Asse

Decke im Atomlager stürzt ein - aber "keine akute Gefahr"

| Lesedauer: 2 Minuten
Ludger Fertmann

Im maroden Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel ist eine Decke zwischen zwei Kammern in mehr als 500 Meter Tiefe eingestürzt.

Hannover. Beide Kammern dienten nicht der Lagerung von Fässern mit radioaktivem Müll, waren bereits mit Salzgrus verfüllt, die gebrochene Decke stürzte daher nur 30 Zentimeter tief. "Es besteht keine akute Gefahr", so das BfS.

Das BfS hat allerdings wegen der Einsturzgefahr und der Gefahr großer neuer Wassereinbrüche schon vor Monaten Notfallmaßnahmen für solche Einstürze in die Wege geleitet. Mit seiner Sorge steht das Bundesamt für Strahlenschutz nicht allein.

Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) hat schon Ende der 70er-Jahre Zweifel an der Sicherheit des Atomendlagers Asse gehabt. Als im Jahr 1979 die Bundesregierung versuchte, das ehemalige Salzbergwerk erneut als Endlager auszuweisen, formulierten die Fachleute der damals für Atomfragen zuständigen Physikalisch-Technischen Bundesanstalt einen "kritischen Fragenkatalog" zu drohenden Wassereinbrüchen und Einsturzgefahr. Diese Fragenliste habe dafür gesorgt, dass das vom Bund angeordnete Planfeststellungsverfahren im Sande verlief, sagte gestern der damalige PTB-Chef Prof. Dieter Kind vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss Asse in Hannover.

Zu diesem Zeitpunkt waren im Bergwerk bereits die zwischen 1967 und 1978 eingelagerten 126 000 Fässer mit schwach und mittelaktivem Müll. Die Oppositionsparteien im Ausschuss wollten deshalb wissen, warum die Zweifel nicht auch zu einer völlig neuen Beurteilung der Langzeitsicherheit geführt haben. Der inzwischen 80-jährige Kind sagte: "Ich glaube nicht, dass ich oder sonst jemand sich Gedanken gemacht hat, wie die Asse in 100 Jahren ausschauen wird." Zur Frage, ob damals Fehler gemacht worden seien, sagte Kind: "Vor 30 Jahren war die Welt anders, heute wissen wir, was wir besser nicht getan hätten."

Die Regierungsfraktionen von CDU und FDP verwiesen nach der Sitzung darauf, Prof. Kind habe vor allem klargestellt, dass die damalige Bundesregierung keine kritischen Gutachten der PTB durch Weisung manipuliert habe. Kind plädierte dafür, die seit neun Jahren ruhende Erkundung des Salzstocks Gorleben wieder aufzunehmen: "Wir haben viel Zeit verloren." Nur durch Forschung könnte festgestellt werden, ob Gorleben geeignet sei.