Lungenkrankheit

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus

Corona: Symptome und Übertragungswege

Wie wird das Coronavirus übertragen und unter welchen Symptomen leiden Infizierte?

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Lungenkrankheit aus China taucht in immer mehr Ländern auf und erinnert an die SARS-Infektionen. Warnung vor Alarmismus.

Berlin. 
  • Das Coronavirus breitet sich weiter aus – auch in Deutschland gibt es mehrere Infizierte
  • Das Virus, das in China erstmals Menschen erkranken ließ, löst Erkrankungen der Atemwege aus
  • Gesundheitsminister Jens Spahn äußerte sich besorgt – und sieht den „Beginn einer Epidemie“
  • Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Virus

Das Coronavirus breitet sich weiter aus. In China sind Hunderte Todesfälle gemeldet worden, Tausende sind infiziert. Das Virus hat sich inzwischen auch in anderen Ländern verbreitet – und nun Europa erreicht. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Infektionen.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Coronavirus.

Was ist das Coronavirus und wie gefährlich ist es?

Coronaviren sind eine Gruppe von Erregern, die Erkrankungen der Atemwege auslösen – von Erkältungen bis hin zu Sars, das in etwa einem Zehntel der Fälle tödlich verlief. Zu den Symptomen des neuartigen Virus gehören laut Weltgesundheitsorganisation WHO Fieber, Husten und Kurzatmigkeit. Die Inkubationszeit beträgt sieben Tage.

So gefährlich wie Sars ist der neue Erreger aber offenbar nicht. Derzeit spreche nichts dafür, dass die Sterblichkeitsrate so hoch liegen könnte wie damals, so Lars Schaade, Vizepräsident des RKI. 2003 gab es laut Weltgesundheitsorganisation weltweit 8096 Sars-Infektionen, in 774 Fällen waren sie tödlich.

Wer ist besonders gefährdet, sich mit dem Coronavirus anzustecken?

In China haben Experten die Daten von mehr als 44.000 Coronavirus-Patienten untersucht. Von ihnen waren mehr als tausend Menschen gestorben. Die Ergebnisse zeigen, dass die Gefahr, sich mit dem Coronavirus zu infizieren und daran zu sterben für Männer ab 50 am höchsten ist.

Das Geschlecht scheint insbesondere für das Sterberisiko eine Rolle zu spielen. Es wurden zwar etwa gleich viel Männer und Frauen mit dem Virus infiziert, aber bei den Männern lag die Sterblichkeitsrate bei 2,8 Prozent; bei den Frauen nur bei 1,7 Prozent. Je älter ein Infizierter, desto höher sein Risiko an der Erkrankung zu sterben: Menschen ab 80 Jahren sind laut den chinesischen Experten dem Sterberisiko unmittelbar ausgesetzt.

Neben Alter und Geschlecht zeigen die Ergebnisse, dass auch Vorerkrankungen einen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung und auf das Sterberisiko haben. Die höchste Sterblichkeitsrate gibt es bei Infizierten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen – hier liegt sie bei 10,5 Prozent.

Wie kann man sich vor dem Coronavirus schützen?

Wie man sich auch vor Erkältungskrankheiten schützt, erklärt das Robert-Koch-Institut: mit regelmäßigem Händewaschen und ein bis zwei Meter Abstand zu Erkrankten halten. Helfen kann es, Umarmungen und Händeschütteln einzuschränken und von vielen Menschen berührte Oberflächen wie Türklinken, Haltegriffe und Aufzugsknöpfe nicht anzufassen.

Atemmasken gegen das Coronavirus sind dagegen laut den Epidemiologen vor allem dann sinnvoll, wenn man andere vor Ansteckung schützen will. Dafür ist es wichtig, dass die Masken eng anliegen, gewechselt werden, wenn sie feucht sind, und die Träger nicht unbewusst die Maske berühren und so Viren weitertragen. Beweise, dass eine Maske den Träger vor Ansteckung schützt, gibt es dagegen nicht. Die WHO warnt sogar vor einem „falschen Sicherheitsgefühl“, das die Masken erzeugen könnten.

An wen soll man sich wenden bei Corona-Verdacht?

Wer Kontakt zu Infizierten hatte, sollte sich unabhängig vom Auftreten von Symptomen bei seinem Gesundheitsamt melden. Gleiches gilt für Reisende aus Risikogebieten, bei denen Symptome auftreten. Die sind derzeit auf Regionen in vier Ländern begrenzt: China, Iran, Italien und Südkorea. Alle anderen wenden sich an das Amt oder den Hausarzt, der bei Verdacht auf Sars-CoV-2 eine Laboruntersuchung veranlassen kann. Allerdings sollten Betroffene vor dem Gang in die Praxis unbedingt dort anrufen, so Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen.

