Klimavertrag

Wie es war: Die friedlichste aller Revolutionen

Geschafft: (v. l.) Frankreichs Klimabeauftragte Laurence Tubiana, Christiana Figueres, Chefin des Klimasekretariates, Uno-Generalsekretär Ban Kimoon, Konferenzleiter Laurent Fabius und Frankreichs Staatspräsident François Hollande

Geschafft: (v. l.) Frankreichs Klimabeauftragte Laurence Tubiana, Christiana Figueres, Chefin des Klimasekretariates, Uno-Generalsekretär Ban Kimoon, Konferenzleiter Laurent Fabius und Frankreichs Staatspräsident François Hollande

Foto: dpa Picture-Alliance / Arnaud BOUISSOU/COP21 / picture alliance / AA

Am Abend des 12. Dezember haben sich nahezu alle Staaten der Erde auf einen verbindlichen Klimavertrag geeinigt.

Plötzlich war er in der Welt, dieser Klimavertrag. Einfach so. Zwölf Tage ist es her, und ich weiß noch genau, wie ungläubig wir uns angesehen haben. Im Pressezentrum von Le Bourget, in diesen riesigen Hallen des ehemaligen Militärflughafens im Norden von Paris, hatte ich mich bei den Kollegen vom Fernsehen eingenistet. Ein ruhiger Platz zum Schreiben, ein Bildschirm, auf dem ich die Liveübertragung aus dem Plenum und die Entscheidung der Klimakonferenz verfolgen konnte. Ein Gedankenaustausch mit Kollege Jens und das gute Gefühl, nicht allein zu sein inmitten von Zehntausenden Menschen. Wir Journalisten hatten uns auf einen langen Abend eingerichtet, den dritten in Folge. Auf einen offenen Schlagabtausch der Delegierten im Plenum. Auch darauf, dass wir in dieser Nacht unseren Redaktionen womöglich wieder einen dieser Texte liefern mussten, in denen wir nicht viel Neues berichten konnten, außer, dass es nichts Neues gab.

Und plötzlich war dieser historische Weltklimavertrag da.

Ich sah und hörte noch, wie der Hammer niederknallte. Laurent Fabius, der französische Außenminister und Präsident der Konferenz, hob ihn gleich wieder hoch, hielt ihn empor, als wäre er ein wichtiges Beweisstück vor Gericht. Die ersten Delegierten klatschten, mehr und mehr schlossen sich an. Sie erhoben sich, umarmten sich. Auf dem Podium standen sie Hand in Hand - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, Frankreichs Staatschef Francois Hollande und Christiana Figueres, die strenge Chefin des UN-Klimasekretariates, die ganz eindeutig Tränen in den Augen hatte.

Historisch? Ein Durchbruch? Oft bin ich in den vergangenen Tagen gefragt worden, was dieser Klimavertrag eigentlich wert ist, wie er zustande gekommen ist. Meine Antwort ist die: Dass dieser Vertrag überhaupt zustande kam, ist eine unglaubliche Geschichte. Und sie beginnt in einer Dezembernacht 2009 in Kopenhagen.

UN-Klimagipfel sind Monster. Man kann sich in diesen gigantischen Veranstaltungen verlieren. Sie haben ihre eigene Sprache, ihre eigene Dramatik. 21 Klimakonferenzen gab es seit 1995, über neun habe ich berichtet. Ich stand in dieser Dezembernacht 2009 in Kopenhagen im Schneeregen und erlebte mit, wie eine Klimakonferenz implodierte. Barack Obama, Angela Merkel, die Staats- und Regierungschefs der mächtigsten Nationen flüchteten in dieser Nacht, angeblich vor dem heranziehenden Schneesturm. Zurück blieben frustrierte Klimadiplomaten, die eigentlich einen historischen Weltklimavertrag beschließen sollten, doch an dem alten Streit gescheitert waren. Die alte Welt, sie war zweigeteilt: Da waren die Industrieländer, die bei der Erderwärmung eine historische Schuld trugen, weil sie durch den Ausstoß von Treibhausgasen Wohlstand erlangt hatten. Ihnen gegenüber standen die Entwicklungs- und Schwellenländer, die den reíchen Ländern die Schuld am Klimawandel gaben und sich ihr Recht auf Wachstum von niemanden nehmen lassen wollten. Schlecht vorbereitet war die Kopenhagener Konferenz, auch litt sie unter der Verhandlungsführung der dänischen Regierung, die es nicht verstand, die Graben zu überbrücken. Als die Staats- und Regierungschefs zum Finale der zweiwöchigen Verhandlungen eintrafen, war die Lage aussichtslos. Der Gipfel in Kopenhagen endete in einem Desaster und mit Absichtserklärungen, die das Scheitern überschminken sollten.

