Zahnhygiene

Spaß am Schrubben: So wird Zähneputzen zum Kinderspiel

Mit Wohlfühleffekt: Eltern sollten die Zähne ihrer Kinder nachputzen – am besten auf dem Schoß.

Mit Wohlfühleffekt: Eltern sollten die Zähne ihrer Kinder nachputzen – am besten auf dem Schoß.

Foto: LPETTET / Getty Images

Babyzähne sollten von Anfang an richtig gepflegt werden – nicht immer einfach. Experten erklären, wie Eltern daraus ein Ritual machen.

Berlin.  Jede Familie kennt das: Auf Zähneputzen haben kleine Kinder meist keine Lust. Manche Kinder verweigern sich, sobald sie eine Zahnbürste sehen. Andere halten es keine drei Minuten durch. Mit Warnungen wie „Putz dir bloß die Zähne, sonst bekommst du Löcher“ kommen Eltern meist nicht weiter. Experten geben Tipps, was sie tun können, damit es nicht ständig Streit darüber gibt, und welche Methoden am besten sind.

Wie schafft man es, dass Kinder sich regelmäßig die Zähne putzen?

Es hilft, wenn schon Säuglinge an tägliche Mundhygiene gewöhnt werden. So sind später weniger Widerstände zu erwarten, sagt Professor Stefan Zimmer, Leiter des Departments für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und Prodekan der Fakultät für Gesundheit an der Universität Witten/Herdecke. Sein Tipp: bei wenige Monate alten Kindern die „Kauleiste“ in der Mundhöhle regelmäßig mit dem Finger massieren.

Sobald die Milchzähne durchbrechen, sollten Eltern bei der Pflege auf spezielle Kinderzahnbürsten oder Fingerlinge umsteigen. „Sie sollten täglich beispielhaft zeigen, wie richtige Mundhygiene aussieht. Das Zähneputzen muss ein normaler Bestandteil des gemeinsamen täglichen Lebens werden. Argumente wie ‚Sonst bekommst du Löcher‘ zeigen erst bei Teenagern Wirkung“, sagt Zimmer.

Beim Putzen sollten die Kinder am Waschbecken stehen bleiben und nicht mit der Bürste umherlaufen, damit sie sich nicht verletzen. „Es ist ein wichtiges Ritual, morgens und abends die Zähne vollständig von Belägen zu befreien und später auch einmal täglich die Zahnzwischenräume zu reinigen. Mundhygiene ist vor allem vor dem Schlafengehen wichtig, da die Abwehrmechanismen gegen Karies und die Remineralisierung nachts reduziert sind“, sagt Professor Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer und Präsident der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern.

Was ist die richtige Methode?

Von Rot (Zahnfleisch) nach Weiß (Zahn) putzen – nur nicht seitlich schrubben. So beschreiben die beiden Experten die richtige Zahnputzmethode, die auch KAI-Methode genannt wird (siehe Infokasten). Einfacher wird es mit einer elektrischen Zahnbürste oder mit der dreiköpfigen „Superbrush“, die alle zugänglichen Flächen eines Zahnes gleichzeitig reinigt. Sie wird auf die Zahnreihe aufgesetzt und leicht vor- und rückwärts bewegt.

„Es dauert bei jedem Menschen unterschiedlich lange, bis alle Beläge entfernt sind“, erklärt Zimmer. Sinnvoll sei es daher, die Beläge mit Plaque-Färbeta­bletten sichtbar zu machen und die Zeit zu stoppen, die die Kinder benötigen, bis die Farbe vollständig verschwunden ist.

Bis zur dritten Grundschulklasse, wenn Sohn oder Tochter flüssig schreiben können und eine gut entwickelte Feinmotorik besitzen, sollten die Eltern zudem die Zähne nachputzen. „Am besten gemütlich auf dem Sofa mit dem Kopf des Kindes auf dem Schoß“, empfiehlt Zimmer.

Welchen Sinn haben Kinderzahncremes?

Zahncremes enthalten unterschiedlich viel Fluorid – ein Mineralstoff, der die Remineralisierung der Zahnsubstanz fördert und nur direkt an der Zahnoberfläche wirkt. Kinderzahnpasten, die für das Milchgebiss etwa bis zum sechsten Geburtstag benutzt werden, enthalten weniger Fluorid als Erwachsenenzahnpasten – nämlich nur 500 ppm (parts per million, also Teile von einer Million) anstatt 1500. Damit soll eine Überdosierung von Fluorid verhindert werden, die unschöne weißliche Linien auf den Zähnen verursacht.

Juniorzahnpasten für Sechs- bis Zwölfjährige haben laut Professor Zimmer schon ähnlich viel Mineralstoff wie diejenigen für die „Großen“, sollen aber mit Geschmack und Verpackung die Altersgruppe ansprechen. Wenn trotz regelmäßigen Putzens immer mal wieder ein Loch beim Zahnarzt entdeckt wird, raten die Experten, zusätzlich eine Mundspüllösung zu verwenden – allerdings nicht bei Kindern unter sechs Jahren, weil die sie möglicherweise schlucken.

Wann geht man das erste Mal zum Zahnarzt?

Am besten, wenn der Mediziner noch nicht aktiv werden und mit Bohrer oder Spritze Schmerzen verursachen muss. Da sind sich Oesterreich und Zimmer einig. Dietmar Oesterreich: „Im ersten Lebensjahr steht ein solcher Besuch an, bei dem die Kinder auch neugierig die Umgebung der Zahnarztpraxis erkunden sollten. Wenn sie das erste Mal den Mund aufmachen, sollten sie auf dem Schoß von Mutter oder Vater sitzen. So werden Ängste genommen.“

Spezialisten für Kinderzahnheilkunde können über den Verband der Kinderzahnärzte unter www.kinderzahnaerzte.de gesucht werden. Im Abstand von einem Jahr sollte man laut Stefan Zimmer mit dem Kind regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen gehen, diese sind auch im Vorsorgeheft der Krankenkassen vorgesehen.

Welche Rolle spielt die Ernährung bei der Zahnpflege?

Vor allem Getränke haben bei Kleinkindern eine große Bedeutung – sie sind oft der Grund für die sogenannte Nuckelflaschenkaries. Darauf weist Oesterreich hin und empfiehlt, Kindern nur so lange wie nötig und höchstens bis zum ersten Geburtstag eine Nuckelflasche zu geben.

Oesterreich: „Wenn Wasser oder ungesüßter Tee darin sind, besteht keine Gefahr für die Zähne. Anders sieht das aus, wenn Kinder beispielsweise säure- und zuckerhaltige Apfelschorle quasi zur Selbstbedienung auch nachts bekommen. Dann entwickelt sich nicht nur Karies, sondern die Kinder gewöhnen sich zudem noch an den Zucker – und ihre Ernährung wird dadurch geprägt.“