"In der Krise ans Gute denken"

Elmar Basse ist Paartherapeut und berät Paare in Krisen. Das Abendblatt sprach mit ihm über seine...

Elmar Basse ist Paartherapeut und berät Paare in Krisen. Das Abendblatt sprach mit ihm über seine Arbeit.


Hamburger Abendblatt:

In welcher Verfassung kommen die Paare zu Ihnen?

Elmar Basse:

Die meisten Paare befinden sich in einer akuten Krise, sind jedoch noch nicht zur Scheidung entschlossen. Häufig ist der Ehemann weniger motiviert. Viele Männer stehen einer psychologischen Beratung skeptisch gegenüber und würden das Problem lieber allein lösen, was aber eben nicht immer gelingt.



Abendblatt:

Was können Sie dann tun?

Basse:

Manchmal geht es um reine Krisenintervention. Ich versuche in der ersten Sitzung, die oftmals sehr spannungsgeladen ist, wieder eine gemeinsame Basis herzustellen.



Abendblatt:

Welche Methoden wenden Sie an?

Basse:

Ich arbeite gesprächstherapeutisch und helfe den Partnern, wieder einen Kontakt aufzubauen, der möglichst frei von Spannungen und Reizbarkeit ist. Erst dann können auch inhaltliche Probleme angesprochen und Ursachen gesucht werden.



Abendblatt:

Wie gehen Sie weiter vor?

Basse:

In der Ehekrise rücken besonders die negativen Seiten ins Blickfeld, und die Partner tendieren zu einer Forderungs- oder Abwehrhaltung. Die gemeinsame Sitzung soll helfen, den Blick zu weiten und herauszufinden, was in der Ehe bewahrenswert ist und wie es gelingen könnte, das Positive zum Wachsen zu bringen.



Abendblatt:

Um welches Problem geht es häufig?

Basse:

Viele Paarprobleme entstehen, weil eine bestimmte Eigenschaft des anderen den Partner in Wallung bringt. Männer stört häufig die Emotionalität ihrer Frau. Frauen dagegen stört es massiv, wenn ihr Mann zu Paarproblemen schweigt. Oder ein bestimmtes Thema löst Widerstand aus. Häufig stimmt auch einfach die Tonlage nicht. Einer erlebt den Partner als fordernd und fühlt sich unter Druck gesetzt.



Abendblatt:

Wann entlassen Sie das Paar?

Basse:

Wenn die Spannung wegfällt, merken die Eheleute: Wir können ja doch ganz ruhig miteinander reden, oft sogar wieder liebevoll. Es hat eine euphorisierende Wirkung, wenn das verschüttete Positive an die Oberfläche gelangt.

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