Generation Y

Warum nur? Ypsiloner stellen die Arbeitswelt auf den Kopf

Büro von Jimdo in Hamburg-Altona

Büro von Jimdo in Hamburg-Altona

Foto: Jimdo

Hippe Büros, eigene Ideen, perfekte Work-Life-Balance: Die Generation Y verändert die Arbeitswelt. Oder ist das nur ein Hype?

Hamburg. Eine Generation stellt den Arbeitsmarkt auf den Kopf. Sie hinterfragt Strukturen, stellt Forderungen. Verändern die Ypsiloner die Arbeitswelt oder ist das nur ein Hype? Es geht um die sogenannte Generation Y. Die, die nach dem Why fragt, dem Warum. Die jungen Menschen zwischen 15 und 30 Jahren strömen jetzt in den Arbeitsmarkt. Und: Sie machen es anders. Die Ypsiloner haben andere Bedürfnisse und mischen das Verständnis von Arbeit und Leben ordentlich auf.

Immer mehr Arbeitgeber reagieren und werben die jungen Leute mit schicken Räumlichkeiten, flexiblen Arbeitszeitmodellen, Freizeitvergünstigungen, Auslandsaufenthalten und vielem mehr. Doch was sich in der Arbeitswelt bewegt, wird von vielen auch kritisch wahrgenommen. Faul, angepasst und fordernd, so beschreiben einige Vertreter der älteren Generation die Generation Y. Selbstbewusst, verwöhnt und extrem anspruchsvoll auf der einen Seite und auf der anderen Seite hochgebildet, engagiert und risikobereit. Die Vorurteile gegenüber der Generation Y könnten vielfältiger nicht sein.

„Was wollt ihr eigentlich?“

Die jungen Arbeitnehmer hinterfragen alte Arbeitsstrukturen und definieren neue Werte und Statussymbole, hält die Journalistin Kerstin Bund in ihrem Buch „Glück schlägt Geld“ zur Generation Y fest. Sie wollen mehr als nur eine bessere Work-Life-Balance. Sie fordern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ein selbstbestimmtes Arbeiten mit flexiblen Arbeitszeiten in einem transparenten und gleichberechtigen Arbeitsumfeld. Es geht um Spaß und Sinn statt Karriere und Geld.

Das bestätigen auch Studien, die nach den Lebensentwürfen der Generation fragen. „Was wollt ihr eigentlich?“ lautet der Titel einer neuen Studie der Hamburg Media School. Knapp 60 Prozent der 1329 Befragten zwischen 23 und 35 Jahren geben in einer Xing-Onlinebefragung an, dass ihnen eine sinnstiftende Tätigkeit am wichtigsten sei, dicht gefolgt von Spaß und persönlicher Anerkennung. Die Bereitschaft, auf Einkommen zugunsten der zuvor genannten Erwartungen, zu verzichten sei deutlich gestiegen. „Arbeit kann Spaß machen, wenn sie andere Zwecke verfolgt und anders organsiert wird“, so das Fazit der Forscher.

Auch die Shell-Jugendstudie 2015 bestätigt die Annahme, dass wertbesetzte Erwartungen gegenüber materiellen Erwartungen bei den jungen Leuten heute ausgeprägter erscheinen: 71 Prozent der über 2500 Befragten der 12- bis 25-Jährigen sei der sichere Arbeitsplatz weiterhin sehr wichtig. Die Erwartungen an Mitbestimmung in Form von Ideen und ausreichend Freizeit überwiege aber deutlich vor Einkommen und Karriere.

Das neue Arbeitsleben: Revolution oder Mythos?

Auch der Journalist und Buchautor Erik Albrecht sieht in der Generation Y junge Menschen, die selbstbestimmt handeln wollen und aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen auch müssen. Das „Mindset“ der Generation - die Sicht auf Arbeit und Leben - habe sich verändert, so Albrecht, der sich in seinem Buch „Die heimlichen Revolutionäre“ ausführlich ihren Lebensentwürfen widmet. „Die Generation Y ist momentan in einer vorteilhaften Situation, da Unternehmen dringend qualifizierte Arbeitskräfte suchen“, so Albrecht. Somit müsse der Markt auch auf die Forderungen eingehen, in der Arbeit als Teil des Lebens verstanden werde und nicht andersherum.

„Die Arbeit muss möglich machen, dabei zu leben. Sprich: Ich kann mein Kind um 16 Uhr abholen und abends noch weiterarbeiten.“ Faulheit könne man der Generation nicht unterstellen, meint Albrecht. Den jungen Menschen sei einfach vielmehr bewusst, dass sie eine lange Zeit arbeiten werden und sich Arbeitsprozesse immer weiter verdichten. Die berechtigte Angst vor einem Burn-Out spiele daher schon in Bewerbungsgesprächen eine Rolle, wenn es beispielsweise um Verhandlungen zu Überstunden oder flexiblen Arbeitszeiten gehe.

Karriereberaterin: Junge Leute klagen und werfen häufiger das Handtuch

Die Entwicklung am Arbeitsmarkt lasse nicht einfach mit der Frage nach einer bestimmten Generation erklären, meint hingegen Karriereberaterin und Bloggerin Svenja Hofert aus Hamburg. Für sie ist es vielmehr eine logische Konsequenz aus der Expertise und Erziehung, die die jungen Leute mit in die Arbeitswelt bringen. Familiär behütet aufgewachsen und sehr gebildet, bringe die Generation eine andere, anspruchsvollere Haltung mit.

Das zeigt sich nach Meinung Hoferts auch darin, dass viele sich nicht mehr so in die Arbeit „reinhängen“. Hofert erklärt sich diese Diskrepanz zwischen den Generationen unter anderem auch darin, dass die jüngere Generation das „Tauschgeschäft“ zwischen Arbeit und Lebensunterhalt zunehmend in Frage stelle und ein Bewusstsein für die Abhängigkeit von der Arbeit entwickelt habe. Den Anspruch, die Arbeit zugunsten der Familie zurückzustellen und sogar noch beim Arbeitgeber einzufordern, habe es in der „Generation X“ in dieser Form nicht gegeben. Die Folge sei, dass junge Leute einfach „ schneller das Handtuch werfen und häufiger über eine berufliche Unzufriedenheit klagen“, so Hofert.

Sie wollten sich nicht mehr um jeden Preis anpassen und wehren sich gegen starre und hierarchische Strukturen in einem „9-to-5-Job“. Das hänge mit der Frage nach dem Sinn von Arbeit zusammen. Sinn sowohl auf persönlicher Ebene, wenn es um die Förderung persönlicher Stärken gehe, als auch, wenn es sich um die Frage nach einem größeren gesellschaftlichen Zweck drehe.

Besonders ausgeprägt sei diese „idealistische Haltung“ bei Frauen. Bei den Männern stehe Karriere noch stärker im Vordergrund, da viele von ihnen weiterhin die Rolle der „Geldverdiener“ einnehmen. Doch Personalberaterin Hofert ist auch der Meinung, dass viele der Diskussionen rund um die Generation Y sich schon jetzt als Mythen entpuppen. Arbeiten sei schon immer mit Konflikten und Reibungspunkten behaftet gewesen und auch die Frage nach Sinn und Spaß habe man bereits in den 1980er Jahren diskutiert: „Ja, die Veränderungen am Arbeitsmarkt sind da, aber sie sind nicht wirklich grundlegender Art“, so Hofert.

Einblicke in die „Schöne neue Arbeitswelt“ lesen Sie hier