Kohlekraftwerk

Minister will Wedel "so schnell wie möglich" abschalten

Das Steinkohlekraftwerk in Wedel bleibt deutlich länger am Netz als bislang geplant

Das Steinkohlekraftwerk in Wedel bleibt deutlich länger am Netz als bislang geplant

Foto: Katy Krause / HA

Die Kieler Landesregierung erhöht den Druck auf Hamburg, wo 150.000 Haushalte mit Fernwärme aus dem Kraftwerk versorgt werden.

Wedel/Hamburg.  Die schleswig-holsteinische Landesregierung will das mehr als 50 Jahre alte Kohlekraftwerk in Wedel stilllegen – und erhöht jetzt den Druck auf Hamburg. Robert Habeck (Grüne), Schleswig-Holsteins Energiewendeminister, sagte dem Abendblatt: „Unsere politische Position lautet: So schnell wie möglich abschalten.“ Hamburg lehnt eine Schließung bislang ab. Denn das Kraftwerk versorgt rund 150.000 Wohneinheiten in Hamburg mit Fernwärme. Für Schleswig-Holstein hingegen ist die Anlage eine Belastung. Zum einen stößt sie seit 2015 Rußpartikel aus, die in Wedel Autos, Terrassen und Wege beschmutzen.

Die Ursachen dieses Ausstoßes sind unbekannt. Zum anderen erzeugt das Steinkohlekraftwerk erhebliche Mengen an CO2. „Das Kohlekraftwerk liegt in Schleswig-Holstein“, sagte Habeck. „Es ist unsere CO2-Bilanz, die da verhagelt wird. Das Kraftwerk ist einer der größten CO2-Emittenten in Schleswig-Holstein. Es soll daher weg.“

Angst um die eigene CO2-Bilanz

Habeck kann allerdings nichts anderes tun, als auf die Einsicht des Nachbarn Hamburg zu hoffen. Denn: Die graue, teils klebrige Masse, die aus den Schornsteinen des Kraftwerks kommt, ist nicht gesundheitsschädlich. Das haben Untersuchungen ergeben. „Deswegen gibt es keinen rechtlichen Hebel, um das Kohlekraftwerk zu schließen“, sagte Habeck. Das Land dringt nun zunächst darauf, dass der Ausstoß mit technischen Maßnahmen verringert wird. Der Stromkonzern Vattenfall, dem das Kraftwerk gehört, hat unter anderem eine Kalkeindüsung eingebaut. Habeck: „Wir haben eine Anordnung zur Reduktion der Immissionen getroffen, der Betreiber hat daraufhin Baumaßnahmen für 2,5 Millionen Euro umgesetzt.“ Es gebe zwar erste Hinweise auf Verbesserungen, aber die Situation sei noch nicht befriedigend.

An der Stilllegung der Anlage führt aber nach Ansicht von Habeck kein Weg vorbei. Das Problem: Vor der Abschaltung müsste eine Ersatzanlage gebaut werden. In Hamburg wird derzeit an Plänen für eine Alternative gearbeitet. „Die Entscheidung über den Ersatz des Kraftwerks in Wedel soll im Dezember fallen“, sagte Jan Dube, Sprecher der Behörde für Umwelt und Energie.

An diesem Sonnabend demon­striert die Bürgerinitiative „Stopp! Kein Megakraftwerk in Wedel“ ab „Fünf nach zwölf“ vor dem Kraftwerkstor am Tinsdaler Weg 146 für eine Stilllegung der Anlage.