lagerhalle. „Craft Beer heißt Handwerk, heißt, ein Bier aus Naturprodukten sorgsam und per Hand herzustellen“, sagt Thiele.

9 Uhr: Die Säcke mit dem geschroteten Malz werden in die Micro-Brauhalle transportiert. Blank und glänzend stehen die Edelstahl-Tanks in der kleinen Brauhalle. Thiele wuchtet die Säcke hoch und schüttet das Malz in die Tanks zum Einmaischen. Dazu mischt Braumeister Pyle das Wasser, langsam, Liter für Liter. „Jetzt bilden sich Enzyme, die die Stärke in Zucker auflösen“, sagt der Engländer.

9.30 Uhr: Langsam wird die Temperatur der Maische bis 78 Grad Celsius erhöht. „Dazwischen müssen wir immer wieder warten, denn das Erhöhen der Temperatur erfordert Fingerspitzengefühl und darf nicht zu schnell gehen“, sagt Thiele.

12 Uhr: Beim Abmaischen, dem Entzug von Wasser aus der Maische, werden die ungelösten Bestandteile von der Würze gelöst. „Übrig bleiben einerseits der Treber, andererseits die Flüssigkeit als Würze“, sagt Thiele. Der Treber ist vitaminreich und wird überwiegend als Viehfuttermittel verwendet. Besonderer Treber aber wird auch zum Brotbacken verwendet. „Das Brot ist aromareich und sehr schmackhaft“, sagt Thiele und reserviert sich Treber zum Brotbacken, bei dem er Bier statt Wasser verwendet.

13.30 Uhr: Nach dem Abmaischen wird die Würze gekocht und in Gärtanks gefüllt. „Fehlt noch der Hopfen“, sagt Thiele, „den fülle ich beim Kochen und Lagern hinzu.“ Sein 65er Harksheider ist ein obergäriges Pale Ale. Der Geschmack des Bieres mit der leuchtenden Bernsteinfarbe ist hopfenbetont mit einer Grapefruit-Note, zu der sich am Gaumen das dunkle Aroma der Johannesbeere gesellt. „Im Abgang hat mein Bier eine leichte Holznote von Tanne und Zeder“, sagt der diplomierte Bier-Sommelier. Als Hopfen wählte er die Sorten Topaz, Chinook und Centennial.

Zudem wird noch gefiltert, um eine klare Farbe zu erzielen. Die Kohlensäure, die das gewisse, prickelnde Etwas bringt, bildet sich automatisch. „Der Gärprozess dauert eine Woche“, sagt Braumeister Ian Pyle. Danach lagert das Bier vier Wochen im Tank und wird dann abgefüllt.

„Ich freue mich schon, mein 65er Harksheider wenige Tage vor dem Craft Beer Day abfüllen zu können“, sagt Thiele und strahlt wie ein Junge, dem erfolgreich ein Streich gelungen ist.

Eine Erfolgsstory ist auch der Craft Beer Day im Norderstedter Kulturwerk. 2013 war Premiere, und statt der erwarteten 1000 Besucherinnen und Besucher stürmten 2500 Bierfreunde das 90 Meter lange Foyer des Kulturwerks. Die Gläser gingen aus, wurden gespült und im Schnee gekühlt, der Koch kam nicht mehr vom Herd, der Service nicht mehr aus dem Laufschritt, die Türen mussten teilweise geschlossen werden, keine Maus passte mehr hinein. „Nach einer Stunde hatten wir 1132 Biergläser verteilt“, sagt Rajas Thiele.

2014 die nächste Steigerung. 4000 Bierfans eroberten den Craft Beer Day, die Stimmung war fantastisch, es wurde gefachsimpelt und süffiges Gebräu probiert, die Bierbrau-Handwerker kamen aus ganz Europa. „Der Craft Beer Day passt einfach nach Norderstedt und ins Kulturwerk“, sagt Thiele.

Für den dritten Craft Beer Day am Sonnabend, 21. März, ist das Kulturwerk inklusive dem großen Saal mit 17 Ständen komplett belegt. Jeder der Brau-Manufakturen bringt drei bis vier Biersorten mit, und alle können probiert werden. „Wir haben zwar einen großen Parkplatz, aber es wäre schlau, nicht mit dem Auto zu kommen, zumal der Bus direkt vor dem Kulturwerk hält“, sagt Thiele.

Doch beim Craft Beer Day geht es nicht einfach nur ums Biertrinken. Sondern ums Genießen. Ums Entdecken neuer Biere, neuen Biergeschmacks. Ums Fachsimpeln. Um Gedankenaustausch eines der traditionsreichsten Getränke der Welt, das einst wie der Wein von geistlichen Brüdern, den Mönchen, entdeckt wurde. Craft Beer wird auch nicht einfach gekippt. Sondern in möglichst dünnwandigen, tulpenförmigen Gläsern mit Stil genossen. Es darf auch ein Weinglas sein.

„Einige Gäste kommen um Punkt 12 Uhr und bleiben bis 20 Uhr“, sagt Thiele. Dazu würde beispielsweise eine Gruppe von Bier-Freaks aus Schottland gehören, die extra wegen des Norderstedter Craft Beer Days nach Deutschland reist.

Mit Ständen dabei sind denn auch die Black Isle Brewery aus Schottland, das Aarhus Bryghus aus Dänemark, die Crew Republic aus München bis zur Buddelship Brauerei und zur Kehrwieder Kreativbrauerei aus Hamburg.

Für gute Grundlagen sorgt das Küchen-Team des Kleinen Restaurants mit kräftigen Speisen wie Landbrot, Currywurst und Chili con Carne. Die Musik machen das Duo Jessen und Melzer mit Songs von Dire Straits, Santana, Pink Floyd, The Doors bis zu Simon & Garfunkel und das Duo Sonja & Esther mit Gesang und Gitarre und Songs von sanftem Soul bis harten Rock.

Craft Beer Day, Sonnabend, 21. März, 12 bis 20 Uhr, Am Kulturwerk 1, in Norderstedt. Eintritt drei Euro. Pfand für das Bierglas ein Euro.