Outdoor

So wird der Balkon hübsch – und erhält hohen Nutzwert

Alles ist perfekt gestaltet auf diesem nur zwei Quadratmeter großen Balkon.

Alles ist perfekt gestaltet auf diesem nur zwei Quadratmeter großen Balkon.

Foto: die balkongestalter / HA

Der perfekte Balkon: Profis verhelfen zu Wohlfühloasen in der Stadt. Eine „Pflanzenfee“ verrät schöne Herbst- und Winter-Arrangements.

Hamburg.  Ja, auch auf wenig Fläche kann man so etwas wie eine Terrasse für Städter einrichten. Und auch die Freiluftsaison muss in diesen Tagen nicht wirklich ihrem Ende zugehen. „Die Norweger und die Amerikaner machen es uns vor: Die stellen sich einen Heizpilz vor die Tür, laden Freunde ein und schmeißen trotz Kälte den Grill draußen an – und haben riesigen Spaß“, erzählt Christina Setzer. Die 40-Jährige ist ebenso wie ihr Compagnon Arne Niehaus überzeugt: Viel zu viele Menschen haben hierzulande noch nicht die Möglichkeiten erkannt, die ihnen ein Balkon bietet.

Was sich dort abspielt, gleicht oftmals einem Trauerspiel: Der Boden ist verdreckt und vermoost, Bier- und Wasserkästen stapeln sich in den Ecken und störendes Haushaltsgerät wird achtlos irgendwie gelagert. Dabei könnte man diesen Bereich so viel besser und geschickter nutzen – „eigentlich wie ein verlängertes Wohnzimmer“, sagt die professionelle Balkongestalterin.

Vorher-Nachher-Bilder machen Veränderung deutlich

Das zeigt ein nur zwei Quadratmeter großer Balkon, den sie zusammen mit Arne Niehaus vor Kurzem in Hamburg gestaltet hat. „Er ist bis ins Detail auf die Wünsche des Kunden abgestimmt worden“, erzählt Christina Setzer. Das Konzept sah einen Sitzplatz mit Stauraum plus Platz für einen Elektrogrill vor.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen, wie das Vorher-Nachher-Beispiel auf dieser Seite zeigt – und überzeugte den Kunden: „Wir haben eine Sitzbank von Ikea kurzerhand schwarz angemalt und einem weißen Tisch ein völlig neues Styling verpasst“, erzählt Christina Setzer. Bambus in den Blumenkästen garantiert einen guten Sichtschutz – alles andere ist perfekt auf das Farbkonzept Schwarz-Weiß abgestimmt.

Binnen zwei Wochen erhalten Kunden eine Skizze

Das Geheimnis ihres Erfolgs liegt wohl auch darin, dass sich die beiden Profis kongenial ergänzen: Arne Niehaus ist der Designer und Stylist, der seine Ideen perfekt auf Papier zaubert, sodass Kunden sehr schnell sehen, was das Konzept vorsieht. Christina Setzer wiederum weiß sehr genau als Inhaberin des Webstores greenbop.de, welche Designartikel derzeit auf dem Markt für Haus und Garten angeboten werden. „Erst seitdem ich diese beiden Bereiche miteinander kombiniert habe, macht die Sache richtig Spaß und Sinn.“

Und der Erfolg gibt ihr recht. Allein in diesem Jahr haben die beiden schon 50 Balkone neu gestaltet – dies weit über Hamburgs Stadtgrenzen hinaus. „Einige Anfragen erreichen uns sogar schon aus der Schweiz“, freut sich die Unternehmerin. Auch Gartenbesitzer hätten schon um Konzepte für die Neugestaltung ihrer Terrasse gebeten.

Die Stunde wird mit 70 Euro berechnet

Den vielen Nachfragen können die beiden Profis nur nachkommen, weil ihr Geschäftsmodell primär über eine Online-Abfrage funktioniert. „Über einen Fragekatalog auf unserer Homepage www.balkongestalter.de sowie Fotos, die uns zugesendet werden, erfahren wir zunächst das Notwendigste“, erläutert Christina Setzer. Im Anschluss erfolge dann die Feinarbeit, die auch die Klärung der jeweiligen Farb- und Stilwelt beinhalte. „Die meisten erhalten dann binnen zwei Wochen eine Skizze von uns inklusive einer Art Einkaufsliste, sodass sie die Gestaltung der Fläche auch gut selbst übernehmen können“, erläutert Christina Setzer.

