Schnakenbek

Mobiles Arbeiten, wo früher die Kühe muhten

| Lesedauer: 4 Minuten
Elke Richel
Europaparlamentarier Niclas Herbst (CDU) und Landtagskandidatin Andrea Tschacher informieren sich bei Johann von Frankenberg (r.) über das Coworking Space im Kuhstall von Schnakenbek, gefördert mit EU-Mitteln

Europaparlamentarier Niclas Herbst (CDU) und Landtagskandidatin Andrea Tschacher informieren sich bei Johann von Frankenberg (r.) über das Coworking Space im Kuhstall von Schnakenbek, gefördert mit EU-Mitteln

Foto: Elke Richel

Das geplante Coworking Space In Schnakenbek macht Schule. Schleswig-Holstein hat Anfang April ein neues Förderprogramm aufgelegt.

Schnakenbek. Man muss schon viel Fantasie haben, um in dem großen Raum in Schnakenbek einen ehemaligen Kuhstall zu erkennen. Allerdings braucht man fast genauso viel Vorstellungskraft, darin Menschen zu sehen, die hier zeitweise über Projekten brüten oder ihren Kollegen in Videokonferenzen zugeschaltet sind.

Doch bald soll das hier Alltag sein. Wie berichtet wollen Johann und Katharina von Frankenberg auf ihrem großen Hof in Schnakenbek ein sogenanntes Coworking Space errichten. Insbesondere die Bewohner der Lauenburger Neubaugebiete hat das Ehepaar als Zielgruppe im Auge, aber eben auch Menschen, die schon lange außerhalb arbeiten. Von den rund 3400 Beschäftigten in Lauenburg verlassen 2500 Personen die Stadt, um zu arbeiten. 635 Personen nehmen dafür Arbeitswege bis nach Hamburg in Kauf. Das hat die Genossenschaft CoWorkLand herausgefunden, in der Johann von Frankenberg Mitglied ist.

Aktivregion Sachsenwald-Elbe fördert Projekt in Schnakenbek mit 60.000 Euro

Insgesamt 200.000 Euro wird das Projekt am Ende kosten, hat Johann von Frankenberg kalkuliert. Doch es gibt auch Fördermittel. Mittlerweile hat das umtriebige Unternehmerpaar einen Zuwendungsbescheid der Aktivregion Sachsenwald-Elbe in Höhe von 60.000 Euro in der Tasche.

Die Mittel der Aktivregion stammen aus Fördertöpfen der Europäischen Union und werden von den Mitgliedskommunen kofinanziert. Europaparlamentarier Niclas Herbst (CDU) wollte sich nun selbst ein Bild von dem Projekt machen, an seiner Seite CDU-Landtagskandidatin Andrea Tschacher.

Land legt neues Förderprogramm auf

„Genau solche Projekte sind es, die sinnvoll durch die EU über die Aktivregion gefördert werden“, sagte Herbst nach einem kurzen Rundgang über den idyllisch gelegenen Hof.

Auch wenn das Ehepaar von Frankenberg in Sachen Coworking in der Region Vorreiter ist, sollen derartige Angebote im ländlichen Raum weiter etabliert werden. Unter dem Dach des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume ist Anfang April ein neues Programm gestartet.

Zweck der Förderung ist, das Angebot an Coworking Spaces in den ländlichen Räumen auszubauen. Der Fördersatz beträgt maximal 65 Prozent der Kosten, der maximale Zuschuss je Vorhaben 50.000 Euro.

Bauantrag für Coworking Space in Schnakenbek bereits 2020 gestellt

Einen Haken hat das Förderprogramm allerdings: Die Vorhaben müssen bis zum 31. Dezember dieses Jahres abgeschlossen werden. Angesichts des Projektes, das Katharina und Johann von Frankenfeld auf ihrem Hof realisieren wollen, erscheint dieser Zeitrahmen wenig realistisch. Den Bauantrag hat das Ehepaar vor zwei Jahren gestellt, die Baugenehmigung haben sie mittlerweile in der Tasche.

Etwa 120 Quadratmeter groß ist der ehemalige Kuhstall. Die ehemals kleinen Fenster hätten viel zu wenig Licht in den Raum gelassen. Die neuen großen Öffnungen in den Außenwänden lassen ahnen, dass später jede Menge Tageslicht in den Raum fallen wird.

15 Arbeitsplätze werden geschaffen

Die alten Balken des ehemaligen Kuhstalls bilden natürliche Abgrenzungen der bis zu 15 Arbeitsplätze voneinander. Für schnelles Internet sorgt das im vergangenen Jahr verlegte Glasfasernetz im Dorf. Außerdem wird es Räume für ungestörte Treffen in sogenannten Meeting­boxen geben sowie Präsentations- und Moderationstechnik.

In den nächsten Tagen wird es einen Durchbruch von dem Gemeinschaftsraum der Ferienwohnungen zum Coworking Space geben. Damit können auch die Mieter des Arbeitsbereiches die gut ausgestattete Gemeinschaftsküche mit dem großen Tisch sowie die modernen Sanitäranlagen nutzen.

Nach den Sommerferien beginnt der Betrieb des Coworking Space

Auch wenn der Plan sportlich erscheint, will das Unternehmerpaar nach den Sommerferien das Coworking Space eröffnen. An der Buchungssoftware tüftelt Johann von Frankenberg noch. Alles soll unkompliziert für die Nutzer sein.

Mit etwas Glück bietet der Spätsommer in diesem Jahr noch schönes Wetter. Dann wird es während der Arbeitspausen kaum jemanden am Schreibtisch halten. Auf dem Hof spendet ein großer Esskastanienbaum mit einer Rundbank Schatten. Wer mag, bleibt dann einfach draußen an einem der Holztische sitzen, das starke WLAN-Netz sorgt auch hier für einen guten Empfang. Und wer hat schon einen Arbeitsplatz, wo im Hintergrund Vögel zwitschern, Pferde wiehern und der Hofhund zwischendurch gestreichelt werden möchte.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Lauenburg