Wer trägt die Schuld an der Ölkatastrophe?

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Die drei beteiligten Unternehmen schieben sich bei einer Anhörung im US-Senat gegenseitig die Verantwortung zu

Drei Wochen nach dem verheerenden Ölunfall im Golf von Mexiko ist der Streit über die Schuld an der Katastrophe voll entbrannt. Die Spitzenmanager der drei in das Unglück verstrickten Unternehmen BP, Transocean und Halliburton schoben sich am Dienstag gegenseitig die Verantwortung zu.

Bei einer Anhörung im Energieausschuss des US-Senats griff der Chef von BP Amerika, Lamar McKay, den Eigner der Ölplattform, Transocean, an, von dem BP die Bohrinsel geleast hatte. "Der Blowout Preventer von Transocean hat nicht funktioniert", sagte Lamar laut einer vorab verbreiteten Erklärung. Der Blowout Preventer, eine Kombination von Sicherheitsventilen, sollte eigentlich garantieren, dass nach dem Sinken der Plattform kein Öl ins Meer gelangt. Nach der Explosion funktionierte er aber nicht. Beharrliche Versuche, die Ventile mithilfe von Robotern zu schließen, scheiterten.

Das in der Schweiz ansässige Unternehmen Transocean sieht die Verantwortung hingegen bei BP. Immerhin habe der britische Konzern das alleinige Sagen auf der Plattform gehabt. Es sei sinnlos, "den Unfall auf den Blowout Preventer zu schieben", sagte Transocean-Chef Stephen Newman in einer für die Anhörung vorbereiteten Aussage. Die Bohrung sei abgeschlossen und das Bohrloch mit Zement verschlossen gewesen, sodass der Blowout Preventer nicht mehr benötigt worden sei.

Gegen diese Behauptung stemmt sich nun das dritte beteiligte Unternehmen, der Ölfeldausrüster Halliburton, der unter anderem mit den Zementarbeiten auf der "Deepwater Horizon" beauftragt war. Nach US-Medienberichten glauben Experten, dass diese Arbeiten zum Unglück beitrugen. Halliburton-Präsident Tim Probert sagte, Mitarbeiter seines Unternehmens hätten zwar einen Tag vor der Explosion auf der Plattform gearbeitet, allerdings hätten sie das Bohrloch nicht endgültig versiegelt, weil die Bohrung schlicht noch nicht beendet gewesen sei. Dabei habe sein Unternehmen strikt nach Anweisungen von BP gehandelt.

Wie immer die Streitfrage ausgeht: Präsident Barack Obama will per Gesetzentwurf zukünftig Öl-Multis im Falle eines Unglücks verstärkt zu Kasse bitten. Von BP verlangt er die volle Übernahme der Kosten, die sich geschätzt auf 14 Milliarden Euro belaufen.

Währenddessen versucht BP im Golf von Mexiko weiter, den anhaltenden Ölaustritt ins Meer zu stoppen. Seit die Bohrinsel am 22. April versunken ist, sprudeln täglich mindestens 700 Tonnen Rohöl aus zwei Lecks am Meeresboden ins Wasser. In der vergangenen Woche war eine mehr als 100 Tonnen schwere Stahlkuppel, so hoch wie ein vierstöckiges Haus, über die größere der beiden undichten Stellen gesenkt worden. Das im Container eingefangene Öl sollte dann abgesaugt und auf ein Bohrschiff geleitet werden. Wegen der großen Kälte so tief im Meer bildeten sich aber Kristalle aus gefrorenem Naturgas in dem Behälter, die die Öffnung an der Spitze verstopften. Dadurch wurde ein Absaugen verhindert.

Als Nächstes will BP noch bis Ende dieser Woche eine kleine Stahlkuppel über das Haupt-Leck in 1500 Meter Tiefe stülpen. Bei dieser viel kleineren Kuppel, hofft BP, soll das Problem nicht auftauchen - schon deshalb nicht, weil diese Kuppel weitaus weniger Raum bietet. Der "Top Hat" (Zylinder) genannte Container wiegt etwa zwei Tonnen und ist etwa so groß wie ein Ölfass. Der Behälter ist mit zweierlei Leitungen ausgestattet: zum Absaugen des Öl-Wasser-Gemischs und zum Einleiten von heißem Wasser und Methanol, um eine Kristallbildung zu verhindern.

Gleichzeitig arbeitet BP weiter daran, den Ölteppich auf dem Wasser in Schach zu halten. So wurden bis Dienstag 15 kontrollierte Brände gelegt, um Teile des schmierigen Films abzufackeln; zusätzlich versprühten Flugzeuge Lösungsmittel. Außerdem schoss ein Roboter Chemikalien direkt in das Haupt-Leck am Meeresboden, um das Öl schon dort aufzulösen. Auch das Abschöpfen des Öls auf dem Wasser geht weiter, mittlerweile mit Unterstützung durch die US-Marine.

Die Zeit drängt: Heftige Winde könnten in den nächsten Tagen den Ölteppich in Richtung Mississippi-Delta drücken. Bislang waren die Küsten der südlichen US-Bundesstaaten vom Öl so gut wie verschont geblieben.