Klinikstudie: Station in Wandsbek erhält neue Türgriffe und Schalter

Mit Kupfer die Keime bekämpfen

Die Wirkung ist seit Jahrtausenden bekannt: Das Metall hält Bakterien fern. So soll es Patienten schützen.

Ein altbekanntes Metall kommt zu neuen Ehren: Wissenschaftler und Krankenhausärzte haben Kupfer als eine neue Waffe gegen gefährliche Krankenhauskeime entdeckt. Jetzt wurde in der Asklepios-Klinik (AK) Wandsbek eine komplette Krankenhausstation mit Türgriffen, Türplatten und Lichtschaltern aus Kupfer ausgerüstet.

Denn die Keime werden nicht nur von Hand zu Hand, sondern auch über das Berühren von Klinken und Schaltern übertragen.

Krankheitserreger, die gegen viele Antibiotika unempfindlich sind, sind ein zunehmendes Problem in Kliniken. "Bakterien gibt es überall, es gibt auf der Erde praktisch keine keimfreien Räume. Doch mit den Maßnahmen der Krankenhaushygiene schaffen wir in den Kliniken keimarme Räume, in denen sich dann Bakterien ansiedeln, die sich auf diese Umgebung spezialisiert haben", erklärte Prof. Jörg Braun, Chefarzt der 1. medizinischen Abteilung der AK Wandsbek.

Hauptvertreter dieser Erregergruppe ist der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), eine spezielle Variante eines weit verbreiteten Bakteriums, die aber mittlerweile schon gegen viele Antibiotika resistent ist.

"In Deutschland gehören bereits 25 bis 30 Prozent dieser Staphylokokken zur Gruppe der MRSA", sagt Braun. In US-amerikanischen Kliniken würde dieser Anteil teilweise schon bei bis zu 90 Prozent liegen.

Gefährlich werden die Bakterien besonders für Patienten, deren Immunsystem bereits durch andere Erkrankungen geschwächt ist. Zu den häufigsten Komplikationen geschwächter Patienten nach einer MRSA-Infektion zählen Wundinfektionen, Lungenentzündungen, Blutvergiftungen und Harnwegsinfektionen.

"Der Kampf gegen diese hochresistenten Erreger ist mit den bisherigen Mitteln wie dem Einsatz immer neuer Antibiotika und intensiver Desinfektionsmaßnahmen nicht zu gewinnen. Wir müssen neue Wege gehen, um das Gefahrenpotenzial für unsere Patienten zu reduzieren, sagt Braun.

Deswegen hat sich die Wandsbeker Klinik entschlossen, an diesem weltweiten Feldversuch teilzunehmen, in dem Kupfer als Waffe gegen Bakterien eingesetzt wird, zusammen mit anderen Kliniken in Großbritannien, Südafrika, den USA und Japan.

Dabei machen sich die Wissenschaftler eine Eigenschaft des Metalls zunutze, die bereits vor 4000 Jahren bekannt war. So benutzten die Ägypter die desinfizierende Wirkung des Metalls, indem sie Wunden mit einer Mischung aus Kupferspänen, Honig und Kuhfett behandelten.

Die antimikrobielle Wirkung haben Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg zunächst an Bakterienstämmen von Escherichia Coli getestet. "Wir haben eine Milliarde Zellen auf einer Kupferoberfläche ausgestrichen und festgestellt: nach einer Minute waren die Bakterien tot", sagte Dietrich H. Nies, Direktor des Instituts für Biologie an der Universität Halle-Wittenberg und Professor für molekulare Biologie.

Für die aktuelle Studie nehmen er und seine Kollegen jetzt zweimal wöchentlich für jeweils acht Wochen eine Probe von den Schaltern und Griffen, untersuchen sie auf Keime und vergleichen sie mit den Proben von herkömmlichen Schaltern und Klinken aus Edelstahl.

"Schon in der ersten Phase haben wir bereits signifikante Unterschiede festgestellt", sagt Nies. Für die Lichtschalter und Türklinken wurden Kupferlegierungen verwendet.

Da reines Kupfer für diesen Verwendungszweck zu weich ist, testete das deutsche Kupferinstitut unterschiedliche Legierungen. Schließlich waren zwei gefunden, die für die besonderen Anforderungen in einem Krankenhaus, zum Beispiel die Beständigkeit gegen Desinfektionslösungen, besonders geeignet sind.

"Für die Türgriffe haben wir eine Legierung verwendet, die zu 76 Prozent aus Kupfer, zu 21 Prozent aus Zink und zu drei Prozent aus Silicium besteht", sagte Dr.-Ing. Anton Klassert, der Geschäftsführer des deutschen Kupferinstituts und Leiter des europäischen Kupferkompetenzzentrums "Antimikrobielle Eigenschaften".

Für die Lichtschalter wurde eine andere Legierung benutzt, die es erlaubt, das Metall in eine millimeterdünne Blechplatte auszuwalzen.

Diese Legierung besteht zu 73 Prozent aus Kupfer, zu 23 Prozent aus Zink, drei Prozent Aluminium und einem Prozent Cobalt. Zum Vergleich: Die am häufigsten verwendete Legierung von Messing besteht aus 63 Prozent Kupfer und 37 Prozent Zink.

Zunächst sei die Verwendung auf Lichtschalter und Türklinken begrenzt, sagte Klassert. Aber langfristig wäre auch vorstellbar, weitere Flächen in Kliniken, die von vielen Menschen berührt werden, damit auszurüsten.