Schon drei Wochen Kampf gegen das Leck

Am Ende steht Plan G

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US-Energieminister Steven Chu ruft Experten zusammen, um der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko endlich Herr zu werden

Bringt das kommende Wochenende endlich die Wende? Drei Wochen lang dauert die Ölpest im Golf von Mexiko jetzt schon an. Bisher sind alle Versuche, die Lecks der gesunkenen Ölplattform "Deepwater Horizon" zu schließen, gescheitert. Jetzt hat die US-Regierung einige der besten Wissenschaftler des Landes versammelt. Physiker, Ingenieure, Geologen und andere Experten berieten derzeit in der BP-Zentrale im texanischen Houston darüber, wie das Problem zu lösen sei, sagte US-Energieminister Steven Chu. "Die intellektuelle Lokomotive dieses Landes" sei im Einsatz, sagte Chu, selbst Nobelpreisträger in Physik, und fügte ohne weitere Details hinzu: "Wir machen Fortschritte."

Nach dem Scheitern von Plan A ist jetzt Plan B angelaufen

Nach dem Scheitern von "Plan A", das ausströmende Öl durch eine riesige, 13 Meter hohe Stahlkuppel aufzufangen und dann abzusaugen, konzentrieren sich die Bemühungen auf insgesamt sechs Möglichkeiten. "Plan B" ist der "top hat" - der Zylinder. In der Nacht zum Mittwoch wurde ein kleiner, lediglich 1,50 Meter hoher Stahlbeton-Behälter in die Tiefe gelassen. Er soll, platziert über dem größten Leck, das Öl auffangen und auf ein Bohrschiff leiten. Die Verantwortlichen hoffen, dass sich ein Desaster wie bei der großen Kuppel nicht wiederholt. In ihr hatten sich Kristalle aus Öl und eiskaltem Wasser abgesetzt. Sie verstopften die Öffnung. Der kleinere Container wird deshalb mit Warmwasser beheizt, das durch Rohre in die Tiefe geleitet wird.

"Plan C" ist das Anbringen eines Ventils auf dem abgerissenen Steigrohr, um dann das Öl von dort ebenfalls auf ein Schiff zu leiten. Auch in diesem Fall würde noch etwas Öl weiter austreten, weil es ein zweites Leck gibt. Ein BP-Experte sagte gestern, dass bis zum Wochenende eine dieser beiden Varianten angewendet wird - welche, darüber wurde noch beraten.

"Plan D" heißt "Junk-Shot" - Müll-Beschuss. Dabei wird das Ventil, das sich bei dem Ölunfall am 20. April nicht wie geplant geschlossen hatte, mit einem Gummigemisch etwa aus zerkleinerten Autoreifen und Golfbällen unter hohem Druck "beschossen". Größere Gummiteile kommen zuerst, dann kleinere. Das Ventil soll auf diese Weise verstopft werden. In einem nächsten Schritt wird Schlamm in das Bohrloch gepresst. Der Haken: Experten gehen davon aus, dass das Ventil bereits teilweise geschlossen ist und der Beschuss es auch weiter aufreißen könnte.

"Plan E" ist die Installation eines ganz neuen Ventilsystems, um das Bohrloch zu verschließen. Es würde direkt oben auf das bisherige System - Blow-out-Preventer genannt - montiert, das bei dem Unfall versagt hat.

"Plan F" ist das Ansägen des Steigrohrs, unterhalb der Stellen, an denen das Öl austritt. Das soll das Anschließen einer Leitung ermöglichen, durch die das Öl dann an die Oberfläche gelenkt werden könnte. Für welche Varianten sich die Experten in den nächsten Tagen auch immer entscheiden werden: An der Umsetzung von "Plan G", einer endgültigen Versiegelung der Quelle, wird parallel gearbeitet.

Die Ölkatastrophe kostete BP bisher 450 Millionen US-Dollar

BP geriet währenddessen weiter unter Druck. Politiker kritisierten, der britische Konzern habe seine Arbeiten auf der "Deepwater Horizon" überhastet beendet, ohne die Quelle richtig abzudichten. Nach Angaben des demokratischen Kongressabgeordneten Henry Waxman sei ein Bohrloch-Drucktest am Morgen der Explosion "unbefriedigend" ausgefallen. Die Ölkatastrophe hat BP mittlerweile 450 Millionen Dollar (353 Millionen Euro) gekostet. Bisher seien 6700 Schadenersatzforderungen eingegangen, teilte das Unternehmen gestern mit. Davon seien 1000 bereits bezahlt worden. Angesichts der Katastrophe will die US-Regierung künftig für Ölunfälle mehr finanzielle Vorsorge treffen. Sie brachte ein Gesetzesbündel im Kongress ein, das unter anderem vorsieht, einen Treuhänder-Fonds von einer Milliarde Dollar auf 1,5 Milliarden aufzustocken.

An der Küste des US-Bundesstaates Louisiana wurden derweil neue Ölklumpen angeschwemmt. Die Behörden sperrten die betroffenen Küstenstreifen. Nach letzten Schätzungen dürfte der Ölteppich am Sonnabend das Festland erreichen.