Hamburger Symphoniker

Auferstehen mit Wagner

Ein spirituell überwölbtes Sinfoniekonzert für den großen Jubilar

Wagners 200. Geburtstag schlägt sich in den Spielplänen des Jahres 2013 nieder. Und nicht nur an den Opernhäusern: Die Hamburger Symphoniker huldigen dem großen Komponisten besonders gern. Schließlich gehört ihr Chef zu den renommiertesten Wagner-Dirigenten der Gegenwart: Als Pierre Boulez 1976 den Bayreuther "Jahrhundert-Ring" einstudierte, war Jeffrey Tate sein Assistent. Seither hat der Brite selber 20 "Ring"-Produktionen an wichtigen Bühnen geleitet.

In Hamburg überlässt Maestro Tate die Nibelungenstory seiner Kollegin Simone Young und widmet sich stattdessen dem letzten musikdramatischen Werk Wagners: In der Karwoche dirigiert er Auszüge aus dem "Parsifal". Der passt perfekt zur Passionszeit, schließlich ist Wagners "Bühnenweihfestspiel" - nach Wolfram von Eschenbachs mittelalterlichem Epos "Parzival" - mit christlichen Symbolen gespickt und eng mit der Leidensgeschichte Jesu verknüpft.

Der dritte Akt der Oper spielt an einem Karfreitag. Angeblich hat sich der Komponist auch bei der Entstehung von einem Karfreitagsspaziergang in seinem Züricher Asyl inspirieren lassen.

Dass der leidende Gralskönig Amfortas am Ende durch den mitleidenden Parsifal erlöst wird, dient manchen Wagner-Deutern als endgültiger Beleg für die christliche Heilsbotschaft des Stücks. Sie sehen die Oper als musikalisches Glaubensbekenntnis.

Aber ganz so einfach ist das nicht. Im "Parsifal" lässt Richard Wagner seine ganz eigene Vorstellung einer Kunstreligion aufscheinen, die sich aus unterschiedlichsten Einflüssen speist: Schopenhauers Philosophie spielt dabei ebenso eine wichtige Rolle wie verschiedene fernöstliche Gedanken. Wagner hat sich intensiv mit dem buddhistischen Glauben beschäftigt; Mitte der 1850er-Jahre trug er sich mit dem Gedanken einer Buddha-Oper namens "Die Sieger", deren Text er bereits fertig geschrieben hatte. Noch 1881, kurz vor Vollendung des "Parsifal", kündigte Wagner seiner Frau Cosima an, er könne die "Sieger" vollenden.

Dass er sich bis zum Lebensende für die buddhistische Lehre interessierte, steht also außer Frage. Vor diesem Hintergrund erscheint die "Parsifal"-Handlung plötzlich in einem anderen Licht: Gurnemanz wird zum geistigen Führer für den jungen Parsifal, der nach Vervollkommnung auf einer höheren Bewusstseinsebene strebt.

Edward Elgar hat über seine zweite Sinfonie bemerkt, sie beschreibe die Wanderung einer Seele, die sich über den Exzess der Leidenschaften erhebt. Auch diese Aussage könnte auf buddhistische Einflüsse hindeuten. Und das ist nicht die einzige Verknüpfung zwischen den beiden Werken, die die Symphoniker unter das Motto "Auferstanden!" fassen.

Der Brite Elgar war ein wahrer Wagner-Fan. Seine Sinfonie erinnert hier und da an die "Meistersinger"; ein Thema aus dem Finale ist als Porträt des Dirigenten Hans Richter angelegt, der Wagners Trauzeuge war.

Vollkommen unabhängig von diesen Anspielungen und Zitaten birgt die zweite Elgar-Sinfonie eine tief anrührende Musik. Ihr intimer, oft melancholisch gefärbter Klang ist denkbar weit vom majestätischen Prunk der "Pomp and Circumstance"-Märsche entfernt.

"Auferstanden!" 24.3., 19.00, und 26.3., 19.30, beide Laeiszhalle. Tickets zu 8,- bis 42,- unter T. 44 02 98