Olaf Schulze

Geesthachts Bürgermeister verrät Geheimnisse

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Dirk Palapies
Bürgermeister Olaf Schulze stand Kindern im Familienzentrum Rede und Antwort. Justus (li. vor ihm) hatte die Idee zur Einladung.

Bürgermeister Olaf Schulze stand Kindern im Familienzentrum Rede und Antwort. Justus (li. vor ihm) hatte die Idee zur Einladung.

Foto: Dirk Palapies

Kinder wollen wissen, was die meisten Erwachsenen sich nicht zu fragen trauen. Die überraschenden Antworten des Olaf Schulze.

Geesthacht. „Wo hat der Bürgermeister schon im Sand gespielt?“, heißt es im Kinderlied von Rolf Zuckowski. Antwort: „Im Kindergarten, im Kindergarten, da fangen alle mal als kleine Leute an.“ In diesem Punkt musste Olaf Schulze seine jungen Zuhörer enttäuschen. Der Geesthachter Bürgermeister war nie im Kindergarten, berichtete er. Klein angefangen, das hat er zu Hause im Hechtholz, dort ist er aufgewachsen. Auf Einladung der Kita Regenbogen besuchte Olaf Schulze das städtische Familienzentrum am Neuen Krug, um den Kindern im Vorschulalter Rede und Antwort zu stehen. Mit dem Zuckowski-Lied „Kindergarten“ zur Begrüßung startete der Empfang.

Initiator der Aktion war Justus aus der Eichhörnchengruppe, „der dem Bürgermeister einmal ganz viele Fragen stellen wollte“, berichtet Regenbogen-Koordinatorin Miriam Krüger. Dieser Wunsch entstand bei Justus im Mai während der Aktion Stadtradeln bei einer Tour, bei der Olaf Schulze auch dabei war.

Geesthacht: Bürgermeister verrät Geheimnisse – und hat amtliche Stempel dabei

Die Kinder gingen vorbereitet in ihre Talkshow, hatten im Vorfeld zusammen mit den Erzieherinnen Andrea Richter, Melanie Salomon, Anja Dröse und Cordula Zwisler die Köpfe zusammengesteckt, um Fragen zu entwickeln. Wobei sich gute Planung und kindliche Spontanität dann gut ergänzten.

„Jetzt kommt’s drauf an“, meinte Bürgermeister Olaf Schulze augenzwinkernd, als er den Raum betrat. Er kam nicht mit leeren Händen. Dabei hatte er drei offizielle Stadtstempel. So etwas steht bei den Kindern gerade ganz hoch im Kurs, hatte er erfahren. Zum Schluss der Veranstaltung drückte er also den Schriftzug „Bürgermeister“, das Siegel der Stadt und das Stadtwappen auf viele hingereckte Kinderunterarme. „Einmal waschen, und es ist wieder ab“, bemerkte eine Erzieherin. Die Kinder waren allerdings so stolz auf ihre amtlichen „Tattoos“, dass fraglich scheint, wann es zum nächsten Kontakt mit Wasser kommen wird.

Schüler, Klempner, Gewerkschafter – und Bürgermeister

Die Runde begann mit einer kurzen Selbstvorstellung von Olaf Schulze. Er sei am Buntenskamp zur Schule gegangen, dann in der Oberstadt, Klempner geworden und über die Gewerkschaft zur Politik gekommen. Nun sei er Chef von 500 städtischen Mitarbeitern. Das sorgte für Begeisterung. „Ich will auch Bürgermeister werden“, meinte ein Junge, „ich auch“, „ich auch“, riefen weitere Kindern.

Die Fragerunde dauerte 35 Minuten. Es ging Schlag auf Schlag, interessant war für die Kinder nahezu alles. Lebensumstände, Hobbys und Vorlieben, aber auch zu Tücken der Infrastruktur, mit denen sie selbst konfrontiert werden. „Warum fehlt auf manchen Spielplätzen die Wippe?“, wollte ein Junge wissen. „Die Spielplätze werden in Geesthacht immer mit den Kindern aus der Umgebung geplant“, erklärte Schulze. „Vielleicht wollten die Kinder dort keine Wippe haben.“

Gestellt wurden auch Fragen, auf die eigentlich niemand kommt, jedenfalls kein Erwachsener. „Hast du einen Zylinder?“, wollte ein Mädchen wissen. „Ja, zwei Stück sogar“, verriet Olaf Schulze. Er war früher Mitglied bei der Gesangsgruppe der Comedian Disharmonists, die sich 2001 aufgelöst hatte. Gesang und Kleidung lehnten sich an die Comedian Harmonists an, die berühmte Gruppe der 20er- und 30er-Jahre. Und den zweiten besitze er, weil er Mitglied bei der Lauenburger Schifferbrüderschaft ist, dort ist der Zylinder unverzichtbares Accessoire der traditionellen Kleidung.

Und was für ein Auto fährt der Bürgermeister?

Die Fünf- und Sechsjährigen waren ihre schärfsten Kritiker, korrigierten sich – „das hat er doch schon gesagt“, meinte jemand, als erneut die Frage nach seinem Auto (Audi) kam. „Wo arbeitest du?“, wollte ein Junge wissen. Um schelmisch hinzuzufügen: „Das war nur ein kleiner Scherz“. Denn die Antwort „im Rathaus“ war längst mitgeteilt worden. Bei den teilweise jüngeren Kindern der Igelgruppe, bei denen Olaf Schulze ebenfalls vorstellig wurde, war das nicht so gewiss. „In einer Kirche?“, rätselte ein Mädchen.

Wir wissen nun, dass das Lieblingseis von Olaf Schulze Zitrone ist, seine Lieblingsfarben gelb und rot sind (ob politisch begründet, blieb offen) und er Nudeln mag, die Frage nach dem Lieblingsdino vermochte er mangels Dinowissens nicht zu beantworten, gab er zu. Er besitzt weder ein Motorrad noch ein Skateboard und auch kein Flugzeug, dafür aber ein Fahrrad ohne E-Antrieb, er putzt zweimal täglich die Zähne, und Geld darf er im Rathaus leider nicht selbst herstellen.

Geesthacht: Ein Junge will Olaf Schulze Türkisch beibringen

Olaf Schulze wohnt in Tesperhude, geht gern an der Elbe spazieren, hat keine Haustiere, aber seine Mutter einen Hund (Cocker Spaniel), sein Lieblingsfußballverein ist der FC St. Pauli. Und nein, außer Deutsch könne er leider keine andere Sprache, ein bisschen Englisch höchstens. „Du kannst gern von mir Türkisch lernen“, schlug ein Junge vor. Eine Frage habe er vermisst, meinte Olaf Schulze nach Ende der Runde. „,Was verdient ein Bürgermeister’, die kam bei Kindern sonst immer“.

Zum Schluss gab es nur strahlende Gesichter. „Vielleicht sehen wir Sie ja im nächsten Jahr wieder“, meinte Miriam Krüger, die einen regelmäßigen Besuch gut finden würde. Einem Jungen dauerte das zu lange, er regte an: „Oder morgen?“

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