Generation Y

Preisgekrönt: Drei Beispiele für Unternehmenskultur heute

Diskussion bei oose

Diskussion bei oose

Foto: oose Innovative Informatik

Bei Jimdo, oose und Findeling ist die schöne neue Arbeitswelt zu besichtigen. Es gibt Wunschgehälter und sogar schlafen ist erlaubt.

Hamburg. Das Hamburger Unternehmen oose Innovative Informatik eG ist 2016 zum dritten Mal für den New Work Award nominiert, der gemeinsam von der Karriere-Plattform Xing und dem Magazin "Focus" verliehen wird. Das mittelständische Unternehmen, das sich auf Dienstleistungen im Bereich Software- und Systementwicklung spezialisiert, hat sich mit einem kürzlich eingeführten innovativen Gehaltsmodell beworben. Aber auch sonst bietet oose vieles, was heute unter der "schönen neuen Arbeitswelt" verstanden wird: flache Hierarchien, flexible Arbeitszeiten und Selbstorganisation in sogenannten Führungskreisen.

Hinzu kommt, dass oose seit 2014 von Mitarbeitern selbst geführt wird, denn das Unternehmen ist eine Genossenschaft. Die Mitarbeiter sind größtenteils Mitglieder der Genossenschaft und werden somit in alle wichtigen Entscheidungen miteinbezogen, erklärt Kim Nena Duggen, 32, Trainerin und Vorstandsmitglied bei oose. "Unsere Grundhaltung im Unternehmen ist, dass jeder Einzelne wichtig ist und sich am besten in seinem Fachgebiet auskennt“.

Jeder kann ein Wunschgehalt äußern

Kurz nach der Neuorganisation wurde dann in gemeinsamer Entscheidung das Pilotprojekt unter dem Motto „Gehälter gemeinsam, aber ohne Führungskräfte“ ins Leben gerufen. Mitarbeiter können ein Wunschgehalt äußern, mit dem sie sich selbst im Vergleich zu Kollegen einschätzen. Die Gehälter werden dabei aber nicht offen gelegt. Dieser Prozess durchläuft mehrere Phasen und wird von allen Kollegen mitgestaltet, sodass am Ende ein möglichst faires aber anonymes Verfahren zustande kommt.

Das Modell wurde vom Team durchaus positiv angenommen und daher jetzt auch schon zum zweiten Mal durchgeführt. Oose setze auf Selbstorganisation, Flexibilität und Selbstmotivation, erzählt Duggen. „Jeder Mitarbeiter hat die Freiheit, im Home Office zu arbeiten oder an seinen Stunden zu schrauben, wie er das gerade im Privatleben braucht. Solange das mit dem Team abgestimmt ist, ist das möglich“.

Für Kim Duggen ist es vor allem wichtig, ihre Arbeit selbst zu gestalten. Sie könne selbst wählen, welche Ressourcen und Strukturen sie braucht, um selbstmotiviert und gut arbeiten zu können, das schätzt die junge Beraterin an den neuen Arbeitskonzepten sehr. Sie glaubt auch, dass sich zukünftig etwas bewegen wird in der Arbeitswelt: „Mitarbeiter werden mehr und mehr Selbstbestimmung und Partizipation einfordern und ich hoffe, dass große Unternehmen ihre Strukturen dahingehend öffnen werden.“

Das Erfolgskonzept „fun works“

Auch bei dem Hamburger Unternehmen Jimdo gehört Selbstorganisation mit zur Unternehmensphilosophie. Jimdo wurde 2007 von dem Gründer-Trio Christian Springub, Matthias Henze und Fridtjof Detzner ins Leben gerufen und vertreibt seitdem weltweit Webseiten nach dem Baukastenprinzip. Ein Angebot, mit dem Nutzer sich ihre eigene Homepage nach Belieben mit wenigen Klicks zusammenstellen können. Jimdo wurde dafür bereits mehrfach mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnet.

