Insolvenz

"Gorch Fock": Wer das Segelschulschiff nun fertigbaut

"Gorch Fock" hat wieder Wasser unterm Kiel

Die Sanierung des 61 Jahre alten Schiffes ist wegen der explodierenden Kosten nach wie vor heftig umstritten.

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Von der einst weißen Dreimastbark ist kaum mehr zu sehen als ein mattgrüner Rumpf. Nun steht fest, wo weitergearbeitet wird.

Elsfleth. Das Marineschulschiff "Gorch Fock" soll bei der Fassmer-Werft in Berne an der Unterweser weiter instandgesetzt werden. Das sagte der Vorstand der zuständigen Elsflether Werft, Axel Birk, am Dienstag. In Berne solle der Traditionssegler in der Halle von Fassmer weiß gestrichen werden.

"Auch die Innenausstattung und andere fest mit dem Rumpf verbundene Einrichtungen sollen dort eingebaut werden", sagte Birk. "Wo die Masten gestellt werden, wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden." Am Donnerstag solle die "Gorch Fock" aus dem Wasser gehoben werden.

Die insolvente Elsflether Werft musste als Generalunternehmer entscheiden, wo und mit welchen Subunternehmern das Schiff fertiggebaut wird. "Das geschah in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber, der Marine", betonte Birk. Für Elsfleth sei das Schiff wegen fehlender Infrastruktur zu groß, sagte er. "Wir sind im Zeitplan", betonte er.

Herbst 2020 soll die "Gorch Focke" wieder segeln

Das halb fertig gestellte Schiff war am 27. Juni von Bremerhaven in Richtung Berne geschleppt worden. Seitdem liegt dort der Rumpf mit seinem mattgrünen Schutzanstrich, Masten und Aufbauten fehlen. "Die Generatoren, der Antrieb der Klimaanlagen und die Hauptschalttafel sind schon an ihrem Platz", sagte Birk. Die "Gorch Fock" hatte dreieinhalb Jahre flussabwärts in Bremerhaven im Dock gelegen und war am 21. Juni wieder ins Wasser gelassen worden.

Im Herbst 2020 soll die 61 Jahre alte Dreimastbark wieder segeln. Das Bundesverteidigungsministerium hatte beschlossen, die Sanierung trotz der aus dem Ruder gelaufenen Kosten zu vollenden. Die Kosten sollen 135 Millionen Euro nicht mehr übersteigen.

"Wir werden weiterhin alles daran setzen, die Instandsetzung termingerecht und im Budget auszuführen und die "Gorch Fock" wieder hochseetauglich zu machen", hatte Aufsichtsratschef Pieter Wasmuth von der Elsflether Werft dazu gesagt. Ohne den Beschluss wären Arbeitsplätze auf der Werft und bei Zulieferern gefährdet gewesen. Auf dem Schiff bildet die Marine ihre Offiziersanwärter aus, Heimathafen ist Kiel.

Veruntreuten Ex-Vorstände Geld für dubiose Nebengeschäfte?

Die Elsflether Werft ist seit Februar insolvent und steht zum Verkauf. Die frühere Leitung soll Geld in dubiose Nebengeschäfte gesteckt haben, während Zulieferer auf ihren Außenständen sitzen blieben. Die Staatsanwaltschaft untersucht das Geschäftsgebaren der zwei Ex-Vorstände. Auch mehrere Gerichte beschäftigen sich mit dem Debakel. Die Bredo-Werft in Bremerhaven hatte das Schiff wegen unbezahlter Rechnungen als Pfand behalten wollen. Sie stimmte schließlich aber doch zu, es wieder ins Wasser zu lassen.

Mit einer sogenannten Open-Book-Struktur habe die Bundeswehr anders als früher jederzeit Einblick in alle Termine und anstehende Schritte, sagte Birk am Dienstag. "Damit hat sie die volle Kontrolle über die Kosten und das Vorgehen der Werft."

"Wir freuen uns sehr über den Auftrag", sagte Wiebke Bode, Sprecherin von Fassmer. "Für die weiteren Arbeiten an der "Gorch Fock" stellen wir einen Hallenplatz und weitere logistische Unterstützung zur Verfügung", bestätigte sie am Dienstag. Fassmer hat nach eigenen Angaben weltweit rund 1500 Mitarbeiter.