Ihr Wahlhelfer

Wittenborner haben keine Wahl

In der Gemeinde des Amtes Leezen tritt am 26. Mai nur die CDU an. Thorsten Lange wird neuer Bürgermeister

Wittenborn. Es ist keinesfalls so, dass Thorsten Lange nicht gerne etwas Konkurrenz gehabt hätte. Nein, der Wittenborner CDU-Politiker warb sogar aktiv in der Gemeinde bis Einsendeschluss der Listenvorschläge darum, dass sich einige Mitbürger vielleicht doch zusammenfinden würden. Mit Sicherheit hätte ihn das einige Stimmen gekostet, doch dem 53-jährigen Landwirt wäre selbst dann wohler gewesen.

Nun sitzt Lange aber in seinem Büro auf dem Hof am Steindamm und weiß, dass er als Direktkandidat an erster Stelle in wenigen Wochen definitiv der nächste Bürgermeister von Wittenborn sein wird. Die CDU ist allein auf weiter Flur, eine zweite Kraft gibt es nicht. "Es ist eigentlich ein bisschen traurig, schließlich ist es keine Wahl im eigentlichen Sinne", sagt Lange. Dabei ist die Union bislang keinesfalls ohne Mitstreiter in der Gemeindevertretung. Von elf Sitzen gehören der SPD immerhin vier, doch dies relativiert sich bei genauerer Betrachtung.

Drei der vermeintlichen Sozialdemokraten sind parteilos, und für einen neuerlichen Anlauf fand sich in den vergangenen Monaten überhaupt kein Personal mehr. Und weil die knapp 850 Einwohner offenbar zufrieden sind mit den Gegebenheiten in Wittenborn, ist anders als in diversen Nachbargemeinden keine Wählergemeinschaft mit Protestcharakter in Sicht. "Es wäre gut gewesen für die Demokratie. So habe ich Bedenken, was die Wahlbeteiligung angeht", sagt Thorsten Lange.

Aber er möchte die ehrenamtliche politische Arbeit nicht kleinreden. "Man muss aber auch sagen: Es funktioniert mit uns." Genau wie andere kleine Kommunen ist Wittenborn zwar nicht reich, kann sich aber gleichwohl sehen lassen. So wurde vor Kurzem eine neue Krippe mit zehn Plätzen eingerichtet, die Telekom versorgt den Ort mittlerweile mit Breitband-Internet, und das Gewerbegebiet in der Industriestraße besteht aus immerhin acht mittelständischen Unternehmen.

"Große Sprünge sind hier aus finanziellen Gründen nicht möglich. Aber wir können auf fast alles stolz sein", sagt Thorsten Lange. Klassische Parteipolitik wird dabei nicht gemacht. "Wir arbeiten eher sachorientiert. Und bloß, weil man in derselben Partei ist, muss man nicht einer Meinung sein. Die Opposition gibt es in den eigenen Reihen."

Der Ackerbauer und seine Familie sind Ur-Wittenborner. Bis in das 18. Jahrhundert reichen die Wurzeln der Langes zurück. Der Hof wird als Familienbetrieb von Generation zu Generation weitergereicht - und das gilt sogar für das Interesse an Gemeindepolitik. Denn Großvater Willi Lange war in den 1940er-Jahren selbst bereits Bürgermeister, Thorsten begann 1986 zunächst als bürgerliches Mitglied in Ausschüssen. "Ich engagiere mich einfach gerne für den Ort", sagt er.

Ein Rathaus gibt es in Wittenborn nicht, dafür treffen sich Gemeindevertretung, Fraktion und die Ausschüsse in Studt's Gasthof. "Solange wir einen Gasthof haben, werden wir diesen unterstützen", bekräftigt Thorsten Lange. Er wird Mitte Juni eine Institution beerben, denn Gert Petzold entschied sich nach fast drei Jahrzehnten für seinen Rückzug. Lange wird dann von seinem Vorgänger mit Sicherheit noch wertvolle Tipps bekommen, denn der Feierabendjob lässt sich keinesfalls im Vorbeigehen erledigen. "Mir wurde schon gesagt, dass ich den täglichen Aufwand nicht unterschätzen sollte. Das fängt schon damit an, dass ich als Bürgermeister jeden Brief an die Gemeinde öffnen und lesen muss. Generell gibt es viel Pflichtlektüre", betont Thorsten Lange.

Aber ihm ist natürlich nicht bange. "Ich werde das Schiff schon auf Kurs halten", sagt das designierte neue Gemeindeoberhaupt mit Zuversicht. "Und die Hoffnung stirbt zuletzt, dass sich wieder eine Konkurrenz findet. Vielleicht ist diese Wahl ja der Anlass."

Am kommenden Dienstag, 7. Mai, berichten wir in unserer Wahlserie über die Gemeinde Ellerau