Gastbeitrag

Klimarettung steht auf dem Einkaufszettel

Prof. Katharina
Kleinen-von
Königslöw forscht
an der Universität
Hamburg.

Prof. Katharina Kleinen-von Königslöw forscht an der Universität Hamburg.

Foto: UHH/CEN

Fleisch oder Gemüse? Plastik oder unverpackt? Deutsche und Briten diskutieren am intensivsten über nachhaltige Ernährung.

Hamburg. Fleisch oder Gemüse? Dose oder unverpackt? Wir können bei der Ernährung aus schier endlosen Angeboten wählen. Doch wie treffen wir unsere Kaufentscheidung, und welche Rolle spielt Nachhaltigkeit dabei?

Im Rahmen des Forschungsprojekts „Sustainable Lives: Food Choices as Politics and Lifestyle“ analysiere ich mit meiner Kollegin Imke Hoppe am Cen­trum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) der Universität Hamburg die Debatten über nachhaltige Ernährung in sozialen Netzwerken. Dazu haben wir einen Monat lang die Beiträge und Kommentare auf den Facebook-Seiten der jeweils größten Supermärkte in Deutschland, Großbritannien, den USA, Kanada und Südafrika ausgewertet.

Die Analyse zeigt, was den Menschen bei der Ernährung wichtig ist und welche Bedeutung das Thema in ihrem sozialen Umfeld hat. Dabei interessiert uns vor allem, inwieweit Konsumentinnen und Konsumenten einen Bezug zwischen ihrer Ernährung und Nachhaltigkeit herstellen und damit zu einer verantwortungsvollen Nutzung der wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Ressourcen.

Nachhaltige Aspekte der Ernährung

Die ersten Ergebnisse zeigen: Deutsche und Briten diskutieren am intensivsten über nachhaltige Aspekte der Ernährung. In Deutschland haben wir die Facebook-Diskussionen der Supermarktkette Edeka und des Bio-Supermarktes Alnatura unter die Lupe genommen.

Während sich bei Alnatura Umweltexpertinnen und -experten mitunter einen regelrechten Wettstreit liefern und ihre Beiträge mit vielfältigen Quellen belegen, bleibt die Diskussion auf der Edeka-Seite etwas allgemeiner. Aber auch hier wird in den Kommentaren kritisch auf die Verantwortung des Supermarktes und seiner Kundinnen und Kunden verwiesen – zum Beispiel bei Umweltproblemen, ausgelöst durch die Palmölindustrie oder Plastikmüll. Darüber hinaus werden Fragen der sozialen Ausgrenzung angesprochen: Ist das Kaufen von Biolebensmitteln ein Luxus nur für Gutverdienende?

Das Thema Plastikmüll dominiert auch in Großbritannien die Online-Diskussionen auf den Seiten des Supermarktes Tesco. Die Briten konsumieren zwar viermal mehr verpackte als unverpackte frische Lebensmittel, viele sind sich jedoch der daraus resultierenden Probleme bewusst und fordern ihre Supermärkte auf, Plastikverpackungen abzuschaffen.

Bedeutung des Essens für traditionelle Feste

In den USA und Kanada sind die Debatten auf den Facebook-Seiten der Supermärkte Loblaws und Kroger weitaus weniger politisch. In Kanada ist Nachhaltigkeit in nur sechs Prozent der Kommentare ein Thema. In beiden Ländern erzählen Kunden vielmehr persönliche Erlebnisse zu Kaufentscheidungen oder Gesundheit. Die große Bedeutung des Essens für traditionelle Feste wie Thanksgiving wird ebenfalls häufig besprochen. Fleischkonsum ist in beiden Ländern ein wichtiger Teil dieser Traditionen – und wird nur selten kritisch hinterfragt.

Auch in Südafrika sprechen Kundinnen und Kunden des Supermarktes Shop­rite wenig über Nachhaltigkeit. Nur in etwa fünf Prozent der Beiträge nehmen sie Bezug dazu. An oberster Stelle steht das Preis-Leistungs-Verhältnis. Dennoch gibt es Menschen, die nach Alternativen suchen.

Beispielsweise tauschen sich Menschen auf der Facebook-Seite eines südafrikanischen Bio-Wochenmarktes zu alternativen Ernährungsweisen und zu regionalen Lösungen abseits der globalen Lebensmittelindustrie aus.

Influencer und Multiplikatoren

Obwohl in den untersuchten Ländern unterschiedlich intensiv über Nachhaltigkeit diskutiert wird, stellen soziale Netzwerke eine wichtige und niedrigschwellige Plattform dar, um Menschen für eine nachhaltige Ernährungsweise zu motivieren. Das wissen auch Influencer und Multiplikatoren aus diesem Bereich.

Diese Influencer und Multiplikatoren spielen eine zentrale Rolle, um das Bewusstsein auf Umweltthemen zu lenken. Auf YouTube, Instagram und in zahlreichen Blogs leben sie neue Werte vor und inspirieren Menschen zu einem umweltbewussteren Leben.

Prof. Dr. Katharina Kleinen-von Königslöw forscht zu digitaler Kommunikation und Nachhaltigkeit.