Es dauerte sechs Jahre, ehe sich die Weltgemeinschaft im Kampf gegen die Erderwärmung soweit angenähert hatte, dass sie es in Paris noch einmal versuchte: Ein Abkommen zu vereinbaren, dass alle Staaten in die Pflicht nimmt. Das Kyoto-Protokoll von 1997 hatte in Sachen Klimaschutz nur die Industriestaaten gebunden. Die großen Klimasünder USA und China waren nie dabei, Kanada stieg später aus. Nach dem Flop in Kopenhagen änderten die Vereinten Nationen ihre Taktik. Anstatt von oben ein Ziel zu verordnen, sammelten sie im Vorfeld und quasi mit dem Klingelbeutel freiwillige Zusagen der Staaten ein. Die Idee war, in Paris einen Strich zu ziehen, zusammenzurechnen und einen Vertrag daraus zu machen. Die Vorbereitungskonferenzen brachten Fortschritte. In den Delegationen war spürbar: Ein Desaster wie in Kopenhagen wollte niemand.

Paris, 2015. Ich erlebte die Terroranschläge am Fernsehen und ich glaubte nicht, dass es möglich sei, nur wenige Wochen später eine Klimakonferenz mit 50.000 Teilnehmern inklusive Staats- und Regierungschefs zu beschützen. Ich reiste trotzdem dorthin, in diese verwundete Stadt.

Die Wahrheit ist, dass das „Wunder von Paris“ mehrfach vor dem Scheitern stand. Die Wahrheit ist aber auch, dass sich kein Land für ein erneutes Scheitern verantwortlich machen lassen wollte. Dass es am Ende einen Vertrag gab, der jedem Land die Möglichkeit gab, zuzustimmen und dabei das Gesicht zu wahren, ist sicherlich das Ergebnis einer jahrelangen Vorarbeit. Die wichtigsten Gespräche mit Indien und China fanden weit vor der Pariser Konferenz statt. Am Ende war es eine diplomatischen Meisterleistung, die Fäden zusammenzuknoten.

Zehn Tage hatte der Klimagipfel in Paris bereits gedauert, ehe die erste Krise aufzog. Auf den Tisch lag der erste Entwurf des Klimavertrags, ellenlang und mit Hunderten eckigen Klammern versehen. Die Klammern markierten die stritten Punkte, sie gaben Optionen vor. Im Kern waren es drei große Streitthemen. Zum einen war es die Frage, wie ambitioniert der Vertrag ausfallen sollte. Dabei ging es um das langfristige Klimaziel, den Anstieg der Temperatur in der erdnahen Atmosphäre im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf zwei Grad zu beschränken. Rechnete man das zusammen, was in Paris an freiwilligen Klimaschutzzusagen auf dem Tisch lag, reichten die Maßnahmen nach Ansicht von Forschern lediglich aus, um den Anstieg bei 2,7 Grad zu halten.

Zu wenig - jedenfalls am Anfang. Sie tritt in fünf Jahren in Kraft und schreibt vor, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts einen Ausgleich zu schaffen zwischen dem Ausstoß von Treibhausgasen und dem, was die Erde aufnehmen kann. So viele Bäume kann aber niemand pflanzen. Faktisch heißt das also: Die Staaten müssen ihre Emissionen drastisch senken. Das Fernziel: Die Erderwärmung deutlich unter 2 Grad zu halten. Es steht sogar das Ziel 1,5 Grad drin - eine Forderung kleiner Inselstaaten- , aber dazu heißt es nur: Die Staaten sollen sich anstrengen, das zu erreichen. Weil die bisher vorgelegten nationalen Klimaschutzpläne nicht ausreichen, wird in drei Jahren über Nachbesserungen geredet. Ab 2023 sollen die Staaten ihre Maßnahmen in regelmäßigen Abständen überprüfen.

