Schädlinge: Der kühle April mit frostigen Nächten kann ihnen nichts anhaben

Zecken mögen kalte Winter

Auch Schnecken und Mücken kommen mit Frost gut zurecht. Sie gedeihen besonders gut, wenn die kommenden Monate relativ feucht werden.

Frostige Nächte Mitte April - da bleibt bei vielen Menschen die Hoffnung, dass es wenigstens ein Gutes hat und die Zahl der tierischen Plagegeister wie Zecken, Mücken und Schnecken verringert wird. "Das ist ein Irrglaube", betont jedoch Prof. Josef H. Reichholf, Botschafter der Deutschen Wildtier Stiftung in Hamburg.

"Die Wintertemperaturen haben für die Zahl der Mücken und Schnecken überhaupt keine Bedeutung. Bei den Zecken führen kalte Winter sogar eher dazu, dass ihre Zahl steigt." Denn Schnee und Frost schützen die Zecken in der Phase ihrer Kältestarre. Darüber hinaus können in warmen und feuchten Wintern die Zecken von Pilzen geschädigt werden.

Entscheidend für die Mückenzahl ist nicht die Witterung im Winter, sondern das Wetter im Frühjahr und Frühsommer. Fällt dieses sehr trocken aus wie im März/April 2007, gibt es kaum Stechmücken und auch wenig Bremsen. "Nicht der warme Winter, sondern der viele Regen in den vergangenen Wochen kann die Mückenbestände im Sommer vergrößern", erklärt Reichholf. "Die kurzen Frostperioden können den Beständen nichts mehr anhaben."

Auch auf die Schneckenzahl haben die Temperaturen im Winter keinerlei Einfluss. Insbesondere bei der sehr unbeliebten braunen bis rotbraunen Nacktschnecke der Gärten, der Spanischen Wegschnecke, hängt die Häufigkeit allein von der Frühsommer- und Sommerfeuchtigkeit ab. Schneckengelege werden zumeist im Spätsommer abgelegt, und zwar tief genug im Boden und damit frostsicher. Erwachsene Schnecken können ihre Körperflüssigkeit konzentrieren und halten damit die üblichen Fröste aus. Ein Zusammenhang zwischen Schneckenhäufigkeit und warmen oder kalten Wintern gibt es deshalb nicht.

Das Wetter hat jedoch einen Einfluss auf die Lebensweise der Tiere. So sind Zecken angesichts allgemein wärmerer Temperaturen bereits das ganze Jahr aktiv und dringen rasant in neue Lebensräume vor. Damit steigt für Menschen die Gefahr der Übertragung von gefährlichen Infektionen wie Borreliose und der Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME). Jede dritte Zecke trägt Borrelien, große, schraubenförmige Bakterien, in sich. Sie sind die Erreger der Lyme-Borreliose.

Jährlich erkranken etwa 50 000 Menschen in Deutschland an dieser gefährlichen Krankheit, die Nervensystem, Gelenke und Gewebe schädigt. "Wer glaubt, dass in seinem Umfeld keine Infektionsgefahr besteht, der täuscht sich, denn überall in Deutschland wird die Borreliose von Zecken übertragen", erklärt Dr. Wolfgang von Geldern, Präsident des Bundesverbandes der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW).

Dagegen kommt FSME weiterhin hauptsächlich im Süden Deutschlands vor. In Hamburg haben sich im vergangenen Jahr 639 Menschen gegen die Krankheit im Impfzentrum Hamburg immunisieren lassen. "Beratung ist hier ungeheuer wichtig", sagt Janne Klöpper, Sprecherin des Institutes für Hygiene und Umwelt. "Dabei wird das Infektionsrisiko am Wohnort und am geplanten Reiseziel betrachtet und auch mit einbezogen, was man im Urlaub vorhat. So macht es einen Unterschied, ob man tagelang querbeet durch den Schwarzwald wandern möchte oder nur in Freiburg im Hotel sitzt."

Mit der Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) breitet sich derzeit zusätzlich eine neue Zeckenart in Deutschland aus, die beim Hund die Babesiose, die sogenannte Hundemalaria, überträgt. Die Erkrankung verläuft meistens akut mit Fieber und endet ohne Behandlung häufig binnen weniger Tage tödlich. Da Fieber auch viele andere Ursachen haben kann, sollte bei einer Erkrankung umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden. Die Diagnose wird über eine mikroskopische Untersuchung des Blutes gesichert.


Infos zur Hundemalaria: www.tierschutzbund.de

allgemein zu Zecken: www.zecken.info