Wentorf

Wie ein ganzes Wohnviertel klimaneutral werden soll

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Susanne Tamm
Die Gemeinde Wentorf plant ein Quartierskonzept. Im Norden Wohltorfer Weg, im Osten Danziger Straße, im Süden Friedrichsruher Weg, im Westen Hansestraße.

Die Gemeinde Wentorf plant ein Quartierskonzept. Im Norden Wohltorfer Weg, im Osten Danziger Straße, im Süden Friedrichsruher Weg, im Westen Hansestraße.

Foto: OCF Consulting / BGZ

Wentorf plant rund um die Danziger Straße ein Energiequartier. Was das für knapp 2000 Bewohner bedeutet.

Wentorf.  Ein ganzes Viertel hat die Gemeinde Wentorf im vergangenen Jahr in Sachen Energie unter die Lupe genommen: Jetzt sollen am Mittwoch, 1. Februar, in der Aula der Grundschule zum Abschluss die Ergebnisse des sogenannten Energiequartiers rund um die Danziger Straße vorgestellt werden. Sie sollen in ein Umsetzungskonzept, das Sanierungsmanagement, einfließen.

Gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern des Quartiers, lokalen Energie- und Wärmeversorgern, den Wohnungsunternehmen, Vertretern aus den Fraktionen sowie ehrenamtlichen Klimaschützern hat die Klimaschutzmanagerin Yvonne Hargita Potenziale und Lösungen entwickelt. Ziel der Maßnahmen ist es, in Kombination mit den Beschlüssen des Bundes die Klimaneutralität zu erreichen.

Wohnviertel klimaneutral: 14 Prozent der Wentorfer wohnen auf fünf Prozent der Fläche

Das etwa 33 Hektar große Gebiet zwischen Danziger- und Hansestraße sowie zwischen Wohltorfer und Friedrichsruher Weg hat in Wentorf die höchste Konzentration an Mietshäusern. Mit 1910 Einwohnern leben dort etwa 14 Prozent der Wentorfer Bevölkerung auf rund fünf Prozent der Fläche. Dort entweichen etwa 15 Prozent von Wentorfs gesamten Kohlendioxid-Emissionen (9470 Tonnen), die Hälfte davon entsteht beim Heizen oder durch Warmwasser.

„Wenn wir dort ansetzen, erreichen wir also am meisten“, folgert Yvonne Hargita. „Voraussetzung für unsere Maßnahmen ist die Gebäudesanierung, also Dämmungen der Fassaden, Fenster und Dächer.“ Da das Heizen immer teurer werde, seien die Auswirkungen auch für die Mieterinnen und Mieter sofort spürbar. Bei den Wohnungsunternehmen gebe es bereits eine große Bereitschaft, ihre Gebäude zu sanieren. „Einige sind schon dabei, es gibt im Viertel aber auch noch Potenzial“, stellt die Klimaschutzmanagerin fest.

Wärmebedarf soll aus Quellen vor Ort gedeckt werden

In einem zweiten Schritt geht es um die Wärmebereitstellung. „Für private Haushalte bietet sich eine Wärmepumpe an“, erklärt Hargita. „Für größere Gebäude ist diese Lösung aber nicht umsetzbar.“ Deshalb schlägt die Arbeitsgruppe jetzt ein Nahwärmenetz vor. Das angestrebte lokale Wärmenetz sei bei hoher Wohndichte tatsächlich am wirtschaftlichsten zu betreiben, sagt die Expertin.

Blockheizkraftwerke seien hingegen nicht mehr zeitgemäß, da sie fossile Brennstoffe benötigten, die auch noch transportiert werden müssten. Besser falle die CO2-Bilanz aus, wenn die Wärmequelle entweder ein Luft-Wärmetauscher oder Geothermie sei. „Für die Einzel- oder Reihenhäuser im Quartier bräuchten wir Insellösungen, vielleicht eine Wärmepumpe, die sich mehrere Haushalte teilen“, sagt die Klimaschutzmanagerin. „Auf jeden Fall wollen wir den Wärmebedarf aus Quellen vor Ort decken. So bleiben wir auch unabhängiger von Energie aus dem Ausland.“

Ohne Energiesparen geht es auch künftig nicht

Der dritte Punkt beinhaltet weiteres Energiesparen: Denn der Strombedarf wird durch die weitere Digitalisierung und durch die E-Mobilität steigen. „Wir können unseren Lebensstil nicht so fortführen wie bisher“, stellt Hargita fest. „Denn die erneuerbaren Energiequellen werden nicht mehr reichen, um unseren Bedarf zu decken. Wenn möglich, sollten wir zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren.“

Die Mobilität ist der vierte Punkt. Denn eine sichere und klimaneutrale Mobilität sei im Interesse aller. Im Energiequartier sei sie aber wegen der Schulwege von besonderer Bedeutung. „Die Danziger Straße ist meist zugeparkt, und Radwege gibt es dort nicht“, sagt Yvonne Hargita. Schülerinnen und Schüler bräuchten aber die Möglichkeit, sicher auf dem Rad nach Hause oder auch morgens zur Schule zu kommen. „Wir sollten die Danziger Straße neu anfassen und planen“, sagt die Managerin. „Wir müssen den Autoverkehr reduzieren. Dafür sind wir mit der VHH in Gesprächen, die Dorfstromer-Gruppe Wentorf/Reinbek kann sich vorstellen dort ein Carsharing-Projekt anzubieten und der ADFC eine Station für sein Lastenrad.“

So sollen die Ideen umgesetzt werden

Mit den Wohnungsunternehmen und dem E-Werk Sachsenwald gebe es ebenfalls Gespräche, berichtet Yvonne Hargita. „Wir gehen davon aus, dass die Gesetze zum Klimaschutz immer strenger werden. Das ist absehbar. So können wir uns beispielsweise nicht mehr leisten, für Photovoltaik geeignete Dächer brachliegen zu lassen.“ Die Dächer von Mietshäusern seien häufig gut geeignet. „Durch die politische Lage hat sich das Interesse an Energiethemen durch den Autarkiegedanken extrem verstärkt.“

Die Ergebnisse des Quartierskonzeptes sollen ab Mitte des Jahres über drei Jahre in einem Sanierungsmanagement umgesetzt werden. Diesen Prozess wird Wentorf ausschreiben. „Ich werde das Projekt fachlich weiter begleiten, schaffe aber nicht alles. Ein großer Teil der Arbeit wird es sein, die Projekte der Wohnungsbauunternehmen zeitlich aufeinander abzustimmen.“ Die Kosten für das Sanierungsmanagement in Höhe von etwa 280.000 Euro werden zu 90 Prozent von der Kfw (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und von der Investitionsbank Schleswig-Holstein gefördert. Das Land Schleswig-Holstein verpflichtet die Kommunen bis 2045 zur klimaneutralen Beheizung aller öffentlichen und privaten Gebäude. „Wir können das jetzt im Kleinen schon mal üben.“ Die Präsentation am Mittwoch, 1. Februar, in der Grundschule (Wohltorfer Weg) beginnt um 18 Uhr.

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