Trennung: Die Scheidung droht - so klappt es einvernehmlich

Bloß keinen Rosenkrieg

Bis zu 17 Jahre Verfahren? Gesprochen wird nur noch über Anwälte? Wie Sie das vermeiden können.

Zehn Jahre lang waren sie eine glückliche Familie. Peter Demmert verdiente als Bankmanager sehr viel Geld, konnte seiner Frau Marlies und Sohn Leon einen gehobenen Lebensstandard ermöglichen (Namen v. d. Red. geändert). Dann trennte sich das Paar. Marlies Demmert zog mit Leon ins Ausland - ohne Wissen ihres Mannes. Seitdem gibt es nur noch Kontakt über die Anwälte. Die Eheleute streiten um alles: um das Haus, um Unterhalt, um das Sorgerecht. Ihre Anwälte kosten zusätzlich viel Geld. Mittlerweile dauert der Streit seit drei Jahren an, ein Ende oder gar eine gemeinsame Lösung sind nicht in Sicht. Während des Ehestreits kam die Wirtschaftskrise. Peter Demmert steht dadurch finanziell vor dem Ruin. "Dieser Fall zeigt, wie es nicht laufen soll", sagt Melanie Franke, Fachanwältin für Familienrecht. "Wir hätten längst eine Lösung haben können, denn mein Mandant hatte seiner Frau eine gute Abfindung angeboten und diese damals vor der Krise auch noch zahlen können. Jetzt steht ihm jedoch das Wasser bis zum Hals."

Die Demmerts sind kein Einzelfall, wenn hier die Gier und die Emotionen besondere Formen annehmen. Etwa 200 000 Paare lassen sich jedes Jahr scheiden. Die meisten schaffen das relativ sachlich mit einer einvernehmlichen Regelung. Nur etwa ein Drittel der Fälle muss das Gericht entscheiden. "Die Mehrheit der Fälle klären wir außergerichtlich", sagt Melanie Franke. In ihrer Kanzlei seien es etwa 80 Prozent. Eine außergerichtliche Einigung hat viele Vorteile, nicht zuletzt finanzielle, denn eine Scheidung kann teuer werden und viel Zeit und Nerven kosten. Die Kosten richten sich nach dem Gegenstandswert. Beträgt der Zugewinn 50 000 Euro und verdient der Mann 2500, die Frau 1500 Euro, betragen die Kosten für die Scheidung etwa 1500, für den Vertrag 2500 bis 3000 und für den Notar rund 200 Euro, also insgesamt rund 4500 Euro. Je nach Dauer des Streits können jedoch die (Anwalts-)Kosten sehr viel höher liegen. Geht alles zügig, dauert eine (einvernehmliche) Scheidung ohne das Trennungsjahr etwa zwei Jahre, in seltenen Fällen sogar nur einige Monate. Sind jedoch viele Themen strittig, kann sich die Scheidung auch länger hinziehen. "Ich habe einen Fall übernommen, der schon sieben Jahre verhandelt wurde, und er dauerte dann noch zehn Jahre", sagt Franke.

Lange zermürbende Auseinandersetzungen und hohe Prozesskosten kann man vermeiden, wenn man direkt nach der Trennung reinen Tisch macht und eine notarielle Scheidungsfolgenvereinbarung abschließt. In diesem Vertrag können die Ehepartner beispielsweise festlegen, was mit dem gemeinsamen Haus geschieht und bei wem die Kinder leben wollen. Nach einer solchen einvernehmlichen Trennung braucht nur einer der Partner für das Scheidungsverfahren einen Anwalt, der andere stimmt dann der Scheidung zu. Aber laut Gesetz darf ein Anwalt nur eine Seite juristisch beraten. Deshalb sollte keine der beiden Seiten leichtgläubig ein Schriftstück unterschreiben, sondern sich ebenfalls von einem zweiten Anwalt beraten lassen und erst dann unterschreiben.

Auch Fachanwältin Franke rät zur einvernehmlichen Trennung - dies gelte besonders, seitdem die Unterhaltsreform in Kraft sei. Diese sieht seit 1. Januar 2008 Einzelfallentscheidungen vor und geht von einer höheren Eigenverantwortlichkeit der Ehepartner aus. Fragen treten vor allem bei strittigen Fällen auf, wie bei einer kurzen Ehe und gemeinsamen Kindern, wenn ein Ehepartner nicht arbeitet. Franke: "Die Erwartungen an die Reform waren riesengroß, und die Befürchtungen sind prompt eingetreten. Es herrscht jetzt große Rechtunsicherheit." So lege jedes Oberlandesgericht (OLG) das Unterhaltsrecht anders aus. Es komme darauf an, wo der Mandant wohne und welches Gericht zuständig sei. So entschied das OLG Schleswig, dass eine Mutter nur halbtags arbeiten muss, bis ihr jüngstes Kind 14 Jahre alt ist. In Hamburg oder Mecklenburg-Vorpommern werde anders entschieden. So sei es in den neuen Bundesländern normal, dass Kinder in die Kita und Mütter zur Arbeit gehen - ganztags. Franke: " Eine verlässliche Beratung der Mandanten wird schwierig, da für uns Anwälte keine klaren Ansagen möglich sind."