Röntgenkongress Hamburg

Die Einblicke in den Körper werden präziser

Eine Mammografie im Zuge der Brustkrebs-Früherkennung.
In einem erweiterten Verfahren, das in Hamburg vorgestellt wird, sind Tumorherde deutlich besser zu erkennen

Eine Mammografie im Zuge der Brustkrebs-Früherkennung. In einem erweiterten Verfahren, das in Hamburg vorgestellt wird, sind Tumorherde deutlich besser zu erkennen

Foto: picture-alliance

Beim Deutschen Röntgenkongress in Hamburg geht es um neue Techniken in Mammografie, 3-D-Druck in der Medizin und die Bauchfettanalyse.

Hamburg.  Präzise Bilder vom Inneren des Menschen stehen im Mittelpunkt eines Kongresses, der am heutigen Mittwoch im Hamburger Congress-­Centrum beginnt. Zum Deutschen Röntgenkongress, der größten radiologischen Veranstaltung im deutschsprachigen Raum, auf dem vier Tage lang neue Erkenntnisse aus dem Fachgebiet diskutiert werden, werden rund 7500 Teilnehmer erwartet.

Einer der Schwerpunkte der Tagung sind neue Techniken in der Mammografie, mit denen Krebsherde in der weiblichen Brust zuverlässiger als bisher zu erkennen sein sollen. „Es ist eine Verfeinerung der Röntgen-Mammografie, die es ermöglicht, besser zwischen Tumoren und gesundem Gewebe zu unterscheiden“, sagt Prof. Gerhard Adam, Kongresspräsident und Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Eppendorf.

Im neuen Mammografieverfahren sind Tumorherde deutlich besser erkennbar

Bei dem Verfahren, der sogenannten kontrastmittelverstärkten spektralen Mammografie (CESM), wird den Frauen jodhaltiges Kontrastmittel in die Vene gespritzt. Anschließend wird die Brust ähnlich wie bei der herkömmlichen Mammografie zusammengedrückt und in zwei Ebenen geröntgt. Der Unterschied: Pro Ebene werden statt einer zwei Belichtungen aufgenommen, dabei werden zwei verschiedene Spektren der Röntgenstrahlen miteinander kombiniert. „So kann einerseits die Anatomie optimal dargestellt werden. Andererseits sehen wir Tumorherde inklusive Satellitenherde und ihrer Ausdehnung deutlich besser dank eines zusätzlich aus den zwei Aufnahmen berechneten Bildes der Kon­trastmittelanreicherung“, erklärt Privatdozentin Dr. Eva Maria Fallenberg von der Klinik für Radiologie der Charité Universitätsmedizin in Berlin.

In einer Studie, die auf dem Kongress vorgestellt wird, haben die Berliner Radiologen die CESM mit dem Ultra­schall verglichen. „Wir konnten zeigen, dass wir mit der CESM fast acht von zehn aller vorhandenen bösartigen Läsionen erkennen konnten“, sagt Fallenberg. Diese sogenannte Sensitivität war bei der CESM mit 78 Prozent deutlich höher als beim Ultraschall (67 Prozent). Die Spezifität, dass also nicht krankhafte Veränderungen auch tatsächlich als solche erkannt werden, lag allerdings mit 50 Prozent deutlich niedriger als beim Ultraschall (81 Prozent). Fallenberg geht jedoch davon aus, dass die Spezifität bei diesem noch neuen Verfahren mit der steigenden Erfahrung der Untersucher zunehmen wird.

Einsatzmöglichkeiten des neuen Verfahrens sieht die Radiologin vor allem bei den Untersuchungen von Brustkrebspatientinnen vor einer Operation. Ein Routineverfahren sei die CESM allerdings noch nicht. „Im Moment sollte sie nur in klinischen Studien angewandt werden, um die Vorteile noch genauer zu belegen“, sagt Fallenberg. „Wenn sich herausstellt, dass dieses Verfahren sinnvoll ist, könnte man es in bestimmten Problemfällen, wie zum Beispiel bei Frauen mit dichtem Brustgewebe, als ergänzende Untersuchung einsetzen“, sagt Kongresspräsident Adam.

Über ihre Tagung haben die Radiologen das Motto „Technik für Menschen“ gestellt. „Damit soll auch die enge Zusammenarbeit mit benachbarten Fachrichtungen deutlich werden“, sagt Adam. Ein Beispiel dafür ist der sogenannte 3-D-Druck, der ebenfalls auf dem Kongress präsentiert wird. Dabei werden zunächst von einem Computertomographen Bilder mit sehr feinen Schichten einer Körperregion des Patienten erstellt. „Dieser Bilddatensatz wird dann auf einen Rechner überspielt, der daraus ein dreidimensionales Modell ausdruckt“, erklärt Adam. Diese Methode könnten zum Beispiel Chirurgen nutzen, um passende Ersatzstücke für den Verschluss von Knochendefekten zu modellieren, die durch der Entfernung eines bösartigen Tumors entstehen.

Auch die Neuroradiologen im Universitätsklinikum Eppendorf arbeiten – gemeinsam mit Wissenschaftlern der Technischen Universität Hamburg-Harburg – an einem Forschungsprojekt zum 3-D-Druck. „Mit diesem Verfahren drucken wir zu Trainingszwecken Modelle von Aussackungen an Gefäßen, sogenannten Aneurysmen, aus. Daran simulieren wir dann Eingriffe, mit denen solche Aneurysmen verschlossen werden können. Das ist ein sehr anschauliches Beispiel dafür, wie 3-D-Druck in der Medizin angewendet werden kann“ sagt Adam.

Auf dem Kongress vorgestellt wird auch eine neue Methode zur Analyse des Bauchfetts. Denn wer stark übergewichtig ist, hat vor allem dann ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wenn sich viel Fett im Bauchraum befindet. Bislang musste für eine solche Analyse eine aufwendige Untersuchung mit dem Magnetresonanztomographen durchgeführt werden, bei der der Patient eine Viertelstunde in der Röhre liegen muss. Die Auswertung von rund 40 Schnittbildern nimmt nochmals eine halbe Stunde in Anspruch. „Vom Zwerchfell bis zum Beckenboden wird der gesamte Bauchraum Zentimeter für Zentimeter durchmessen“, erklärt Dr. Alexander Schaudinn von der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an der Uniklinik Leipzig.

Das neue Verfahren zur Analyse des Bauchfetts liefert schneller Ergebnisse

Er und seine Kollegen haben jetzt eine Methode entwickelt, die bereits nach vier Minuten Ergebnisse liefert. Schaudinn stellt die Studie über die Methode in Hamburg vor. Dabei wird das Gesamtvolumen des Bauchfetts berechnet, indem nur fünf Schichten genau vermessen und daraus eine Hochrechnung erstellt wird. „Diese Methode könnte im Rahmen der Behandlung von starkem Übergewicht eine Rolle spielen und zur Risiko-Abschätzung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagt Adam.