Großprojekt

Baubeginn des Fehmarnbelttunnels in acht Monaten

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Matthias Popien
So soll das Portal des kombinierten Straßen- und Eisenbahntunnels aussehen, der Deutschland mit Dänemark verbinden wird.

So soll das Portal des kombinierten Straßen- und Eisenbahntunnels aussehen, der Deutschland mit Dänemark verbinden wird.

Foto: Femern AS

Dänemark will im Januar starten. Rund 18 Kilometer langes Bauwerk verbindet die Inseln Fehmarn und Lolland.

Kiel/Kopenhagen.  Die Dänen legen los: In gut acht Monaten soll mit dem Bau des Belttunnels zwischen Dänemark und Deutschland begonnen werden. Das teilte das dänische Verkehrsministerium am Freitag mit. Zuvor hatte das Steuerungsgremium des dänischen Parlaments den Baubeginn zum 1. Januar 2021 abgesegnet. Die Fertigstellung des rund 18 Kilometer langen Tunnels ist für Mitte 2029 geplant. Mit dem Bau des Arbeitshafens soll schon in diesem Sommer begonnen werden.

Gebaut wird zunächst nur auf dänischer Seite – auf der Insel Lolland. Neben dem Hafen entsteht dort ab 1. Januar eine Fabrik, in der die einzelnen Betonelemente des Unterwassertunnels hergestellt werden. Erst ab Mitte 2022 soll auf deutscher Seite gearbeitet werden. Ob das auch klappt, ist derzeit unbekannt. Auf deutscher Seite gab es am Freitag offiziell viel Lob für die Nachbarn. Inoffiziell klang auch ein wenig Kritik durch. Denn auf der dänischen Seite steht einem Baubeginn tatsächlich nichts im Wege – auf deutscher Seite allerdings schon. Gegen den Planfeststellungsbeschluss für den auf deutschem Hoheitsgebiet liegenden Tunnelabschnitt sind acht Klagen anhängig.

Mündliche Verhandlungen im Oktober?

Zwar hat das Bundesverwaltungsgericht unlängst mitgeteilt, dass die mündlichen Verhandlungen im Oktober stattfinden sollten. Ob dieser Zeitplan angesichts der coronabedingte Einschränkungen zu halten ist, gilt aber als fraglich. Dennoch ist es nicht auszuschließen, dass bis zum geplanten Baubeginn auf deutscher Seite Baurecht vorliegt. Sollten die Leipziger Richter allerdings Nachbesserungen am Planfeststellungsbeschluss fordern, könnte es eng werden.

Auf dänischer Seite ist die Zuversicht dennoch groß. Der Verkehrsminister Benny Engelbrecht sagte am Freitag: „Der heutige Beschluss des parlamentarischen Steuerungsgremiums über den Beginn der Bauarbeiten auf dänischer Seite ist eine historische Entscheidung.“ Anstatt das deutsche Gerichtsverfahren bezüglich der Klagen gegen den deutschen Planfeststellungsbeschluss abzuwarten, werde die Zeit genutzt, um mit den Bauarbeiten auf dänischer Seite zu beginnen. „Dies bedeutet, dass auf Lolland jetzt viele neue Arbeitsplätze geschaffen werden, die dazu beitragen, die Wirtschaft wieder anzukurbeln“, sagte Engelbrecht. Der Tunnel ist mittlerweile wohl auch zu einer Art Coronakonjunkturprogramm geworden.

Baustelle wird die größte ihrer Art in Nordeuropa

Den Dänen kommt zugute, dass die staatliche Tunnelplanungsfirma Femern A/S für einzelne Bauabschnitte des Milliardenprojekts bereits Vorverträge abgeschlossen hat. Die können jetzt aktiviert werden. Die Tunnelelementefabrik wird von dem Konsortium Femern Link Contractors (FLC) errichtet. FLC wird später auch den Tunnel selbst bauen. An dem Konsortium sind neben einer dänischen, einer niederländischen, einer belgischen und zwei französischen Firmen auch zwei deutsche Unternehmen beteiligt: Max Bögl und Ways & Freitag Ingenieurbau.

Die Fabrik wird nach Angaben von Femern A/S mit einer Grundfläche von 200 Fußballfeldern eine der größten Fabriken in Dänemark sein, die gesamte Baustelle wird die größte ihrer Art in Nordeuropa. Die einzelnen Elemente sind 73.000 Tonnen schwer. Der Bauplan sieht vor, dass die Fabrik Anfang 2023 mit der Fertigung der Betonteile beginnen kann. Anfang 2024 wird demnach das erste Element auf den Fehmarnbelt herausgeschleppt und dort dann in einem zuvor ausgehobenen Graben versenkt.

Reservierte Reaktionen der Grünen

In Schleswig-Holstein hat die Entscheidung des dänischen Parlaments überwiegend positive Reaktionen hervorgerufen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jörn Arp begrüßte den Schritt und sagte: „Auf deutscher Seite wird wieder einmal deutlich, dass sowohl die Planungsverfahren deutlich zu lang sind und das Verbandsklagerecht Gegnern des Projektes ermöglicht, immer wieder den Ausbau zu stoppen und zu verzögern, ohne eine Umsetzung letzten Endes zu verhindern.“ Der FDP-Landtagsabgeordnete Kay Richert ergänzte: „Wir freuen uns, dass die Dänen Nägel mit Köpfen machen und mit dem Bau loslegen wollen. Gerade in den aktuellen Zeiten der Abschottung und temporären Grenzschließung ist dies ein wichtiges Zeichen.“

Etwas reservierter war die Reaktionen der Grünen, Koalitionspartner von CDU und FDP. „Es ist das gute Recht des dänischen Staats, mit dem Bau zu beginnen“, sagte der Landtagsabgeordnete Andreas Tietze. Der Zeitplan sei sehr ambitioniert.

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