Hördrogen

Droge aus dem Kopfhörer

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Klangdateien werden im Internet als Rauschmittel angeboten. Langfristige Schäden können bleiben

Paris. Die Droge fließt per Kopfhörer in den Körper: Wie Elektrobeats klingen die Töne, doch durch spezielle Frequenzen werden die Hirnströme so verändert, dass eine Wirkung wie bei LSD, Kokain oder Marihuana eintreten soll - vom Albtraum bis hin zur trancehaften Entspannung. Im Internet lassen sich solche "Hördrogen" herunterladen, und nun hat eine Neuropsychologin nachgewiesen, dass diese Töne tatsächlich den Geistes- und Gemütszustand beeinflussen. Ein langfristiger Konsum könne schädlich sein.

Dass Klänge und Schall auf die Psyche wirken, ist bekannt - so werden Töne schon lange auch als Folterinstrumente von Militärs und Geheimdiensten eingesetzt. Neu ist an den "Hördrogen", dass sich der Kunde gezielt aussuchen kann, in welche Art Rausch er sich versetzen lassen will: Im Angebot sind Varianten von Alkohol über Kokain bis hin zu Ecstasy oder LSD. Speziell kreierte Klänge sollen den gewünschten Zustand erzeugen. Dabei werden in beide Ohren Tonpaare mit unterschiedlicher Frequenz übertragen.

"Diese Methode ermöglicht, dass das Gehirn die gewünschten Wellen hervorbringt: langsame Wellen, die mit dem Zustand der Entspannung in Verbindung stehen, oder schnellere Wellen, die zu Wachsamkeit und Konzentration führen", berichtet die Neuropsychologin Brigitte Forgeot.

Im Internet lassen sich auf einer Website 200 verschiedene Hördateien für 1,90 bis 154 Euro herunterladen. Seit 2007 wurden sie 1,4 Millionen Mal abgerufen. Forgeot hält zwar einen Effekt für messbar, die Suchtgefahr der Töne aber für gering: "Die Wirkung hört auf, sobald das Zuhören beendet wird." Es trete kein Gewöhnungseffekt ein, und der Konsument verspüre auch nicht den Drang, die Dosis zu erhöhen. Auch die Bundesdrogenbeauftragte ist noch nicht aufgeschreckt. "Hördrogen" seien bisher "kein Thema", heißt es aus ihrem Büro.

Ganz ungefährlich ist der Konsum aber wohl nicht. Laut Forgeot können bei intensivem Gebrauch langfristige Schäden bleiben: Schlafstörungen etwa oder Angstzustände.