Demonstration

Nazi-Demo zu Ende - Zwei Männer in Gewahrsam

Auf dem Seeveplatz in Harburg versammelten sich 60 Mitglieder der NPD zu einer Kundgebung. 600 Menschen demonstrierten dagegen.

Harburg. Eine Wahlkampf-Veranstaltung der NPD in Harburg ist ohne Zwischenfälle zu Ende gegangen. Nach Polizeiangaben hatten sich rund 60 Mitglieder der Partei auf dem Seeveplatz nahe des Harburger Hauptbahnhofs versammelt. Gegen die Veranstaltung hatten rund 600 Menschen demonstriert. Die Polizei war mit mehr als 800 Beamten aus Hamburg und Schleswig-Holstein im Einsatz, um Zusammenstöße zwischen den Gruppen zu verhindern.

Die Polizei versuchte, beide Lager voneinander zu trennen. Dennoch gelang es rund 60 Gegendemonstranten, bis auf wenige Meter an den Veranstaltungsort der NPD heranzukommen. Bis zum Mittag blieb es aber weitgehend störungsfrei. Lediglich zwei junge Demonstranten aus der linken Szene wurden in Gewahrsam genommen, nachdem sie versucht hatten, die Begrenzung zu den NPD-Mitgliedern zu durchbrechen.

Nach Angaben eines Sprechers des Hamburger Bündnisses gegen Rechts nahmen rund 400 Demonstranten an der Protestveranstaltung teil, die Polizei sprach dagegen von rund 100 Teilnehmern. Die Gegendemonstranten versuchten mit Sprechchören und Trillerpfeifen, die Ansagen der Rechtsextremen zu übertönen. An der Wahlkampfkundgebung nahmen nach Polizeiangaben rund 60 Rechtsextreme teil.

Bereits am Vormittag hatte es eine Protestkundgebung gegen die NPD-Veranstaltung gegeben. Vertreter der evangelischen Kirche und Gewerkschafter reinigten symbolisch einen sogenannten Stolperstein vor dem Bahnhof Harburg-Rathaus. Die Gedenkplatte erinnert an den Metallarbeiter Martin Leuschel, der kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten von der SA erschossen worden war.

Auf der Kundgebung unter dem Motto "Harburg schaut hin!" forderte Bischofsvertreter Jürgen Bollmann ein „wachsames Eintreten gegen neofaschistische Umtriebe“. Das sei ein „gesamtgesellschaftlicher, aber auch speziell christlicher Auftrag“, sagte der Harburger Propst.

Lesen Sie dazu auch den Vorbericht von Michelle Kossel:

Sonnabend, 29. Januar, am Seeveplatz in Harburg: NPD-Mitglieder halten von 11 Uhr an bis 14 Uhr eine Kundgebung ab. Motto: "Mit kriminellen Ausländern kurzen Prozess machen."

Wie berichtet, wurden zuvor bei der Polizei sieben Gegendemonstrationen angemeldet. Nach Kooperationsgesprächen, so ein Polizeisprecher, wird es nun nur noch zwei Protestversammlungen geben. Dazu werden mindestens 250 Besucher erwartet. Außerdem hat die NPD parallel zum Aufmarsch auf dem Seeveplatz eine Aktion am Rehrstieg in Neuwiedenthal angemeldet. Dort, wo es im Sommer 2010 zu einer Schlägerei zwischen Polizisten und Jugendlichen mit Migrationshintergrund gekommen ist. Hier steht eine Entscheidung der Polizei noch aus. "Wir wollen, dass diese Veranstaltung ebenfalls auf den Seeveplatz verlegt wird", sagt Polizeisprecher Mirco Steiber.

Zu den Organisationen, die gegen die NPD-Aktionen protestieren, gehört die Harburger Initiative Gedenken. Sie wird wird ab 9 bis 10.15 Uhr mit Propst Jürgen F. Bollmann eine Kundgebung auf dem Herbert-Wehner-Platz abhalten. Nach einer Ansprache des Bischofsvertreters wollen die Mitglieder der Initiative den Stolperstein für den 1933 ermordeten Martin Leuschel säubern, "als Geste der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus", sagt Klaus Möller von der Initiative Gedenken. Ein paar Meter weiter wird das Hamburger Bündnis gegen Rechts unter dem Motto "Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen" ab 10 bis 15 Uhr durch die Innenstadt - Harburger Ring, Krummholzberg, Wilstorfer Straße, bis zur Einmündung in die Moorstraße, ziehen.

Mehrere Hundertschaften Polizisten werden vor Ort sein. Der Seevepatz wird "abgegittert", so eine Polizeisprecherin, die Zugänge zum Platz und zu Marktkauf sollen jedoch passierbar sein. "Das Einkaufszentrum wird geöffnet sein. Wir hoffen, dass nichts passiert. Dafür wird die Polizei schon sorgen", sagt Marktleiter Volodymyr Kaczmyruk. Dass sich unter Umständen viele Harburger von den Veranstaltungen abschrecken lassen und deshalb nur wenige Kunden im Center einkaufen werden, "ist dann eben so".

Ganz so locker nimmt Citymanager Matthias Heckmann den Demo-Supergau in der Innenstadt nicht. Schon seit einigen Tagen ist er an der Lüneburger Straße und am Seeveplatz unterwegs, um die Geschäftsleute auf die möglichen Folgen der Kundgebungen hinzuweisen und sie dazu zu bewegen, ihre Läden nicht zu schließen. "Wir wollen als Citymanagement ein Zeichen gegen Rechts setzen und zur Zivilcourage auffordern", so Heckmann. Er hofft, dass es keine Ausschreitungen geben wird. Und: "Am besten wäre es gewesen, man hätte die NPD-Kundgebung auf einem Spülfeld im Binnenhafen oder am Sonntag stattfinden lassen. Für die Innenstadt und die Geschäftsleute ist eine derartige Veranstaltung eine Zumutung", sagt er.

Auch Harburgs Karstadt-Chef Thomas Diebold ist nicht glücklich mit der Entwicklung. "Die Verantwortlichen hätten ebenso gut am Sonntag oder auf dem Schwarzenberg demonstrieren lassen können. Auch wir rechnen damit, dass am Sonnabend nicht ganz so viele Kunden ihre Einkäufe machen werden." Das sehen Thomas Krause, Phoenix-Centermanager und Sascha Twesten, Leiter des Arcaden-Einkaufszentrums, auch so. "Wir müssen uns damit abfinden, dass wenige Kunden kommen." Beide Einkaufsstätten werden trotzdem öffnen.

"Das Versammlungsrecht ist im Grundgesetz verbürgt und ein hohes Gut. Einfach so eine Kundgebung verbieten oder sie an den Stadtrand verlegen, das geht nicht", sagt Polizeisprecher Streiber. Man habe geprüft, ob man die Aktionen auf den Sonntag verlegt. "Das geht nicht, weil die Organisationen wollten, dass man sie wahrnimmt." Mitten auf dem Seeveplatz. Dort, wo auch viele Geschäfte ansässig sind, die von Ausländern betrieben werden. Migranten wie

Imbiss-Besitzer Ergüc Buvhanettin und Internet-Shop-Chef Abdar Binnig. "Wir haben keine Angst und werden unsere Läden öffnen, auch wenn kaum jemand kommt", sagen beide. Kunde Mukhther Ahmed vertraut auf die Polizei. "Wir sind hier in Deutschland. Hier passiert uns nichts", sagt er und schaut Christian Piehl zu, der gerade ein SPD-Plakat vor Binnigs Laden anbringt. "Fremdenhass muss aufhören. Null Toleranz den Nazis" ist darauf zu lesen.