Zu wenig - jedenfalls am Anfang. Sie tritt in fünf Jahren in Kraft und schreibt vor, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts einen Ausgleich zu schaffen zwischen dem Ausstoß von Treibhausgasen und dem, was die Erde aufnehmen kann. So viele Bäume kann aber niemand pflanzen. Faktisch heißt das also: Die Staaten müssen ihre Emissionen drastisch senken. Das Fernziel: Die Erderwärmung deutlich unter 2 Grad zu halten. Es steht sogar das Ziel 1,5 Grad drin - eine Forderung kleiner Inselstaaten- , aber dazu heißt es nur: Die Staaten sollen sich anstrengen, das zu erreichen. Weil die bisher vorgelegten nationalen Klimaschutzpläne nicht ausreichen, wird in drei Jahren über Nachbesserungen geredet. Ab 2023 sollen die Staaten ihre Maßnahmen in regelmäßigen Abständen überprüfen.

Weil man diesmal auf freiwillige Angaben der Staaten gesetzt hat und weil die beiden weltgrößten Klimasünder China und USA mit im Boot sind - und das nicht nur aus gutem Willen, sondern aus kaltem wirtschaftlichem Kalkül. Investitionen in Energie aus Sonne, Wind und Wasser rechnen sich - mancherorts lässt sich damit mehr Geld verdienen als mit Öl.

Sie besteht aus einem rechtlich verbindlichen und einem nicht verbindlichen Teil - auch deshalb, weil der US-Präsident das Abkommen so am republikanisch bestimmten Senat vorbei in Kraft setzen kann. Ob rechtsverbindlich oder nicht - eine UN-Klimapolizei, die bei Verstößen in einem Land einmarschiert, gibt es ohnehin nicht. Fachleute gehen aber davon aus, dass keine Regierung gegen internationalen Druck und gegen den Widerstand ihrer Bürger und der Wirtschaft aus der Paris-Vereinbarung aussteigen wird.

Ein großes Wort, aber tatsächlich hat es noch kein Abkommen gegeben, das alle Staaten der Welt zum Klimaschutz verpflichtet. Das Kyoto-Protokoll von 1997 hat nur die Industriestaaten gebunden. Kanada ist ausgestiegen, große Klimasünder wie die USA und China waren nie dabei. Die Paris-Vereinbarung dreht den Prozess vom Kopf auf die Füße: Anstatt von oben ein Ziel zu verordnen, haben die Staaten im Vorfeld selbst festgelegt, was sie für den Klimaschutz tun wollen. Dann wurde zusammengerechnet, ein Strich darunter- und ein Vertrag daraus gemacht. Das ist, sehr vereinfacht gesagt, die Idee hinter dem Pariser Klima-Abkommen. Darauf muss die Weltgemeinschaft jetzt aufbauen - wenn es nach Wissenschaftlern und Umweltschützern geht so schnell wie möglich.

Plötzlich war er in der Welt, dieser Klimavertrag. Einfach so. Zwölf Tage ist es her, und ich weiß noch genau, wie ungläubig wir uns angesehen haben. Im Pressezentrum von Le Bourget, in diesen riesigen Hallen des ehemaligen Militärflughafens im Norden von Paris, hatte ich mich bei den Kollegen vom Fernsehen eingenistet. Ein ruhiger Platz zum Schreiben, ein Bildschirm, auf dem ich die Liveübertragung aus dem Plenum und die Entscheidung der Klimakonferenz verfolgen konnte. Ein Gedankenaustausch mit Kollege Jens und das gute Gefühl, nicht allein zu sein inmitten von Zehntausenden Menschen. Wir Journalisten hatten uns auf einen langen Abend eingerichtet, den dritten in Folge. Auf einen offenen Schlagabtausch der Delegierten im Plenum. Auch darauf, dass wir in dieser Nacht unseren Redaktionen womöglich wieder einen dieser Texte liefern mussten, in denen wir nicht viel Neues berichten konnten, außer, dass es nichts Neues gab.

