NSU-Prozess

Richter ertappt rechtsextreme Zeugin bei dreister Lüge

Die Frau gehörte zum Führungszirkel von „Blood & Honour“ und leugnete Beziehungen zum NSU-Trio um Beate Zschäpe. Neuer Wirbel um Mord-Pistole Ceska.

München. Eine Zeugin aus der rechtsextremen Szene ist im Münchner NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe und andere bei einer Unwahrheit ertappt worden. Die Frau, die nach eigener Aussage zum Führungszirkel der Organisation „Blood & Honour“ in Chemnitz gehörte, bestritt vehement, irgendetwas mit dem NSU zu tun zu haben. Erst nach einem Vorhalt des Richters räumte sie ein, zumindest einen der Angeklagten zu kennen. Die Bundesanwaltschaft wirft dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge vor.

„Ich kannte weder (Beate) Zschäpe noch (Uwe) Mundlos und (Uwe) Böhnhardt“, sagte die 40-Jährige zunächst. Auch die anderen Angeklagten kenne sie nicht. Dann hielt der Richter ihr vor, dass sie sich vor zwei Jahren in einer Polizeivernehmung detailliert über den wegen Beihilfe angeklagten André E. geäußert habe.

Da habe sie beispielsweise zu erkennen gegeben, dass er aus dem Erzgebirge stamme und einen Zwillingsbruder habe. Die Zeugin räumte dann ein, ihr Ehemann habe mit den Zwillingen über eine Beteiligung an ihrem Geschäft – einem Laden der rechtsextremen Szene – verhandelt.

Die Zeugin sagte, sie habe Mitte der 90er Jahre mit drei oder vier Gleichgesinnten „Blood & Honour“ in Sachsen gegründet. Auch hier räumte sie erst nach zahlreichen Nachfragen ein, dass die Gruppe rassistisch gesinnt gewesen sei: „Der Sinn war, dass man seine Hautfarbe erhält und sich nicht mischt.“

Bis zum Schluss bestritt die Frau, dass sie Zschäpe ihren Pass zur Verfügung stellen wollte. Das hatte ein V-Mann des Verfassungsschutzes berichtet. Er hatte außerdem angegeben, „Blood & Honour“ habe Geld und Waffen für das Trio beschaffen wollen.

Die Vernehmung der Zeugin wurde am Nachmittag unterbrochen, nachdem die Verteidiger von Zschäpe und André E. angeregt hatten, ihr einen Anwalt zur Seite zu stellen. Sie muss im Dezember erneut erscheinen.

Am Vormittag hatte sich das Oberlandesgericht erneut mit der Mordwaffe vom Typ „Ceska“ beschäftigt. Ein Ermittler des Bundeskriminalamtes beschrieb, wie der mitangeklagte Carsten S., der die Pistole nach eigenem Eingeständnis zu Mundlos und Böhnhardt brachte, die Waffe bei einer Vernehmung im Jahr 2012 identifiziert hatte.

Das BKA habe ihm eine Auswahl von Vergleichswaffen verschiedener Typen gezeigt, die er nach und nach aussortierte, bis die Vergleichs-„Ceska“ übrig blieb. Zschäpe-Verteidiger Wolfgang Stahl kritisierte diese Ausschlussmethode als „dilettantisch“. Mit einer „Ceska“ soll der NSU neun seiner zehn Morde verübt haben.