Meist wird für diese Arbeit nicht mehr als ein paar Hundert Euro verlangt. Honoriert wird nach Aufwand basierend auf einem Stundenlohn von 70 Euro. „In den meisten Fällen reichen solche Vorlagen unseren Kunden“, sagt die Unternehmerin. Wer allerdings, wie im Fall des Vorher-Nachher-Beispiels, eine Umsetzung im Detail wünscht, muss auch schon mal mit Beträgen um die 2000 Euro und mehr rechnen.

Auch eigene Möbel sind geplant

Längst denken die Hamburger Balkongestalter über ein neues Modell nach: „Sobald wir die Zeit dazu finden, möchten wir gern eine Software anbieten, mit der sich Kunden ihren Balkon selbst konfigurieren können“, verrät Christina Setzer. „Vielleicht werden wir dafür auch selbst Möbel und Produkte entwerfen, die so bislang am Markt nicht zu bekommen sind, die wir unseren Kunden aber gern anbieten wollen.“

Ideen für schöne Blumen- und Pflanzenarrangements bekommen die Balkongestalter übrigens von ihrer „Pflanzenfee“ – der Hamburgerin Petra Weinstein (www.balkon.service.ms). Sie achtet darauf, dass die jeweilige Begrünung auch der Lage des Balkons entspricht – und falls es der Kunde wünscht, Kübel und Balkonkästen den Jahreszeiten entsprechend neu gestaltet werden. Sie rät dazu, in diesen Tagen alles winterfest zu verpacken. „Ab dem ersten Kälteschub, wenn mehrere Tage lang nur fünf bis zehn Grad erreicht werden, rate ich, einen Zweigemix aus Tannen und Koniferen einfach zwischen beziehungsweise um die Pflanzen in den Blumenkästen zu stecken.“

Jetzt schon an den Frühling denken

Vorher sollten alle reinen Sommerblumen entfernt werden, „wobei die Wurzeln durchaus im Kasten bleiben dürfen; sie geben den Zweigen Halt“, so die Expertin. Wo es Lücken durch komplett verlorene Pflanzen gebe, könnten diese gut mit Heide, Veronika oder Chrysanthemen aufgefüllt werden. „Leere Kübel bekommen auch durch Gräser wieder ein verspieltes Aussehen“, sagt die Expertin. Passend zum ersten Advent (dieses Jahr am 27.11.), könnten diese winterlichen Kästen dann mit Schleifen, Deko oder Lichterketten weihnachtlich verschönert werden.

Auch an den kommenden Frühling kann man jetzt schon denken: Wer sicherstellen möchte, dass es auf der Balkonoase dann blüht, sollte jetzt Zwiebeln von Frühlingsblühern in Schalen oder Töpfen setzen. „Die Faustregel lautet: Abstand und Tiefe doppelt so groß wie der Zwiebelumfang, das heißt, Tulpen und Narzissen liegen tiefer, Krokusse in der Erdschicht darüber“, rät Petra Weinstein. Da sich viele Pflanzen jetzt auf die Winterruhe vorbereiten, gilt es, jetzt auch weniger zu gießen, es aber nicht ganz einzustellen. „Die meisten Pflanzen erfrieren nicht, sondern vertrocknen!“ Auch Formschnitte beim Buchs sind von nun an tabu.

Pflanzenkübel winterfest machen

Kübelpflanzen wiederum stellt man am besten zu einer Gruppe und gern in die Nähe der Hauswand zusammen, „da diese im Winter etwas Wärme abstrahlt.“ Am besten man umwickelt sie zusätzlich noch mit Luftpolsterfolie und anschließend mit Jutesack oder Vlies. „Das alles gibt es in unterschiedlichen Farben. Mit einer dekorativen Kordel oder Schleife drumherum bilden sie zusammen mit Lichterketten ein richtig schönes Bild auf Terrasse und Balkon.“

Christina Setzer hatte im letzten Jahr übrigens große Freude an diesem Arrangement: Knallrote Alpenveilchen kombiniert mit Tannengrün. „Ein echter Knaller in jedem Balkonkasten.“