Und plötzlich war dieser historische Weltklimavertrag da.

Ich sah und hörte noch, wie der Hammer niederknallte. Laurent Fabius, der französische Außenminister und Präsident der Konferenz, hob ihn gleich wieder hoch, hielt ihn empor, als wäre er ein wichtiges Beweisstück vor Gericht. Die ersten Delegierten klatschten, mehr und mehr schlossen sich an. Sie erhoben sich, umarmten sich. Auf dem Podium standen sie Hand in Hand - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, Frankreichs Staatschef Francois Hollande und Christiana Figueres, die strenge Chefin des UN-Klimasekretariates, die ganz eindeutig Tränen in den Augen hatte.

Historisch? Ein Durchbruch? Oft bin ich in den vergangenen Tagen gefragt worden, was dieser Klimavertrag eigentlich wert ist, wie er zustande gekommen ist. Meine Antwort ist die: Dass dieser Vertrag überhaupt zustande kam, ist eine unglaubliche Geschichte. Und sie beginnt in einer Dezembernacht 2009 in Kopenhagen.

UN-Klimagipfel sind Monster. Man kann sich in diesen gigantischen Veranstaltungen verlieren. Sie haben ihre eigene Sprache, ihre eigene Dramatik. 21 Klimakonferenzen gab es seit 1995, über neun habe ich berichtet. Ich stand in dieser Dezembernacht 2009 in Kopenhagen im Schneeregen und erlebte mit, wie eine Klimakonferenz implodierte. Barack Obama, Angela Merkel, die Staats- und Regierungschefs der mächtigsten Nationen flüchteten in dieser Nacht, angeblich vor dem heranziehenden Schneesturm. Zurück blieben frustrierte Klimadiplomaten, die eigentlich einen historischen Weltklimavertrag beschließen sollten, doch an dem alten Streit gescheitert waren. Die alte Welt, sie war zweigeteilt: Da waren die Industrieländer, die bei der Erderwärmung eine historische Schuld trugen, weil sie durch den Ausstoß von Treibhausgasen Wohlstand erlangt hatten. Ihnen gegenüber standen die Entwicklungs- und Schwellenländer, die den reíchen Ländern die Schuld am Klimawandel gaben und sich ihr Recht auf Wachstum von niemanden nehmen lassen wollten. Schlecht vorbereitet war die Kopenhagener Konferenz, auch litt sie unter der Verhandlungsführung der dänischen Regierung, die es nicht verstand, die Graben zu überbrücken. Als die Staats- und Regierungschefs zum Finale der zweiwöchigen Verhandlungen eintrafen, war die Lage aussichtslos. Der Gipfel in Kopenhagen endete in einem Desaster und mit Absichtserklärungen, die das Scheitern überschminken sollten.

Es dauerte sechs Jahre, ehe sich die Weltgemeinschaft im Kampf gegen die Erderwärmung soweit angenähert hatte, dass sie es in Paris noch einmal versuchte: Ein Abkommen zu vereinbaren, dass alle Staaten in die Pflicht nimmt. Das Kyoto-Protokoll von 1997 hatte in Sachen Klimaschutz nur die Industriestaaten gebunden. Die großen Klimasünder USA und China waren nie dabei, Kanada stieg später aus. Nach dem Flop in Kopenhagen änderten die Vereinten Nationen ihre Taktik. Anstatt von oben ein Ziel zu verordnen, sammelten sie im Vorfeld und quasi mit dem Klingelbeutel freiwillige Zusagen der Staaten ein. Die Idee war, in Paris einen Strich zu ziehen, zusammenzurechnen und einen Vertrag daraus zu machen. Die Vorbereitungskonferenzen brachten Fortschritte. In den Delegationen war spürbar: Ein Desaster wie in Kopenhagen wollte niemand.