Was unterscheidet Corona von Grippe?

An den Symptomen lässt sich eine Infektion mit Sars-CoV-2 von einer Grippe nicht unterscheiden, sagt Professorin Marylyn Addo, Infektiologin vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Die Symptome reichen von milden Erkältungssymptomen bis hin zu schweren Lungenentzündungen.“ Konkret heißt das: Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber können auftreten.

Das bedeute jedoch unter keinen Umständen, dass jeder mit diesen leichten Symptomen in die Notaufnahme eines Krankenhauses kommen sollte, betont die Infektiologin. „Ich verstehe, dass die Menschen Angst haben. Aber es darf nicht passieren, dass ein Herzinfarkt irgendwo unbehandelt bleibt, weil Menschen mit Erkältungen die Notaufnahmen und Krankenhausbetten blockieren.“ Nicht jeder, der in der Lombardei war, müsse jetzt zum Arzt gehen, sagt Addo. Alle Nachrichten zum Coronavirus in unserem Newsblog.

Was wissen wir über die Coronoavirus-Infizierten in Deutschland?

Sieben neue Fälle in Deutschland waren bis zum Mittwochabend bekannt. Betroffen ist unter anderem ein Ehepaar aus dem nordrhein-westfälischen Gangelt: Der 47-jährige Ehemann, der an einer Vorerkrankung leidet, befindet sich in kritischem Zustand und wurde auf der Intensivstation der Uniklinik Düsseldorf isoliert. Seine 46 Jahre alte Frau, eine Erzieherin, zeigt ebenfalls Symptome des Virus. Beide hätten „sehr aktiv am gesellschaftlichen Leben teilgenommen“, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Auch Baden-Württemberg meldete am Mittwoch mehrere Fälle: So wurde bekannt, dass ein 25-Jähriger aus Göppingen, der kürzlich in Italien war, sich angesteckt hat, ebenso seine Reisebegleiterin und deren Vater – der Arzt in der Pathologie in der Uniklinik Tübingen ist. Er soll noch in der vergangen Woche an einer Konferenz mit anderen Ärzten teilgenommen haben. Ein dritter Fall aus Baden-Württemberg bestätigte sich am Mittwochabend. Ein 32-Jähriger, der aus einem Risikogebiet in Italien eingereist war, hatte sich laut Landesregierung mit grippeähnlichen Symptomen beim Gesundheitsamt gemeldet. Zudem bestätigte die Bundeswehr am Abend die Infektion eines Soldaten aus Rheinland-Pfalz.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) äußerte sich am Abend besorgt: Deutschland stehe „am Beginn einer Corona-Epidemie“. Er habe die Gesundheitsminister der Länder in einer Telefonkonferenz aufgefordert, ihre Pandemiepläne „zu aktivieren und ihr mögliches Inkrafttreten vorzubereiten“, sagte Spahn. „Die Lage hat sich in den letzten Stunden geändert, das muss man leider sagen“, fügte der Minister hinzu.

Die Infektionsketten seien teilweise nicht mehr nachzuvollziehen. Noch sei keine Pandemie ausgebrochen – „aber ich finde es wichtig, dass wir uns auf diese Situation vorbereiten“. Die Bundesregierung richtet einen Krisenstab ein.

Spahn: Deutschland steht "am Beginn einer Coronavirus-Epidemie"
Spahn- Deutschland steht am Beginn einer Coronavirus-Epidemie

Wie bereitet sich Deutschland auf das Coronavirus vor?

Die Bundesregierung haben das Innenministerium und das Gesundheitsministerium einen Krisenstab eingerichtet. In Nordrhein-Westfalen hat der Kreis Heinsberg, aus dem der schwer erkrankte Mann kommt, Schulen und Kindergärten geschlossen. Alle Kinder des Kindergartens, in dem die 46-Jährige arbeitet, müssen laut NRW-Gesundheitsminister Laumann untersucht werden. Mit einer weitläufigen Abriegelung wie in Italien ist aber derzeit nicht zu rechnen. In Baden-Württemberg sagte Sozialminister Manfred Lucha (Grüne), alle Kontaktpersonen des 25-Jährigen seien bekannt und kontaktiert worden.

