Reaktion

ADFC kritisiert Beschluss zum Radverkehr in Lauenburg

| Lesedauer: 4 Minuten
Elke Richel
Im September 2018 gründete sich die Ortsgruppe des ADFC in Lauenburg. Peter Junge (3. von rechts) gehörte zu den Initiatoren. Erklärtes Ziel war es , die Lobby der Radfahrer in Lauenburg zu stärken.

Im September 2018 gründete sich die Ortsgruppe des ADFC in Lauenburg. Peter Junge (3. von rechts) gehörte zu den Initiatoren. Erklärtes Ziel war es , die Lobby der Radfahrer in Lauenburg zu stärken.

Foto: Elke Richel / BGZ / Elke Richel

Politik schmettert Radverkehrskonzept für Lauenburg ab. Interessenvertreter der Fahrradfahrer sehen eine „Riesenchance verpasst“.

Lauenburg.  Die Entscheidung kam überraschend: Nach fast zwölf Jahren Diskussion ist das Radverkehrskonzept für Lauenburg endgültig vom Tisch. Der Ausschuss für Umwelt und Energiewende hatte sich in der vergangenen Woche Montagabend mehrheitlich gegen eine Weiterverfolgung der darin beschriebenen Lösungsansätze gestimmt. Die CDU hatte bereits im Vorfeld einen Änderungsantrag formuliert, sich dann aber kurz vor der Sitzung mit der Lauenburger Wählergemeinschaft (LWG) auf ein gemeinsames Papier geeinigt. „Das vom Büro PGV-Hannover erarbeitete Markierungskonzept wird nicht weiter verfolgt“, hieß es darin. Mit einer Stimme mehr setzten sich die beiden Fraktionen gegen SPD und Grüne durch.

Für Fahrradschutzstreifen auf beiden Seiten der B 5 ist kein Platz

Unfassbar für Peter Junge, der unter den Zuschauern saß. „Da gehört schon einige Gedankenakrobatik dazu, eine heute gefährliche Situation zu negieren und dafür einen Schutzstreifen zur Gefahrenquelle hochzustilisieren“, ärgert sich der Sprecher der Lauenburger Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Für Gutachter Edzart Hildebrand vom Büro PGV-Hannover war besonders die Situation auf der in der Ortsdurchfahrt von Lauenburg schmalen Bundesstraße 5 eine harte Nuss. Für Fahrradschutzstreifen auf beiden Seiten ist kein Platz, denn die Fahrbahn ist fast durchgängig nur 7,60 Meter breit.

Auch die Politik biss sich daran die Zähne aus und legte den Finger auf besonders gefährliche Streckenabschnitte. Das Konzept, das Hildebrand schließlich auf den Tisch legte: Ein Konstrukt aus verschiedenen Markierungslösungen auf der Straße. Der Gutachter selbst machte keinen Hehl daraus, dass sein Konzept – insbesondere beim Thema Schutzstreifen – an Grenzen stößt.

Lauenburgs Verwaltung soll neuen Weg einschlagen

Dem hatten CDU und LWG nicht folgen wollen. Stattdessen solle die Verwaltung nun einen neuen Weg einschlagen, um „zügig einen baulichen Radweg parallel zur B 5 (auch durch Reduzierung des Fahrbahnquerschnittes) zu realisieren“, hieß es im gemeinsamen Antrag.

Für den ADFC-Sprecher ist das völlig unverständlich: „Die Forderung klingt wie Hohn, war doch ausführlich dargelegt worden, dass für einen Radweg der Platz nicht ausreicht“, sagt er.

Auch der ADFC sieht Schwächen im Konzept der Schutzstreifen

In September vergangenen Jahres hatte sich der ADFC schon einmal zu Wort gemeldet, als es um das Radverkehrskonzept ging. Grundsätzlich hatten die Interessenvertreter der Radfahrer den Ansatz des Gutachters gelobt, durch wenigstens einen Schutzstreifen die gefährliche Situation für Radfahrer auf der B 5 entschärfen zu wollen.

Allerdings gebe es auch Schwächen des Entwurfs. Einige davon hatte Hildebrand ausräumen können, andere Vorschläge blieben unberücksichtigt. Für Junge kein Grund, das Konzept jetzt abzuschmettern. „Damit ist nach jahrelanger Diskussion und Entwicklung leider eine Riesenchance verpasst worden“, ärgert er sich.

Lesen Sie auch:

Auch wenn die SPD nicht dafür gewesen war, das Radwegekonzept zu begraben, kriegen die Genossen ihr Fett weg. „Auch die SPD tat sich eher mit einer halbherzigen Unterstützung des vorgelegten Verkehrskonzepts und weiteren Fragen zu Nebenschauplätzen hervor. Einzig die Grünen bekannten sich klar zum Vorschlag der Verwaltung“, stellte Junge fest.

Ohne Einschränkungen für den Kfz-Verkehr werde es nicht gehen

Der von LWG und CDU vorgelegte Alternativvorschlag, der schließlich – bei Stimmenenthaltung der Grünen – einstimmig beschlossen wurde, stößt beim ADFC-Sprecher auf wenig Begeisterung. „Der Vorschlag enthält, neben der Aufforderung an die Verwaltung, Alternativrouten zu entwickeln, wenig Konkretes“, kritisiert er. Der grob skizzierte Vorschlag für mögliche Alternativrouten sei für Radfahrende, die den Ort zügig durchqueren wollen, völlig ungeeignet.

„Bei CDU und LWG ist bisher nicht angekommen, dass auch Radfahrende einen Anspruch auf direkte Fahrradrouten haben“, meint Junge. Völlig verschließen will sich der ADFC-Sprecher der neuen Beschlusslage dennoch nicht: „Wir unterstützen die Idee, sichere Fahrradrouten in der Stadt zu entwickeln. Aber auch dort wird es nicht ohne Einschränkungen für den Kfz-Verkehr gehen. Der Verkehrsraum ist nun einmal begrenzt.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Lauenburg