Hüftgelenk

Teil 8: Wenn der Schmerz nicht nachlässt, wird operiert

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Cornelia Werner

70 bis 80 Prozent der 75-Jährigen haben eine Arthrose im Hüftgelenk. Wenn Medikamente, Wärmebehandlung und Krankengymnastik nicht mehr helfen, bleibt nur noch ein künstliches Hüftgelenk. Der Operation folgen drei Wochen Reha.

Ein Leiden, das vor allem älteren Menschen schwer zu schaffen machen kann, ist die Arthrose. Zu den Gelenken, die davon besonders betroffen sind, zählt auch das Hüftgelenk. "Man geht davon aus, dass 70 bis 80 Prozent aller Menschen mit 75 Jahren eine Arthrose im Hüftgelenk haben", sagt Dr. Thorsten Gehrke, Ärztlicher Direktor der Endoklinik.

"Der Abrieb der Knorpelschicht führt zu starken Schmerzen, die zuerst vor allem in der Leiste und nur sporadisch auftreten. Mit der Zeit nimmt der Schmerz langsam zu, es kommt zu Bewegungseinschränkungen, die sich bei banalen Alltagstätigkeiten bemerkbar machen. So wird es zum Beispiel für die Patienten immer schwieriger, sich die Schuhe zuzubinden", so der Orthopäde.

Später entwickelt sich der sogenannte Einlaufschmerz. Wenn die Patienten nach längerem Sitzen aufstehen, sind die ersten Schritte sehr beschwerlich, dann lassen die Schmerzen nach. Mit der Zeit werden die Schmerzen immer stärker und treten auch in Ruhe auf, vor allem nachts.

Die Behandlung richtet sich nach der Stärke der Beschwerden. "Zunächst kann man die Arthrose durch eine Therapie mit bestimmten Medikamenten, Wärmeanwendungen, Krankengymnastik verzögern", sagt Gehrke.

Reicht das nicht mehr aus, wird das Einsetzen einer Endoprothese in Erwägung gezogen. "Es ist immer die Entscheidung des Patienten, ob er in seiner Lebensqualität bereits so eingeschränkt ist, dass er seinen solchen Eingriff durchführen lassen möchte", betont Gehrke.

Entscheidet sich der Patient dafür, gibt es zwei unterschiedliche Methoden, die Endoprothese aus Titan, die aus einem Schaft und einer Gelenkpfanne besteht, im Knochen zu verankern. "Das Erste ist die sogenannte Zementierung. Dabei wird die Prothese mit einer Art Zweikomponentenkleber in den Knochen eingeklebt, vorzugsweise bei Patienten im Alter zwischen 70 und 75 Jahren. Die andere Methode ist das zementfreie Verfahren. Dabei schlägt man den Stiel der Prothese und die Pfanne in den Knochen ein. Mit der Zeit wächst der Knochen in die raue Oberfläche der Prothese ein, sodass die Verbindung immer fester wird", erklärt Gehrke. Auf den Schaft wird ein Kopf aus Keramik aufgesetzt, die Pfanne wird mit einer Kunststoffschicht ausgekleidet, sodass das neue Gelenk möglichst reibungslos ineinandergleiten kann.

Beim Einsetzen der Endoprothese wird darauf geachtet, dass die Muskulatur um das Gelenk möglichst geschont wird. Die Operation dauert 45 bis 60 Minuten. Die Patienten können am nächsten Tag wieder aufstehen und bleiben acht bis zehn Tage in der Klinik und gehen dann für drei Wochen in eine Reha, ambulant oder stationär.

Wie alle Operationen birgt auch dieser Eingriff allgemeine Risiken wie zum Beispiel Blutungen oder Nervenschäden. "Besonders gefürchtet ist die Infektion der Endoprothese, die nur dadurch zu beheben ist, dass das künstliche Gelenk ausgewechselt wird. "Üblicherweise wird in solchen Fällen erst wieder eine neue Endoprothese eingesetzt, wenn die Infektion ausgeheilt ist. In der Endoklinik setzten wir gleich, nachdem wie die infizierte Endoprothese und alles entzündete Gewebe entfernt haben, ein neues künstliches Gelenk ein. Dieses setzen wir immer mit Knochenzement ein, dem ein Antibiotikum beigemischt ist, das die Bakterien, die die Entzündung ausgelöst haben, gezielt zerstört", so Gehrke.

Eine weitere Komplikation ist das Auskugeln des neuen Gelenkes. "Das ist sehr schmerzhaft. Die Endoprothese wird dann wieder eingerenkt, und oft muss man den Patienten noch mal operieren, um die Ursache für dieses Auskugeln zu beseitigen."

Gute Behandlung zeichnet sich dadurch aus, dass der Patient über viele Jahre hinweg bei sehr guter Funktion schmerzfrei mit diesem Gelenk laufen kann. Dafür müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein: "Der Operateur muss erfahren sein, es muss eine gute krankengymnastische Nachsorge stattfinden, der Patient muss gut darüber aufgeklärt werden, was er mit der Endoprothese machen darf und was nicht. Normalerweise kann er nach dem Eingriff wieder seinen Alltagsaktivitäten nachgehen wie ein gesunder Mensch. Er sollte bestimmte Sportarten betreiben wie Radfahren, Schwimmen oder Nordic Walking. Ungünstig ist das Joggen, weil sich durch die ständige Stauchbelastung die Prothese früher lockern kann."

Eine Prothese sollte 20 Jahre halten und kann dann ausgewechselt werden. "Auch mehrere Wechsel sind möglich", sagt Gehrke.

Lesen Sie morgen in unserer Abendblatt-Serie: <strong>Teil 9: Makuladegeneration</strong>