Das Gesundheitssystem in Deutschland ist prinzipiell sehr gut, das betonen sowohl Jens Spahn als auch Experten immer wieder, seitdem die ersten Corona-Fälle in Deutschland aufgetaucht sind. Eine große Infektionswelle würde sich trotzdem bemerkbar machen, erklärte kürzlich der Berliner Virologe Christian Drosten. Viele Ansteckungen könnten volle Wartebereiche und Arztpraxen, belegte Intensivbetten und überlastete Gesundheitsämter bedeuten.

Katastrophenforscher Martin Voss sieht vor allem bei den Arztpraxen eine Schwachstelle. „Im Augenblick wird allenthalben improvisiert“, sagt Voss. „Wenn überhaupt, haben wohl nur wenige Praxen Schnelltests zur Verfügung und werden diese nur dann anwenden, wenn sie es mit sehr konkreten Verdachtsfällen zu tun haben.“

Auch auf die Gesundheitsämter, die zuständig sind für die Anordnung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen, kommt mit einer möglichen Infektionswelle eine große Belastung zu. Die Behörden seien vorbereitet, sagt Ursula Krickl, Sprecherin des Deutschen Städte- und Gemeindebunds. „Die Pläne liegen in den Schubladen, die Ämter wissen Bescheid, was sie zu tun haben“, sagt Krickl.

Zunächst sehen Notfallpläne der Behörden vor, das Virus einzudämmen. Dafür muss zumindest bei einem Großteil der Infizierten bekannt sein, wo sie sich angesteckt haben und Kontaktpersonen müssen isoliert werden können. Bei den ersten Infizierten in Bayern, die sich bereits im Januar angesteckt hatten, war das nach jetzigem Stand der Fall.

Wie versucht Deutschland Coronavirus-Infektionen frühzeitig zu erkennen?

In Italien verbreitete sich das Virus zunächst unbemerkt. Das halten Experten auch in Deutschland für möglich. Deshalb hat das Robert-Koch-Institut (RKI) damit begonnen, Stichproben von Personen mit Atemwegserkrankungen auch auf das Coronavirus zu testen.

Das RKI hat eine Koordinierungsstelle eingerichtet, um die betroffenen Akteure wie Ärzte, Kliniken, Notfallambulanzen, die medizinischen Dienste an Flughäfen, Gesundheitsämter und Labore zu vernetzen. Zudem sollen Flughafenmitarbeiter und Reisende, die aus bereits betroffenen Ländern kommen, mit Informationsmaterial für das Thema sensibilisiert werden.

Daneben gibt es laut RKI auch die Möglichkeit, Menschen zu testen, wenn sie sich in einem anderen Land aufgehalten haben, in dem sich das Virus verbreitet – momentan etwa China, Italien, Iran oder Südkorea oder die Kontakt zu einem Erkrankten hatten. Betroffene sollten sich zum Abklären an ihren Arzt wenden.

Ratgeber: So schütze ich mich vor Viren
Ratgeber- So schütze ich mich vor Viren

Gibt es besondere Auflagen für den Flug- und Bahnverkehr?

Die deutschen Flughafenbetreiber beobachten das Thema genau, das geht aus einem Statement des Verbands der Verkehrsflughäfen hervor. Es gebe für den Ernstfall detaillierte Notfallpläne mit klaren Prozessabläufen. „Die erforderlichen medizinischen Kapazitäten stehen bereit“, sagte eine Sprecherin des Flughafens Frankfurt.

Flugzeugcrews sind verpflichtet, Personen, die während des Fluges mit Fieber auffallen, am Zielflughafen zu melden. Maßnahmen wie Fiebermessungen an Flughäfen in Deutschland seien aber unverhältnismäßig.

Die Fluggesellschaften, die deutsche mit italienischen Flughäfen verbinden, ziehen bislang noch keine Konsequenzen aus der Epidemie. Ein Sprecher der Lufthansa sagte etwa: „Wir beobachten die Lage sehr genau.“ Aber bislang gebe es keine Änderungen oder Streichungen.

Der Passagier- und Güterverkehr der Deutschen Bahn von und nach Italien lief bisher ohne Probleme. Es gebe derzeit keine Einschränkungen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Dennoch denken viele Urlauber über eine Stornierung ihres Italien-Urlaubs nach. Coronavirus in Italien: Manche Reisen sind kostenlos stornierbar.

