Ärztekongress in Hamburg

Endoskopie: Kleine Schnitte, große Wirkung

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Über schonende Behandlungsmethoden wie die Schlüssellochchirurgie diskutieren 2500 Mediziner beim Endo Club Nord in Hamburg.

Hamburg. Schonende Eingriffe, die den Patienten möglichst wenig belasten - die Endoskopie und die "Schlüssellochchirurgie" mit kleinen Schnitten stehen im Mittelpunkt von zwei Kongressen, die am kommenden Wochenende in Hamburg stattfinden. Im CCH treffen sich 2500 Experten aus aller Welt zum Endo Club Nord, dem weltweit größten Endoskopie-Kongress. Zwei Tage lang werden dort neue Methoden und Erkenntnisse vorgestellt, mit Live-Übertragungen von etwa 30 Eingriffen aus dem Universitätsklinikum Eppendorf und den Asklepios-Kliniken Barmbek und Altona.

"Dabei wird auch eine ganz neue Methode zur endoskopischen Behandlung von extremer Fettleibigkeit präsentiert", sagt Prof. Friedrich Hagenmüller, Chefarzt der Abteilung für Gastroenterologie in der Asklepios-Klinik Altona und diesjähriger Vorsitzender des Kongresses. Bei krankhafter Fettsucht helfe oft nur noch eine Operation. "Aber diese Eingriffe sind aufwendig und nicht ohne Risiko. Deswegen sind wir daran interessiert, Methoden zu entwickeln, die dem Patienten einen solchen Eingriff ersparen", sagt Friedrich Hagenmüller.

Bei dem neuen Verfahren handelt es sich um eine Methode, die es seit ungefähr einem Jahr gibt und die sich Endo Barrier nennt. "Die meisten Kalorien werden im oberen Teil des Dünndarms aufgenommen. Deswegen wird dort ein 40 Zentimeter langer Kunststoffschlauch eingelegt, der im oberen Teil des Zwölffingerdarms verankert wird", erklärt Hagenmüller. Ziel ist es, dass die Patienten zunächst erst einmal deutlich abnehmen, bevor dann ein chirurgischer Eingriff, wie zum Beispiel ein Magen-Bypass oder eine Magenverkleinerung, durchgeführt wird. Der Schlauch kann bis zu zwölf Monate im Darm verbleiben, wird aber in der Regel nach einem halben Jahr entfernt. Zusätzlich erhalten die Patienten ein Verhaltenstraining zur richtigen Ernährung.

Ein weiteres Verfahren, das erstmals in Deutschland gezeigt wird, ist die sogenannte Poem-Methode, die perorale endoskopische Myotomie. "Sie wird angewandt bei Achalasie, einer Krankheit, bei der sich der Mageneingang nach dem Schlucken von Nahrung nicht automatisch öffnet", sagt Hagenmüller.

Die Nahrung staut sich in die Speiseröhre zurück, und die Betroffenen leiden unter krampfartigen Schmerzen. Bei der neuen Methode wird über das Endoskop der Schließmuskel durchtrennt.

Auch die Nanotechnik wird auf dem Kongress diskutiert. So wird ein Verfahren vorgestellt, bei dem ein Nanopulver zur Blutstillung bei endoskopischen Eingriffen im Magen-Darm-Trakt eingesetzt wird. Es wird durch einen Kanal im Endoskop auf die Blutungsquelle gesprüht und stoppt durch Einleitung der Gerinnung die Blutung.

Zu seinem Ehrenpräsidenten hat der Endo Club in diesem Jahr den Journalisten und ehemaligen NDR-Redakteur Bernd Seguin ernannt und damit dessen jahrelanges Engagement in der Sozial- und Gesundheitsszene sowie insbesondere in der Darmkrebsvorsorge gewürdigt.

Zeitgleich zum Endo Club treffen sich in der Handelskammer rund 400 Chirurgen zum Hamburger MIC-Symposium. Am Freitag können sie auf einem großen Monitor sieben Stunden lang live Operationen mitverfolgen, die aus vier Operationssälen der AK Altona in den Saal der Handelskammer übertragen werden. Geplant seien zwölf bis 14 Eingriffe, sagt Prof. Wolfgang Schwenck, Chefarzt der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie an der AK Altona und diesjähriger Vorsitzender des Kongresses.

Auf dem Programm stehe eine Mischung aus alltäglichen Operationen, bei denen es neue Entwicklungen gebe, wie zum Beispiel Leistenbruchoperationen mit dem Einsetzen von neuartigen Netzen. So werde erstmals eine Entfernung von einem Teil der Leber mithilfe einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) gezeigt. Neu sei auch die laparoskopische Operation eines Mastdarmkrebses. Zudem geht es auf dem Kongress um die sogenannte Single-Port-Chirurgie. Das sind noch ganz neue Techniken, bei denen Operationen mit speziellen Instrumenten über einen einzigen Schnitt, zum Beispiel im Bauchnabel, vorgenommen werden.

Am Sonnabend wird es dann Vorträge geben sowie Diskussionen über die Vor- und Nachteile der Schlüssellochchirurgie. Ob Leistenbruch, Schilddrüse, Darm, Leber, Magen oder Gallenblase: Alle minimal-invasiven Verfahren würden auf den Prüfstand gestellt und in Pro- und Kontra-Diskussionen mit prominenten Chirurgen kritisch beleuchtet, sagt Schwenk. Dabei soll geklärt werden, in welchen Fällen die neuen Verfahren gegenüber klassischen Operationsmethoden im Vorteil sind und wann Nachteile oder Gefahren die Vorteile überwiegen.

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