Die deutsche Wirtschaft fürchtet ein Embargo

Berlin. Die deutsche Wirtschaft fürchtet sich vor einem breiten Handelsembargo infolge der Krim-Krise. 6200 deutsche Unternehmen sind in Russland tätig, von ihnen hängen etwa 300.000 Arbeitsplätze in der Bundesrepublik ab.

In erster Linie würden Strafmaßnahmen die deutsche Wirtschaft selbst treffen, sagt Michael Harms, Vorstand der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK). Vermeintlich alternativlose Waren aus Deutschland gebe es nicht. Die meisten Produkte könnte sich Russland aus anderen Staaten liefern lassen – wenngleich es bei der Qualität dann wohl Abstriche machen müsse, sagt Harms.

Als eher unwahrscheinlich gilt hingegen, dass Russland seine Energielieferungen als wirtschaftliche Waffe einsetzen könnte. Zu wichtig sind die Einnahmen aus dem Rohstoffgeschäft für den Kreml. Selbst auf dem Höhepunkt des Afghanistan-Kriegs lieferte die Sowjetunion ununterbrochen Energie an den Westen.

Gegen ein russisches Gasembargo spricht auch, dass die Pipelines für die Lieferung an andere Staaten, etwa China, nicht ausgebaut sind. Das deutsch-russische Handelsvolumen lag im vergangenen Jahr bei rund 76 Milliarden Euro. Deutschlands Importe aus Russland betrugen rund 40 Milliarden Euro, 72 Prozent davon waren Erdöl und Erdgas. Den Rest machten Metalle, Kohle und Halbfabrikate aus.

Im Gegenzug exportierte Deutschland 2013 Waren im Wert von 36 Milliarden Euro nach Russland. Die wichtigsten Ausfuhrgüter waren Maschinen, Autos, Chemieerzeugnisse und Elektronik. Für Russland ist die Bundesrepublik einer der wichtigsten Handelspartner. Für Deutschland hingegen liegt das Riesenreich im Osten nur auf Platz elf der Rangliste. Dennoch ist die russische Föderation ein wichtigerer Partner für Deutschland als Brasilien und Indien zusammen.