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Youtube ist Spielwiese und Arbeitsplatz der Generation Y

David Peter alias der Schlaumacher, Youtuber aus Hamburg beim Interview mit abendblatt.de

David Peter alias der Schlaumacher, Youtuber aus Hamburg beim Interview mit abendblatt.de

Foto: Ursula Stieler

Moderatoren und Gamer inszenieren sich im Internet. Das Youtuben ist zum Business geworden. Video-Interview mit dem "Schlaumacher”.

Hamburg. David lebt in Hamburg und ist 28 Jahre alt. Beruflich arbeitet er als selbstständiger Fotograf und betreibt seit 2014 den Youtube-Kanal "Der Schlaumacher".

Die Abonnentenzahlen steigen stetig und lagen zuletzt bei rund 30.000. Recht beachtlich, wenn man bedenkt, dass David den Kanal erst seit knapp einem Jahr aktiv betreibt. Seine Videos beinhalten nützliche Tipps für den Alltag und amüsante Informationen zur Ergänzung des Allgemeinwissens, wie etwa die verstecken Bedeutungen in berühmten Firmensymbolen. Ein Konzept, das bei der Zuschauerschafft ankommt und mit steigenden Abonnentenzahlen belohnt wird. Neben diesen Tätigkeiten kümmert er sich um die Youtuber-Gemeinschaft in Hamburg und unterstützt Neulinge, die eine Karriere bei Youtube wagen wollen.

Im Interview mit abendblatt.de erzählt David unter anderem von seinem Verhältnis zur Generation Y, zu der er nicht nur wegen seines Alters sondern auch wegen seines Arbeitsstils sehr gut passt.

Video-Interview mit dem Schlaumacher über Youtube

Generation Y - Schlaumacher, Part 1

Schlaumacher, Part 1
Video: Generation Y

Was steckt hinter Youtube?

Die Videoplattform Youtube existiert seit dem Jahr 2005 und ist seit 2006 im Besitz von Google Inc. Unter anderem dieser Zugehörigkeit verdankt das Portal seine internationale Bekanntheit. Darüber hinaus war es aber die Möglichkeit, selbst erstellte Videos weltweit zu teilen, die Youtube so erfolgreich gemacht hat. Zum weiteren Erfolg trug das Youtube-Partnerprogramm bei, das erfolgreichen Kanalbetreibern ermöglichte, Werbung vor ihre Videos zu schalten und an den Werbeeinnahmen beteiligt zu werden. Bezahlt wird dabei keinesfalls pro Videoaufruf, sondern erst wenn der betreffende Zuschauer die Werbung anklickt. Die Aufrufstatistiken der Youtube-Kanäle sind öffentlich im Internet zugänglich. Plattformen wie Socialblade machen sich dies zu Nutze und können anhand der Zahlen relativ genau hochrechnen wie viel „Youtube-Money“ die Youtube-Partner durchschnittlich pro Monat verdienen.

Netzwerke als Vitamin B für die Youtube-Karriere

Eine zusätzliche Absicherung für professionelle Youtuber bietet die Mitgliedschaft in einem Netzwerk wie etwa in Deutschland Mediakraft oder Studio 71. Diese funktionieren ähnlich wie Model-Agenturen: Sie promoten ihre Vertragspartner und werden im Regelfall an den Werbeeinnahmen beteiligt.

Für Youtube-Neulinge wie etwa den "Schlaumacher" ist eine solche Mitgliedschaft durchaus attraktiv, für Mediakraft & Co. werden Youtuber aber erst ab einer gewissen Reichweite ihrer Kanäle interessant. Das Netzwerk Mediakraft geriet allerdings 2014 in die Kritik, junge Youtuber auszubeuten.

Von Action-News über Schmink-Tutorials bis zu Let’s Plays

Die erfolgreichsten Kanalbetreiber der Youtube-Szene in Deutschland sind längst keine kleinen Videomacher mehr. Professionelles Equipment und ein dichtes Netz aus Socialmedia-Aktivitäten auf Instagram, Facebook und Twitter hat einige von ihnen zu wahren Stars werden lassen. Mittlerweile gibt es Deutschlandweit über 50 Kanäle von Youtubern mit über eine Million Abonnenten. Hier gibt es eine Liste.

Wie haben die Kanäle diese Reichweite bekommen? Ihre Betreiber sind extrem geschäftstüchtig und jung. Nur wenige der prominenten Youtuber in Deutschland sind über 30. Viel mehr veröffentlichen die meisten Youtuber schon im frühen Teenager-Alter ihre ersten Videos. Die derzeit erfolgreichste Youtuberin Deutschlands ist 23. Sie hört auf den bürgerlichen Namen Bianca Heineke und ist die Betreiberin des Kanals BibisBeautyPalace. Ihr ebenfalls berühmter Kollege Florian Mundt alias LeFloid ist 28.

Ist Youtube der ideale Marktplatz für junge Leute?

David Peter kann sich selbst einiges unter „Generation Y“ vorstellen. Im zweiten Teil des Interviews mit abendblatt.de erklärt er, was es für ihn und seine Arbeit bei Youtube heißt, ein Y-loner zu sein.

Video: Interview mit dem Schlaumacher über Generation Y

Generation Y - Schlaumacher, Part 2

Schlaumacher, Part 2
Video: Generation Y

Die meisten Angehörigen der Generation Y sind mit Youtube aufgewachsen, seien sie nun Kanalbetreiber oder Abonnenten. Youtube ist für sie Informationslieferant, Unterhaltungsmedium und soziale Plattform in einem.

Am erfolgreichsten sowohl international wie auch innnerhalb Deutschlands sind die sogenannten „Let’s Play“-Kanäle, bei denen die Betreiber Videospiele vorführen. Weltweit führend ist der Let’s Play-Kanal des Schweden PewDiePie (sprich: Pjudipai), bürgerlich Felix Arvid Ulf Kjellberg mit 41,8 Millionen Abonnenten. Der deutsche Spitzenreiter nennt sich Gronk alias Erik Range (3,9 Mio Abonnenten).

Beliebte andere Themen auf Youtube sind Comedy, Mode und Lifestyle sowie der Bereich Infotainment, worunter Wissensvideos oder auch Kurznachrichten fallen. Auch viele Musikkarrieren starten mit Youtube, wie etwa die der amerikanischen Violinistin Lindsey Sterling

Der Traum von der sinnstiftenden Selbstbestimmung

Keine festen Arbeitszeiten, Selbstbestimmung und Gemeinschaftssinn, das sind Kernforderungen der Generation Y. Youtube scheint sie alle unter einen Hut beziehungsweise in eine Röhre zu bringen und übt dabei nicht zuletzt großen Einfluss auf die jungen Zuschauer aus. Die Arbeit als Youtuber ist ein zweischneidiges Schwert zwischen Künstler und Marke, und sieht man sich nicht vor, schneidet man sich leicht ins eigene Fleisch. So wurde erst im Dezember 2015 die Auflösung des lange Zeit erfolgreichsten deutschen Youtube-Kanals Y-Titty bekannt gegeben, da dessen Betreiber der Ansicht waren, durch den Ruhm ihre künstlerische Integrität verloren zu haben.

Y-Titty: Endlich

David alias "Der Schlaumacher" denkt aber noch lange nicht ans Aufhören. Allein im Januar 2016 hat er über 1000 neue Abonnenten hinzubekommen. Und schon ein Jahr ist eine halbe Ewigkeit in der schnelllebigen Welt von Youtube.

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