Paris, 2015. Ich erlebte die Terroranschläge am Fernsehen und ich glaubte nicht, dass es möglich sei, nur wenige Wochen später eine Klimakonferenz mit 50.000 Teilnehmern inklusive Staats- und Regierungschefs zu beschützen. Ich reiste trotzdem dorthin, in diese verwundete Stadt.

Die Wahrheit ist, dass das „Wunder von Paris“ mehrfach vor dem Scheitern stand. Die Wahrheit ist aber auch, dass sich kein Land für ein erneutes Scheitern verantwortlich machen lassen wollte. Dass es am Ende einen Vertrag gab, der jedem Land die Möglichkeit gab, zuzustimmen und dabei das Gesicht zu wahren, ist sicherlich das Ergebnis einer jahrelangen Vorarbeit. Die wichtigsten Gespräche mit Indien und China fanden weit vor der Pariser Konferenz statt. Am Ende war es eine diplomatischen Meisterleistung, die Fäden zusammenzuknoten.

Zehn Tage hatte der Klimagipfel in Paris bereits gedauert, ehe die erste Krise aufzog. Auf den Tisch lag der erste Entwurf des Klimavertrags, ellenlang und mit Hunderten eckigen Klammern versehen. Die Klammern markierten die stritten Punkte, sie gaben Optionen vor. Im Kern waren es drei große Streitthemen. Zum einen war es die Frage, wie ambitioniert der Vertrag ausfallen sollte. Dabei ging es um das langfristige Klimaziel, den Anstieg der Temperatur in der erdnahen Atmosphäre im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf zwei Grad zu beschränken. Rechnete man das zusammen, was in Paris an freiwilligen Klimaschutzzusagen auf dem Tisch lag, reichten die Maßnahmen nach Ansicht von Forschern lediglich aus, um den Anstieg bei 2,7 Grad zu halten.

Zu wenig - jedenfalls am Anfang. Sie tritt in fünf Jahren in Kraft und schreibt vor, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts einen Ausgleich zu schaffen zwischen dem Ausstoß von Treibhausgasen und dem, was die Erde aufnehmen kann. So viele Bäume kann aber niemand pflanzen. Faktisch heißt das also: Die Staaten müssen ihre Emissionen drastisch senken. Das Fernziel: Die Erderwärmung deutlich unter 2 Grad zu halten. Es steht sogar das Ziel 1,5 Grad drin - eine Forderung kleiner Inselstaaten- , aber dazu heißt es nur: Die Staaten sollen sich anstrengen, das zu erreichen. Weil die bisher vorgelegten nationalen Klimaschutzpläne nicht ausreichen, wird in drei Jahren über Nachbesserungen geredet. Ab 2023 sollen die Staaten ihre Maßnahmen in regelmäßigen Abständen überprüfen.

Zu wenig - jedenfalls am Anfang. Sie tritt in fünf Jahren in Kraft und schreibt vor, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts einen Ausgleich zu schaffen zwischen dem Ausstoß von Treibhausgasen und dem, was die Erde aufnehmen kann. So viele Bäume kann aber niemand pflanzen. Faktisch heißt das also: Die Staaten müssen ihre Emissionen drastisch senken. Das Fernziel: Die Erderwärmung deutlich unter 2 Grad zu halten. Es steht sogar das Ziel 1,5 Grad drin - eine Forderung kleiner Inselstaaten- , aber dazu heißt es nur: Die Staaten sollen sich anstrengen, das zu erreichen. Weil die bisher vorgelegten nationalen Klimaschutzpläne nicht ausreichen, wird in drei Jahren über Nachbesserungen geredet. Ab 2023 sollen die Staaten ihre Maßnahmen in regelmäßigen Abständen überprüfen.

Weil man diesmal auf freiwillige Angaben der Staaten gesetzt hat und weil die beiden weltgrößten Klimasünder China und USA mit im Boot sind - und das nicht nur aus gutem Willen, sondern aus kaltem wirtschaftlichem Kalkül. Investitionen in Energie aus Sonne, Wind und Wasser rechnen sich - mancherorts lässt sich damit mehr Geld verdienen als mit Öl.

