Neues Vorhaben

Klimaschutz: Lütaus Kirche heizt bald mit Knickholz

Der Weg zur St.-Dionys-und-St. Jakobus-Kirche in Lütau ist aufgegraben. Hier werden die Leitungen für das Fernwärmenetz verlegt.

Der Weg zur St.-Dionys-und-St. Jakobus-Kirche in Lütau ist aufgegraben. Hier werden die Leitungen für das Fernwärmenetz verlegt.

Foto: Huhndorf

Die Gemeinde will mit einem modernem Heizwerk CO2-neutral werden. Damit ist Lütau Vorreiter im Konzept der Nordkirche. Die Details.

Lütau. Klimaschutz war in der Kirchengemeinde Lütau bereits ein Thema, als Klimaaktivistin Greta Thunberg gerade eingeschult wurde, „Fridays for Future“-Demonstrationen in weiter Ferne lagen. Bereits 2012 beschloss die Kirchengemeinde, die Kirche St. Dionys und St. Jakobus, das Pastorat und den Kindergarten umweltfreundlich mit Wärme zu versorgen. Ziel: Die Kirchengemeinde mit 1400 Gemeindemitgliedern und einer Kita mit 30 Plätzen will klimaneutral werden.

Damit ist Lütau Vorreiter im Konzept der Nordkirche, sie strebt Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 an. „80 Prozent unseres Kohlendioxidausstosses beruht auf der Heizung von Gebäuden mit fossilen Rohstoffen. Die Hackschnitzelanlage ist ein beispielhaftes Pilotprojekt für die Region“, sagte Annette Piening, Umwelt- und Klimaschutzbüro der Nordkirche.

Lütau will für das Heizen der Kirche Knickholz nutzen

Genutzt werden soll dafür Knickholzschnitt. Die Kirchengemeinde besitzt 150 Hektar Land, die verpachtet sind. Das Holz aus der Knickpflege wird bislang nicht genutzt. Es reicht für den Betrieb der Hackschnitzelanlage mehr als aus. „Wir haben fast das Doppelte der erforderlichen Menge an Hackschnitzeln. Außerdem haben wir einen Wald mit 1000 schnell wachsenden Pappeln angepflanzt, die als Puffer verwendet werden könnten“, sagt Michael Eggers vom Kirchengemeinderat.

„Auf einer Freifläche des Pastorates wird für den Betrieb der Anlage und die Lagerung der Hackschnitzel ein einstöckiges Heizhaus mit rund 120 Quadratmeter Fläche errichtet“, informiert Ingenieur Andreas Tech von der Bauabteilung des Kirchenkreises. Eine Förderschnecke bringe die Holzschnitzel vom Lager ins Heizhaus und dort eine weitere zum Heizkessel.

Durch die Umstellung der Beheizung von fossilen Brennstoffen auf nachwachsendes Holz wird eine Minderung der Treibhausgasemissionen um rund 80 Prozent erwartet, konkret 32 Tonnen CO. Die Anlage soll voraussichtlich im Januar in Betrieb gehen und zunächst Pastorat und Kita beheizen. Der Anschluss der Kirche dauert länger, weil auch eine neue Fußbodenheizung installiert wird.

In der Übergangszeit wird mit Sonnenwärme geheizt

Zusätzlich wird eine Solarthermie-Anlage zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung errichtet. „Damit decken wir die Warmwasserversorgung im Sommerhalbjahr ab und heizen in der Übergangszeit zu. Bislang haben wir für alle drei Gebäude separate Gasheizungen, die ohnehin ersetzt werden müssten“, sagt Pastorin Anna Christ. Aber auch der Aushub für das Fundament der vollautomatischen Hackschnitzelheizung wird genutzt.

„Wir bauen mit Hilfe unserer Pfadfindergruppe ein Amphitheater für den Pastoratsgarten. Dort können wir Aufführungen und Treffen unter freiem Himmel organisieren. Das ist in Corona-Zeiten besonders wichtig“, so die Pastorin.

Eigentlich sollte der Bau der Anlage schon weit fortgeschritten sein. Bereits vor einem Jahr war der Baubeginn geplant. Dann jedoch wurde das Pastorat aus dem Jahr 1846 unter Denkmalschutz gestellt. „Es gelten höhere Auflagen. Wir mussten das ganze Verfahren noch einmal durchlaufen“, berichtet Olaf Dey vom Kirchengemeinderat.

Kosten wegen Bauverzögerungen weiter gestiegen

Die Folge: Die Kosten sind weiter gestiegen. Vor einigen Monaten ging die Nordkirche noch von 682.000 Euro Gesamtkosten aus. Nun belaufen sie sich auf 826.737 Euro. Zwar gibt es eine Förderung in Höhe von 200.000 Euro durch den Bund und weitere 100.000 Euro aus der Europäischen Union. Den Rest teilen sich Kirchengemeinde, Nordkirche und das Land. „Wir kommen trotz der Zuwendungen an die Grenze unserer finanziellen Belastbarkeit und sind auf Spenden angewiesen“, betont Pastorin Anna Christ.

Historischer Turm der Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert

Lütau ist eines der ältesten Kirchspiele in der „Sadelbande“, einer historischen Landschaft, die sich im Mittelalter über den südlichen Teil des Kreises Herzogtum Lauenburg erstreckte. Zum Kirchspiel gehören auch die Dörfer Buchhorst, Dalldorf, Krüzen, Lanze und Wangelau sowie Basedow mit der St.-Jacob-Kapelle.

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Der Kirchturm der St.-Dionys-und-St.-Jakobus-Kirche in Lütau stammt aus dem 12. Jahrhundert. Dagegen ist das Langhaus der Kirche nach Abbruch der Vorgängerkirche im 19. Jahrhundert klassizistisch neu errichtet worden.