Das Unternehmen wirbt junge Arbeitnehmer mit dem Motto „fun works“ sowie einer Reihe von Angeboten – ideal zugeschnitten auf die Generation Y: Teamwork in der Jimdo-WG, flexible Arbeitszeiten, Feelgood-Management, ein unternehmenseigenes Restaurant, eine Jimdo-Kita und vieles mehr. Die Büroräume in einer alten Lagerhalle in Altona sind modern und detailverliebt eingerichtet. Es gibt loftähnliche Aufenthaltsräume neben Entspannungsräumen mit Aquarium sowie sogenannte „napping-rooms“ – Schlafräume für Mitarbeiter.

„Jimdo hat von Anfang an versucht, es anders zu machen“, erklärt Nils Schnell, Viabilty Manager & Coach bei Jimdo. „Mit den Angeboten schaffen wir Möglichkeiten, die nicht sein müssen, aber guttun.“ Nils Schnell ist zuständig für die Begleitung und Weiterentwicklung von Mitarbeitern und Teams. Er kümmert sich intensiv darum, passende Wege und Lösungen für den Einzelnen und das Team zu suchen, also weg von starren Strukturen hin zum situativen und flexiblen Umgang mit Problemlösungswegen. Klassische Hierarchieebenen oder Managementführung gebe es in der „Jimdo-WG“ nicht: „Das Management gibt zwar das Was vor, das Team organisiert dann aber eigenständig die Umsetzung ins Wie“.

Der Wunsch nach Selbstverantwortung, den die Generation einfordere, werde bei Jimdo auf allen Ebenen gelebt. Auf insgesamt drei Etagen arbeiten 200 Mitarbeiter aus 22 Nationen. „Ohne Zusammenhalt und Spaß an der Arbeit wäre Jimdo nicht so erfolgreich, wie es heute ist“, sagt Schnell. Mitarbeiter würden in viele Entscheidungen mit eingebunden. So gibt es zum Beispiel Formate wie „Ask-me-anything“, in dem Mitarbeiter untereinander die wichtigsten Fragen nominieren, die dann von den drei Gründern beantwortet werden.

Flache Hierarchien zu leben, bedeute eben auch, dass man als Mitarbeiter gehört werde, so Schnell. Ihm persönlich sei es wichtig sich selbst mit seinen Stärken einbringen zu können und sich stetig weiterzuentwickeln. Bei Jimdo habe er diese Möglichkeit: Mit einer Vier-Tage-Woche kann er nebenbei noch als Freelancer Erfahrungen sammeln.

„Mit Arbeit etwas erreichen“

Möglichkeiten nutzen. Das war für Katharina Walter damals der entscheidende Grund ein eigenes Start-Up zu gründen, Findeling. In einem Unternehmen hätte man ihr mit der Idee wohl schnell einen Riegel vorgeschoben, erklärt die 26-jährige Gründerin. Und so hat sie es gewagt und im Februar 2015 direkt nach ihrem Studienabschluss Findeling gegründet. Katharina Walter und Mitgründer Florian Schneider waren überzeugt von der Idee, mit einer neuen Plattform den lokalen Einzelhandel in Hamburg stärken zu können. Auch wenn die Bedenken und Investitionen zu Anfang hoch und schwer zu kalkulieren waren, war Katharina Walter überzeugt, das Richtige zu tun.

„Ich möchte mit meiner Arbeit etwas erreichen“, erzählt sie. „Wenn Ladenbesitzer auf uns zukommen und dankbar für unsere Arbeit sind, dann hat man das Gefühl, man tut etwas, was auch anderen nützt“. Das Risiko, mit einer Idee zu scheitern, nehme sie dabei gerne in Kauf.

Machen, worauf man Lust hat. Nach dem Sinn fragen. Prioritäten neu setzen und Bedürfnisse einfordern. Von einer offenen Revolution des Arbeitslebens könne man bei der Generation Y nicht wirklich sprechen. Das stellt auch Erik Albrecht in seinem zusammen mit Klaus Hurrelmann verfassten Buch über die Generation Y fest. Doch die Ypsiloner „wirken im Verborgenen“. Sie ergriffen die Chancen, die sich ihnen böten und machten sich ihre Arbeitswelt ein bisschen „schöner“.