Die EU-Kommission hält es bislang nicht für nötig, aufgrund der Coronavirus-Epidemie systematische Grenzkontrollen einzuführen. Auch die Bundesregierung plant derzeit keine Grenzschließungen. Mehr dazu hier: Coronavirus: Könnte Deutschland die Grenzen schließen?

Wo hat das Coronavirus seinen Ursprung?

Seinen Ursprung hat das Virus nach Angaben der chinesischen Behörden auf einem Fischmarkt in Wuhan, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden. Man geht davon aus, dass eines der Wildtiere Quelle des Virus ist. Demnach gab es zunächst Übertragungen vom Tier zum Menschen, bevor das Virus sich an seinen neuen Wirt anpasste und es zu Übertragungen zwischen Menschen kam.

Lässt sich das Coronavirus noch aufhalten?

Stringente Eindämmungsmaßnahmen können durchaus noch sinnvoll sein, betont Professor Timo Ulrichs von der Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin. „Entschiedene Eindämmungsmaßnahmen ermöglichen eine Hemmung der Ausbreitung und damit eine Entlastung des Gesundheitswesens“, sagt der Professor für globale Gesundheit. Das bestätigt Addo. „Es wird wahrscheinlich schwierig, das Virus ganz einzudämmen. Aber wenn wir es schaffen, die Ausbreitung zu verlangsamen und zu kontrollieren, entlasten wir das System.“

Auch RKI-Präsident Lothar Wieler hatte vergangene Woche betont, dass man auf eine Abkopplung der Grippe- von einer möglichen Corona-Welle hinarbeiten müsse. Dass die Bevölkerung sich grundsätzlich an die Anwesenheit des neuartigen Corona-Virus gewöhnen muss, „ist ein Szenario, auf das wir uns vorbereiten“, sagt Addo. „Es ist dann ein weiteres Erkältungsvirus, mit dem wir lernen müssen, umzugehen.“

Coronavirus: Welche Maßnahmen ergreift die chinesische Regierung?

Die chinesischen Behörden haben Städte in der zentralchinesischen Provinz Hubei abgeriegelt, insgesamt stehen etwa 56 Millionen Menschen unter Quarantäne. Zu den isolierten Städten gehören unter anderem Jingzhou (5,6 Millionen Einwohner), Xiaogan (5 Millionen Einwohner) und Wuhan (11 Millionen Einwohner), in dem das Virus ausgebrochen war.

Die Abschottung ist eine beispiellose Maßnahme. „Das ist einmalig in der neueren Geschichte, sagte Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Auch der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist nach Angaben eines Sprechers kein vergleichbarer Fall bekannt.

Neben den Maßnahmen in der betroffenen Provinz wurden die Sicherheitsvorkehrungen im ganzen Land verschärft. Attraktionen wie etwa der Palast in Peking und das Disneyland in Shanghai wurden vorerst für Touristen geschlossen. In Hongkong wurden öffentliche Veranstaltungen abgesagt, die Sonderverwaltungszone hat den Notstand ausgerufen.

Im gesamten öffentlichen Nahverkehr Chinas wurden Messstationen eingerichtet, in denen Passagiere auf Symptome getestet werden. Passagiere mit Verdacht auf eine Infektion sollen sofort in eine medizinische Einrichtung gebracht werden.

Hat die chinesische Regierung rechtzeitig reagiert?

Die Bevölkerung in der Volksrepublik hegt tiefes Misstrauen gegen die Berichterstattung der staatlichen Medien und Angaben der Gesundheitsbehörden. Viele haben Angst, dass die wahre Bedrohung des Virus-Ausbruchs von offizieller Seite heruntergespielt wird. Schließlich war die Informationspolitik der Kommunistischen Partei Chinas beim verheerenden Sars-Ausbruch 2002 überaus intransparent – was die Epidemie damals verschärfte. Damals kamen etwa 800 Menschen dadurch ums Leben. Das neue Virus soll nach derzeitigem Stand eine harmlosere Variante sein.

Die Gesundheitskommission hatte zunächst eine Reisewarnung nach Wuhan ausgesprochen, die Behörden haben zudem Gesundheitsscanner an Bahnhöfen und Flughäfen installiert, und Präsident Xi Jinping hat in einer Rede seine Parteikader dazu ermahnt, „der Gesundheit der Bevölkerung vorderste Priorität“ einzuräumen. Am Donnerstag folgte schließlich die beinahe vollständige Abriegelung von Wuhan.

• Hier geht es zur Reise- und Sicherheitswarnung des Auswärtigen Amtes für China