Radiologie

US-Studie verunsichert Hamburger Patienten

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Radiologie mit Kontrastmittel (Magnetresonanztomografie, MRT)

Radiologie mit Kontrastmittel (Magnetresonanztomografie, MRT)

Foto: Imago

Röntgen, MRT und Computertomografie sind in der Diskussion. Schaden Kontrastmittel den Patienten? Ein Hamburger Experte klärt auf.

Hamburg. Niemand legt sich freiwillig unter einen Röntgenstrahl oder in einen Computertomografen. Doch wer Schmerzen hat oder wenn bei einem Patienten ein Verdacht auf eine schwerwiegende Erkrankung besteht, dann sind Röntgen, Magnetresonanztomografien (MRT; Kernspin) oder Computertomografien (CT) die bewährten Wege zur genauen Diagnose. Doch in diesen Tagen sind die Patienten in Hamburger Radiologie-Praxen verunsichert durch Berichte über mutmaßlich gefährliche Untersuchungen. Es geht um das Element Gadolinium, das in Kontrastmitteln enthalten ist.

Die amerikanische Lebensmittel- und Arzneibehörde (Food and Drug Administration; FDA) prüft Berichte, nach denen sich dieses Gadolinium im Gehirn ablagern könnte, wie medizinische Studien gezeigt hätten.

Mit dieser Horrorvision, oft am Computer ergoogelt, kommen Patienten zu Hamburger Radiologen. Doch deren Verbandschef Dr. Andreas Bollkämper klärt im Gespräch mit dem Abendblatt auf: Niemand müsse sich wegen der FDA-Untersuchung Sorgen machen.

Angst vor Kontrastmittel unbegründet

„Bei eingeschränkter Nierenfunktion und nach mehrmaliger Kontrastmittelgabe kann es sehr selten zu Ablagerungen von freien Gadolinium in Geweben kommen. Diese Erkrankung heißt NSF (nephrogene interstitielle Fibrose).“ Doch diese Ablagerungen kämen nur bei weniger als 100 Fällen vor, wobei das Kontrastmittel mehrere hundertmillionenmal gespritzt werde. Und dann müsse man mehr als viermal spritzen, was praktisch nur sehr selten vorkomme.

Zwei Drittel MRT, ein Drittel Computertomografie

Das Gadolinium wird über die Niere ausgeschieden. In MRT-Kontrastmitteln ist es an ein Makromolekül gebunden und in einer stabilen Verbindung. Dass sich das Element also in Gewebe ablagert, ist extrem selten. Schon vor zwei Jahren, sagt Bollkämper, hätten Forscher erstmals Kontrastmittelablagerungen auch im Gehirn gefunden. Doch trotz intensiver Studien habe man kein Krankheitssymptom gefunden.

Und MRT-Untersuchungen seien nun mal wichtig, denn mit ihnen ließen sich nahezu alle Gewebe darstellen – ohne Röntgenstrahlen oder radioaktive Medikamente. Entzündungen, Tumoren oder Veränderungen an der Wirbelsäule lassen sich dadurch gut erkennen. Zum Beispiel bei einem MRT der weiblichen Brust sind Kontrastmittel notwendig. Laut Bollkämper werden zwei Drittel der medizinischen Probleme mit MRT, ein Drittel mit Computertomografie abgeklärt. Bisweilen setze man auch beide Verfahren parallel ein. Für akute Verletzungen beispielsweise bietet sich nach wie vor das klassische Röntgen an.

US-Behörde FDA ändert nicht mal den Beipackzettel

Hamburgs Chef-Radiologe warnt davor, eine Untersuchung ausfallen zu lassen, nur weil man sich vor dem Kontrastmittel oder dem Apparat fürchtet. Das erinnert Beobachter an den Hype, den Impfgegner schüren, weil sie die Wirkstoffe fürchten. Doch ernsthaft zu erkranken – das ist ein deutlich höheres Risiko.

Bollkämper sagt: „Aus Risikoscheu weggelassene ausreichende Diagnostik kann dazu führen, dass eine Diagnose verpasst wird – mit teils sehr weit reichenden Folgen.“ Die strenge US-Behörde FDA habe deshalb nicht einmal den Beipackzettel für das Kontrastmittel geändert.

( ryb )

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