Atommüll-Endlager

Gorleben: Erkundungsstopp ist "echter Schaden"

Ex-Präsident der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt fordert eine rasche Wiederaufnahme der Untersuchungen in dem Salzstock.

Hannover. Unabhängig von den Problemen im maroden Atommülllager Asse hält der frühere Präsident der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) eine rasche Fortsetzung des Untersuchung im Salzstock Gorleben für notwendig. „Das Moratorium ist ein echter Schaden gewesen für die Entwicklung“, sagte der ehemalige Behördenchef Dieter Kind in Hannover als Zeuge im Asse-Untersuchungsausschuss des Landtages. Die Union will die Erkundung Gorlebens als mögliches Endlager für hoch radioaktiven Müll fortsetzen. SPD und Grüne setzten dagegen auf die Suche nach alternativen Standorten in Deutschland. Der ehemalige PTB-Chef Kind räumte ein, dass es Bedenken gegen die Eignung des instabilen Salzbergwerks zur Atommüll-Endlagerung gegeben habe. Vor 30 Jahre hätten es aber andere Maßstäbe geherrscht. „Heute wissen wir, was wir besser nicht getan hätten vor einiger Zeit.“ Allerdings lasse sich die Asse, die einsturzgefährdet ist, nicht mit Gorleben vergleichen, betonte Kind.

Der frühere Asse-Betreiber wies im Untersuchungsausschuss Vorwürfe des fehlerhaften Umgangs mit radioaktiven Stoffen zurück. Das Helmholtz Zentrum habe sich einwandfrei verhalten, sagte der Geschäftsführer der Einrichtung, Professor Günther Wess. Nach Pannen und Ungereimtheiten in dem Salzbergwerk verlor das Helmholtz Zentrum aber die Zuständigkeit, Betreiber der Asse ist seit Jahresanfang das Bundesamt für Strahlenschutz. Es liege nach dem damals maßgeblichen Bergrecht kein Verstoß vor, sagte Wess. „Für mich ging es darum, die Asse sicher zu schließen.“ Vor mehr als 30 Jahren wurden rund 126.000 Fässer mit schwach und mittel radioaktivem Atommüll in der Asse gelagert. Die Grube ist einsturzgefährdet, vor allem weil Wasser eindringt. Derzeit werden drei Optionen diskutiert, wie die Schachtanlage dauerhaft stillgelegt werden kann. Möglich ist ein Herausholen des Atommülls.

Nach den Aussagen des früheren PTB-Präsident Kind lässt sich das Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel nicht mit dem ungenutzten Salzstock in Gorleben im niedersächsischen Wendland vergleichen. „Asse ist keine Referenz für Gorleben, entscheidend ist die Geologie“, sagte der 80 Jahre alte Ingenieur. Er hält es für notwendig, die Erkundung in Gorleben wieder aufzunehmen. „Die Aufgabe ist wichtig, sie muss vorangetrieben werden.“ Außerdem bestritt Kind Vorwürfe, die PTB sei 1983 von der Bundesregierung angewiesen worden, ein kritisches Gutachten zu Gorleben zu verändern. „Bei fachlichen Fragen haben wir keine Einflussnahme gegen unseren Willen akzeptiert“, sagte er. „Das Gutachten ist in seiner wissenschaftlichen Aussage nicht verändert worden.“

SPD und Grüne gehen aber von Manipulationsversuchen auf Gutachter aus. CDU und FDP im Landtag sehen die Vorwürfe dagegen ausgeräumt: „Es ist deutlich geworden, dass die damalige Bundesregierung keinen Einfluss auf die PTB-Gutachten genommen hat. Dieses Oppositionsmärchen ist endgültig vom Tisch.“ (dpa)