Sie besteht aus einem rechtlich verbindlichen und einem nicht verbindlichen Teil - auch deshalb, weil der US-Präsident das Abkommen so am republikanisch bestimmten Senat vorbei in Kraft setzen kann. Ob rechtsverbindlich oder nicht - eine UN-Klimapolizei, die bei Verstößen in einem Land einmarschiert, gibt es ohnehin nicht. Fachleute gehen aber davon aus, dass keine Regierung gegen internationalen Druck und gegen den Widerstand ihrer Bürger und der Wirtschaft aus der Paris-Vereinbarung aussteigen wird.

Ein großes Wort, aber tatsächlich hat es noch kein Abkommen gegeben, das alle Staaten der Welt zum Klimaschutz verpflichtet. Das Kyoto-Protokoll von 1997 hat nur die Industriestaaten gebunden. Kanada ist ausgestiegen, große Klimasünder wie die USA und China waren nie dabei. Die Paris-Vereinbarung dreht den Prozess vom Kopf auf die Füße: Anstatt von oben ein Ziel zu verordnen, haben die Staaten im Vorfeld selbst festgelegt, was sie für den Klimaschutz tun wollen. Dann wurde zusammengerechnet, ein Strich darunter- und ein Vertrag daraus gemacht. Das ist, sehr vereinfacht gesagt, die Idee hinter dem Pariser Klima-Abkommen. Darauf muss die Weltgemeinschaft jetzt aufbauen - wenn es nach Wissenschaftlern und Umweltschützern geht so schnell wie möglich.

Plötzlich war er in der Welt, dieser Klimavertrag. Einfach so. Zwölf Tage ist es her, und ich weiß noch genau, wie ungläubig wir uns angesehen haben. Im Pressezentrum von Le Bourget, in diesen riesigen Hallen des ehemaligen Militärflughafens im Norden von Paris, hatte ich mich bei den Kollegen vom Fernsehen eingenistet. Ein ruhiger Platz zum Schreiben, ein Bildschirm, auf dem ich die Liveübertragung aus dem Plenum und die Entscheidung der Klimakonferenz verfolgen konnte. Ein Gedankenaustausch mit Kollege Jens und das gute Gefühl, nicht allein zu sein inmitten von Zehntausenden Menschen. Wir Journalisten hatten uns auf einen langen Abend eingerichtet, den dritten in Folge. Auf einen offenen Schlagabtausch der Delegierten im Plenum. Auch darauf, dass wir in dieser Nacht unseren Redaktionen womöglich wieder einen dieser Texte liefern mussten, in denen wir nicht viel Neues berichten konnten, außer, dass es nichts Neues gab.

Und plötzlich war dieser historische Weltklimavertrag da.

Ich sah und hörte noch, wie der Hammer niederknallte. Laurent Fabius, der französische Außenminister und Präsident der Konferenz, hob ihn gleich wieder hoch, hielt ihn empor, als wäre er ein wichtiges Beweisstück vor Gericht. Die ersten Delegierten klatschten, mehr und mehr schlossen sich an. Sie erhoben sich, umarmten sich. Auf dem Podium standen sie Hand in Hand - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, Frankreichs Staatschef Francois Hollande und Christiana Figueres, die strenge Chefin des UN-Klimasekretariates, die ganz eindeutig Tränen in den Augen hatte.

Historisch? Ein Durchbruch? Oft bin ich in den vergangenen Tagen gefragt worden, was dieser Klimavertrag eigentlich wert ist, wie er zustande gekommen ist. Meine Antwort ist die: Dass dieser Vertrag überhaupt zustande kam, ist eine unglaubliche Geschichte. Und sie beginnt in einer Dezembernacht 2009 in Kopenhagen.

