Erkältungen

Kombi-Präparate sind oft nicht sinnvoll

Viele Medikamente sollen verschiedene Symptome gleichzeitig bekämpfen und enthalten daher auch mehrere Wirkstoffe. Das klingt nach Effizienz.

Berlin. Während eine echte Grippe unweigerlich ans Bett fesselt, schleppen sich die meisten Menschen mit einem grippalen Infekt nicht zum Arzt – sondern nur in die Apotheke. Denn rezeptfreie Erkältungsmittel versprechen schnelle Linderung bei allem, was einem dann zu schaffen macht: Schnupfen, Halsweh, Husten und auch leichtes Fieber. Etliche der Mittel sind Kombi-Präparate. Sie sollen verschiedene Symptome gleichzeitig bekämpfen und enthalten daher auch mehrere Wirkstoffe. Das klingt nach Effizienz. Die Arzneimittelexperten der Stiftung Warentest sind allerdings anderer Meinung. Sie überprüfen regelmäßig die Bestseller unter den Erkältungsmitteln. Ihr Fazit in der Dezember-Ausgabe der Zeitschrift „test“ für viele Kombinationsmittel: Häufig ergänzen sich die verwendeten Wirkstoffe nicht sinnvoll oder belasten den Körper unnötig.

Grippostad C war im vergangenen Jahr mit 30 Prozent Marktanteil das meistverkaufte Kombinationsmittel unter den nicht verschreibungspflichtigen. Es enthält den Wirkstoff Chlorphenamin gegen geschwollene Schleimhäute. „Doch weil das Medikament als Kapsel geschluckt wird, verteilt sich der Wirkstoff im ganzen Körper und macht müde“, so die Autoren. Zusätzlich im Medikament enthaltenes Koffein solle diesen Effekt ausgleichen. Ob das aber gelingt, ist Fachleuten zufolge gar nicht eindeutig wissenschaftlich belegt. „Mit einem Nasenspray wäre das gar nicht nötig – es behandelt die Schwellung lokal“, schreiben die Experten. Grippostad C ist zudem Vitamin C zugesetzt. Auch das sieht die Stiftung Warentest kritisch. Denn dass Vitamin C die Dauer einer Erkältung beeinflusse, sei ebenfalls nicht nachgewiesen.

Oft seien die Wirkstoffe von Kombimitteln, einzeln eingenommen, zudem nicht nur schonender, sondern auch noch günstiger. So kosten Kombi-Präparate zwischen acht und zehn Euro – die meist darin enthaltenen Schmerzmittel gibt es aber schon ab einem Euro pro Packung.

Da eine gewöhnliche Erkältung durch mehr als 200 verschiedene Virustypen entstehen kann, gibt es bis heute kein Medikament, das tatsächlich die Ursache der Krankheit bekämpft. Es geht also immer nur um eine weitgehende Linderung der Symptome.