Rauchmelder

Der Lebensretter im Schlafzimmer

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Bei Wohnungsbränden sterben pro Jahr in Deutschland 600 Menschen. Warngeräte können Rauchvergiftungen verhindern.

Er ist aus Kunststoff, wiegt 120 Gramm, hat einen Durchmesser von 102 Millimeter und einen entscheidenden Vorteil: Er schläft nicht. Das kann Leben retten. Denn der Ort, von dem in deutschen Haushalten die größte Gefahr ausgeht, ist ausgerechnet das Schlafzimmer. Deshalb müssen in jedem Hamburger Haushalt bis zum 31. Dezember Rauchwarnmelder installiert sein. Der Piepser an der Decke wird zur Pflicht für Vermieter und Hausbesitzer.

Bei jährlich mehr als 200 000 Bränden zählt der Bundesverband Brandschutz-Fachbetriebe rund 600 Tote. Die meisten fallen nicht den Flammen zum Opfer, sondern sterben an einer Rauchvergiftung. Sie ersticken nachts im Schlaf (70 Prozent der Brandtoten).

Der Blick unter die Plastikkappen der Geräte zeigt, welch moderne Technik in ihnen arbeitet. Mit den historischen Vorgängern, eisernen Feuermeldekästen, die Anfang des 20. Jahrhunderts das Stadtbild schmückten, haben die seidenmatten Kunststoffdosen nichts gemein. Als technologischer Standard hat sich der optische (auch photoelektrische) Rauchmelder etabliert. "In der kleinen Messkammer dieser Systeme arbeitet ein LED-Licht, das in regelmäßigen Abständen Infrarotstrahlen sendet, und ein lichtempfindlicher Fotosensor, der Rauch detektiert und den Alarm des optischen Brandmelders auslöst", erklärt Peter Kranz, Bereichsleiter für optische Rauchmelder bei der Firma Brunata-Metrona.

Die Geräte arbeiten nach dem sogenannten Streulichtverfahren: Klare Luft reflektiert nahezu kein Licht. Solange sich in der Messkammer kein Rauch befindet, strahlt der unsichtbare kurzwellige Infrarot-Lichtstrahl (um 780 Nanometer) kerzengerade und damit an der schräg gegenüber liegenden Fotozelle vorbei - der lichtempfindliche Sensor bleibt im wahrsten Sinne unbehelligt. "Befindet sich hingegen Rauch in der Messkammer, trifft der Lichtstrahl auf Rauchpartikel", erklärt Peter Kranz. Denn der Rauch enthält neben Kohlenstoffdioxid und toxischen Dämpfen Ruß- und Schmutzpartikel, die aufgrund der Thermik des Brandes emporgewirbelt werden. Sie kollidieren mit den Infrarotstrahlen, die auf den lichtempfindlichen Sensor abgelenkt werden (Tyndall-Effekt). Dabei gilt: Je dichter der Rauch, umso mehr Licht wird gestreut. Sobald die Lichtfülle einen bestimmten Schwellenwert überschreitet, löst der Sensor den Alarm aus. Die Kontrolllampe blinkt, die Sirene heult mit mindestens 85 Dezibel.

Es strapaziert aber die Nerven, wenn die Sirene grundlos schrillt. "Das erstbeste Gerät im Baumarkt zu kaufen, kann ein folgenschwerer Fehler sein", warnt Kranz. Billigware zu Preisen von drei bis fünf Euro löse häufig Fehlalarme aus oder - schlimmer noch - warne erst, wenn es zu spät sei. "Empfehlenswert sind hochwertige Melder, die eine Einzelqualitätskontrolle durchlaufen und dabei eine definierte Ansprechschwelle erhalten", sagt der Fachmann. Ratsam sei außerdem eine umweltschonende Zehn-Jahres-Lithium-Batterie, sodass der Detektor durchgängig arbeite, ein feines und großes Rauchgitter und eine gute Verarbeitung der Bauteile.

Die geltende Produktnorm (DIN 14676) enthält keine dieser Anforderungen, sondern nur Vorgaben für Einbau und Wartung der Warngeräte (s. Kasten). Kranz: "Ein nicht fachgerecht montierter Rauchmelder ist wie ein Sicherheitsgurt, den man sich um den Hals legt." Die Montage sei so wichtig wie die Produktqualität. Sie ist in einer europäischen Norm (DIN 14604) geregelt, "die viel Spielraum lässt", sagt Kranz. Das ruft Billighersteller auf den Plan.

Verbraucher sollten deshalb auf das VdS-Siegel achten. Er wird von der offiziellen Überwachungsstelle für Brandschutz vergeben. Sie prüft, ob der Ansprechwert auf dem vorgeschriebenen Niveau liegt und die einzelnen Bauteile gut zusammenarbeiten. Wenn zum Beispiel der Fotosensor einwandfrei funktioniert, das Rauchgitter aber zu klein ist, um genügend Rauch einzulassen, fällt das Gerät durch den Test.

Nur wenig Chancen hätte wohl auch der "automatische" Detektor, den eine Patentschrift aus dem Jahre 1894 beschreibt. Als Feuermelder mussten Vögel herhalten. Brannte es, fielen sie von der Stange, und ihr Körpergewicht löste den Alarm aus. Todesursache: Rauchvergiftung.