UN-Klimagipfel sind Monster. Man kann sich in diesen gigantischen Veranstaltungen verlieren. Sie haben ihre eigene Sprache, ihre eigene Dramatik. 21 Klimakonferenzen gab es seit 1995, über neun habe ich berichtet. Ich stand in dieser Dezembernacht 2009 in Kopenhagen im Schneeregen und erlebte mit, wie eine Klimakonferenz implodierte. Barack Obama, Angela Merkel, die Staats- und Regierungschefs der mächtigsten Nationen flüchteten in dieser Nacht, angeblich vor dem heranziehenden Schneesturm. Zurück blieben frustrierte Klimadiplomaten, die eigentlich einen historischen Weltklimavertrag beschließen sollten, doch an dem alten Streit gescheitert waren. Die alte Welt, sie war zweigeteilt: Da waren die Industrieländer, die bei der Erderwärmung eine historische Schuld trugen, weil sie durch den Ausstoß von Treibhausgasen Wohlstand erlangt hatten. Ihnen gegenüber standen die Entwicklungs- und Schwellenländer, die den reíchen Ländern die Schuld am Klimawandel gaben und sich ihr Recht auf Wachstum von niemanden nehmen lassen wollten. Schlecht vorbereitet war die Kopenhagener Konferenz, auch litt sie unter der Verhandlungsführung der dänischen Regierung, die es nicht verstand, die Graben zu überbrücken. Als die Staats- und Regierungschefs zum Finale der zweiwöchigen Verhandlungen eintrafen, war die Lage aussichtslos. Der Gipfel in Kopenhagen endete in einem Desaster und mit Absichtserklärungen, die das Scheitern überschminken sollten.

Es dauerte sechs Jahre, ehe sich die Weltgemeinschaft im Kampf gegen die Erderwärmung soweit angenähert hatte, dass sie es in Paris noch einmal versuchte: Ein Abkommen zu vereinbaren, dass alle Staaten in die Pflicht nimmt. Das Kyoto-Protokoll von 1997 hatte in Sachen Klimaschutz nur die Industriestaaten gebunden. Die großen Klimasünder USA und China waren nie dabei, Kanada stieg später aus. Nach dem Flop in Kopenhagen änderten die Vereinten Nationen ihre Taktik. Anstatt von oben ein Ziel zu verordnen, sammelten sie im Vorfeld und quasi mit dem Klingelbeutel freiwillige Zusagen der Staaten ein. Die Idee war, in Paris einen Strich zu ziehen, zusammenzurechnen und einen Vertrag daraus zu machen. Die Vorbereitungskonferenzen brachten Fortschritte. In den Delegationen war spürbar: Ein Desaster wie in Kopenhagen wollte niemand.

Paris, 2015. Ich erlebte die Terroranschläge am Fernsehen und ich glaubte nicht, dass es möglich sei, nur wenige Wochen später eine Klimakonferenz mit 50.000 Teilnehmern inklusive Staats- und Regierungschefs zu beschützen. Ich reiste trotzdem dorthin, in diese verwundete Stadt.

Die Wahrheit ist, dass das „Wunder von Paris“ mehrfach vor dem Scheitern stand. Die Wahrheit ist aber auch, dass sich kein Land für ein erneutes Scheitern verantwortlich machen lassen wollte. Dass es am Ende einen Vertrag gab, der jedem Land die Möglichkeit gab, zuzustimmen und dabei das Gesicht zu wahren, ist sicherlich das Ergebnis einer jahrelangen Vorarbeit. Die wichtigsten Gespräche mit Indien und China fanden weit vor der Pariser Konferenz statt. Am Ende war es eine diplomatischen Meisterleistung, die Fäden zusammenzuknoten.

Zehn Tage hatte der Klimagipfel in Paris bereits gedauert, ehe die erste Krise aufzog. Auf den Tisch lag der erste Entwurf des Klimavertrags, ellenlang und mit Hunderten eckigen Klammern versehen. Die Klammern markierten die stritten Punkte, sie gaben Optionen vor. Im Kern waren es drei große Streitthemen. Zum einen war es die Frage, wie ambitioniert der Vertrag ausfallen sollte. Dabei ging es um das langfristige Klimaziel, den Anstieg der Temperatur in der erdnahen Atmosphäre im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf zwei Grad zu beschränken. Rechnete man das zusammen, was in Paris an freiwilligen Klimaschutzzusagen auf dem Tisch lag, reichten die Maßnahmen nach Ansicht von Forschern lediglich aus, um den Anstieg bei 2,7 Grad zu halten.

