Medizin Hamburg

"Zuckerkrankheit": Mit Diabetes leben – worauf es ankommt

| Lesedauer: 4 Minuten
Kennt sich mit der „Zuckerkrankheit“ aus: Christiane Krings ist Diabetologin am Asklepios Westklinikum Hamburg.

Kennt sich mit der „Zuckerkrankheit“ aus: Christiane Krings ist Diabetologin am Asklepios Westklinikum Hamburg.

Foto: THORSTEN AHLF / FUNKE FOTO SERVICES

Was ist der Unterschied zwischen Diabetes-Typ 1 und Typ 2? Und wie helfen Sensoren zur Blutzuckermessung?

Hamburg. Was denn eigentlich „schlimmer“ sei, Diabetes Typ 1 oder Typ 2? Das werde sie hin und wieder schon gefragt, erzählt Christiane Krings, Fachärztliche Leiterin der Abteilung für Diabetologie am Asklepios Westklinikum Hamburg. Die Antwort der Expertin darauf lautet immer: „Schlimmer, das kann man so gar nicht sagen. Es handelt sich ja um zwei ganz unterschiedliche Erkrankungen, die allerdings die gleiche Folge haben – erhöhten Blutzucker.“

Den entsprechenden Abendblatt-Podcast "Digitale Sprechstunde" hören Sie hier.

Medizin Hamburg: Typ 1-Diabetes wird oft im Kindesalter festgestellt

Während der „Altersdiabetes“ Typ 2 recht weit verbreitet sei, komme der Typ 1, der häufig im Kindesalter oder bei Jugendlichen diagnostiziert werde, vergleichsweise selten vor. Nur etwa 350.000 Menschen sind in Deutschland davon betroffen. „Bei Typ 2 liegt eine gestörte Insulinwirkung vor. Bei Typ 1 hingegen wird erst gar kein Insulin mehr produziert. Aus bisher noch ungeklärten Gründen fängt das körpereigene Abwehrsystem irgendwann damit an, die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zu zerstören.“

Seien nur noch etwa 20 Prozent dieser Zellen übrig, komme es zu den typischen Symptomen: dauerhafter Durst, häufiger Harndrang, Müdigkeit, Infektanfälligkeit. „Die Erkrankung kommt gehäuft bei jungen Patienten vor, kann prinzipiell aber in jedem Alter auftreten“, so die Expertin.

Umgang mit Diabetes muss gelernt werden

Nach der Diagnose gehe es darum, zu lernen, wie man mit der Erkrankung, die im Volksmund oft als „Zuckerkrankheit“ bezeichnet werde, gut leben könne, sagt die Diabetologin, die erwachsene Patienten in einem „multiprofessionellen Team“ diesbezüglich schult. „Einer der Kernpunkte auf unserer Schulungsstation ist natürlich das Spritzen. Das müssen auch schon Kinder lernen, denn Insulin lässt sich leider nicht schlucken und über Pillen zuführen.“

Die Nadeln seien mittlerweile immerhin so dünn und fein geschliffen, dass der Einstich kaum noch zu spüren sei. Überhaupt habe sich viel getan in den vergangenen Jahrzehnten, so seien die derzeit auch im Fernsehen viel beworbenen Sensoren zur Blutzuckermessung, die den aktuellen Wert sofort aufs Smartphone des Patienten übertragen und eine Verlaufskurve anzeigen, eine „sehr sinnvolle Innovation“.

Unterzuckerung sollte unbedingt vermieden werden

„Vorher musste man sich regelmäßig in den Finger piksen und einen Tropfen Blut entnehmen. Klar, daran gewöhnt man sich, aber angenehm wird es nie.“ Und: Man kenne immer nur den aktuellen Wert, nie die Tendenz. Der Sensor, der jeweils zehn bis 14 Tage beispielsweise am Oberarm liege, melde aber beispielsweise auch eine drohende Unterzuckerung, die häufigste Komplikation der „Zuckerkrankheit“.

„Die Betroffenen schwitzen dann oft stark, zittern, haben womöglich Probleme, zu sprechen und einen Satz zu Ende zu formulieren. Und tatsächlich gibt es auch Patienten, die manchmal selbst gar nicht merken, dass sie gleich unterzuckern. Sie müssen besonders gut auf sich achten und lernen, wie man eine Unterzuckerung vermeidet und vor allem richtig behandelt“, sagt Christiane Krings, die zunächst Biologie studierte und sich dann für die Medizin entschied, weil sie doch mehr Kontakt zu Patienten wünschte.

Auch Spitzensport ist mit Diabetes möglich – Beispiel Alexander Zverev

Spezielle Lebensmittel für Diabetiker, wie noch in den 1970er und 1980er-Jahren üblich, gebe es heute nicht mehr. „Diabetiker können sich ganz normal ernähren, wir empfehlen eine gesunde Mischkost“, sagt die Spezialistin. „Die hohe Kunst für Diabetiker ist es, einschätzen zu lernen, wie viel Insulin man für welches Essen spritzen muss. Das ist ein wichtiger Schulungsinhalt, es braucht ein bisschen Routine.“ Eine Hilfe könnten Insulinpumpen sein, die im Prinzip jeder bedienen könne. „Das ist nicht schwieriger als die Bedienung eines Smartphones. Aber Menschen, die nicht gern etwas am Körper tragen, scheuen vielleicht eine solche Pumpe.“

Und was ist mit Sport? „Kann man unbedingt weitertreiben“, sagt Christiane Krings. Tennisprofi Alexander Zverev spielt als Typ 1-Diabetiker an der Weltspitze, Gewichtheber Matthias Steiner war weltweit erfolgreich. „Auch da gilt: Man muss den eigenen Körper sehr gut kennen.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Ratgeber