Klimawandel

Himalaya-Gletscher schmelzen weniger stark als gedacht

Bisherige "Schwund-Szenarien" seien laut Forschern übertrieben gewesen. Demnach sollten die Gletscher bis 2035 fast verschwunden sein.

Dresden. Erfreuliche Nachrichten vom höchsten Gebirgsmassiv der Welt: Die Gletscher im Himalaya schmelzen nicht so rasant wie bislang angenommen. Das haben Forscher aus Dresden und Zürich herausgefunden, wie die Technische Universität Dresden am Donnerstag mitteilte. Demnach bestätigen die Glaziologen, dass die im jüngsten Bericht des Weltklimarates (IPCC) veröffentlichten „Schwund-Szenarien“ übertrieben waren.

Das internationale Gremium hatte dies bereits selbst eingeräumt und erklärt, dass seine Warnung vor einem rapiden Abschmelzen der Gletscher im höchsten Gebirgszug der Welt keine ausreichende wissenschaftliche Basis hatte. Die Prognose, wonach die Gletscher bis 2035 größtenteils verschwunden sein könnten, beruhte demnach auf nur mangelhaften Schätzungen.

Die Wissenschaftler um den Dresdner Glaziologen Tobias Bolch stellten in ihrer Studie, die in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Science“ erscheint, den Wissensstand über die Gletscher im Himalaya zusammen. Im Ergebnis ihrer Untersuchung kommen sie zum Schluss, dass der Gletscherschwund im Himalaya sich „nicht wesentlich“ auf den Wasserabfluss der großen Flüsse wie Indus und Ganges auswirken werde.

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Allerdings müsse „mittelfristig mit einer größeren Variabilität bei den saisonalen Wasserabflüssen“ gerechnet werden, sagte Bolch. Ein großes Gefahrenpotenzial für die Bevölkerung in der Region sehen die Experten insbesondere wegen neu entstehender und sich rasch vergrößernder Gletscherseen. Die Wasser- und Geröllflut könnte für tiefer liegende Gebiete verheerende Folgen haben, hieß es.

Die Forscher mahnten angesichts dieser Entwicklung weitere Anstrengungen bei der Überwachung dieser Gletscherseen an. Von den Süßwasserspeichern der Gletscher in dieser Region sind nach den Angaben mehrere 100 Millionen Menschen in Südasien in unterschiedlichem Ausmaß abhängig. Entsprechend wichtig sei es, mögliche Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die Himalaya-Gletscher frühzeitig zu erkennen.

Die Glaziologen werteten nach eigenen Angaben eine Vielzahl von Daten aus. Die aktuellsten Kartierungen auf Basis von Satellitendaten ergaben demnach, dass Gletscher im Himalaya und Karakorum eine Gesamtfläche von rund 40.800 Quadratkilometern bedecken. Diese Fläche entspreche rund dem Zwanzigfachen aller Alpengletscher, sie sei aber bis zu 20 Prozent kleiner als bislang angenommen, hieß es. Bolch führt dies hauptsächlich auf „fehlerhafte Kartierungen“ in früheren Untersuchungen zurück.

Ausgewertet wurden für die Studie auch bisherige Messungen von Längen-, Flächen- und Volumenänderungen. Die Forscher ermittelten durchschnittliche Längenabnahmen in den vergangenen Jahrzehnten von 15 bis 20 Metern und Flächenabnahmen von 0,1 bis 0,6 Prozent pro Jahr. Die festgestellten Längenänderungen sowie Flächen- und Volumenabnahmen entsprächen dem „globalen Mittel“, sagte Bolch. „Die Himalaya-Gletscher nehmen ab, aber deutlich weniger schnell als bisher prognostiziert.“