Zu wenig - jedenfalls am Anfang. Sie tritt in fünf Jahren in Kraft und schreibt vor, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts einen Ausgleich zu schaffen zwischen dem Ausstoß von Treibhausgasen und dem, was die Erde aufnehmen kann. So viele Bäume kann aber niemand pflanzen. Faktisch heißt das also: Die Staaten müssen ihre Emissionen drastisch senken. Das Fernziel: Die Erderwärmung deutlich unter 2 Grad zu halten. Es steht sogar das Ziel 1,5 Grad drin - eine Forderung kleiner Inselstaaten- , aber dazu heißt es nur: Die Staaten sollen sich anstrengen, das zu erreichen. Weil die bisher vorgelegten nationalen Klimaschutzpläne nicht ausreichen, wird in drei Jahren über Nachbesserungen geredet. Ab 2023 sollen die Staaten ihre Maßnahmen in regelmäßigen Abständen überprüfen.

Zu wenig - jedenfalls am Anfang. Sie tritt in fünf Jahren in Kraft und schreibt vor, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts einen Ausgleich zu schaffen zwischen dem Ausstoß von Treibhausgasen und dem, was die Erde aufnehmen kann. So viele Bäume kann aber niemand pflanzen. Faktisch heißt das also: Die Staaten müssen ihre Emissionen drastisch senken. Das Fernziel: Die Erderwärmung deutlich unter 2 Grad zu halten. Es steht sogar das Ziel 1,5 Grad drin - eine Forderung kleiner Inselstaaten- , aber dazu heißt es nur: Die Staaten sollen sich anstrengen, das zu erreichen. Weil die bisher vorgelegten nationalen Klimaschutzpläne nicht ausreichen, wird in drei Jahren über Nachbesserungen geredet. Ab 2023 sollen die Staaten ihre Maßnahmen in regelmäßigen Abständen überprüfen.

Weil man diesmal auf freiwillige Angaben der Staaten gesetzt hat und weil die beiden weltgrößten Klimasünder China und USA mit im Boot sind - und das nicht nur aus gutem Willen, sondern aus kaltem wirtschaftlichem Kalkül. Investitionen in Energie aus Sonne, Wind und Wasser rechnen sich - mancherorts lässt sich damit mehr Geld verdienen als mit Öl.

Sie besteht aus einem rechtlich verbindlichen und einem nicht verbindlichen Teil - auch deshalb, weil der US-Präsident das Abkommen so am republikanisch bestimmten Senat vorbei in Kraft setzen kann. Ob rechtsverbindlich oder nicht - eine UN-Klimapolizei, die bei Verstößen in einem Land einmarschiert, gibt es ohnehin nicht. Fachleute gehen aber davon aus, dass keine Regierung gegen internationalen Druck und gegen den Widerstand ihrer Bürger und der Wirtschaft aus der Paris-Vereinbarung aussteigen wird.

Ein großes Wort, aber tatsächlich hat es noch kein Abkommen gegeben, das alle Staaten der Welt zum Klimaschutz verpflichtet. Das Kyoto-Protokoll von 1997 hat nur die Industriestaaten gebunden. Kanada ist ausgestiegen, große Klimasünder wie die USA und China waren nie dabei. Die Paris-Vereinbarung dreht den Prozess vom Kopf auf die Füße: Anstatt von oben ein Ziel zu verordnen, haben die Staaten im Vorfeld selbst festgelegt, was sie für den Klimaschutz tun wollen. Dann wurde zusammengerechnet, ein Strich darunter- und ein Vertrag daraus gemacht. Das ist, sehr vereinfacht gesagt, die Idee hinter dem Pariser Klima-Abkommen. Darauf muss die Weltgemeinschaft jetzt aufbauen - wenn es nach Wissenschaftlern und Umweltschützern geht so schnell wie möglich.