„Pädophilie heute“

Döring schämt sich für ihre Ansichten von vor 34 Jahren

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Jochen Gaugele und Thorsten Jungholt

Erste Ergebnisse einer Studie ergeben: Grüne und FDP wollten Pädophilie legalisieren. Liberale Politikerin Dagmar Döring zieht Bundestagskandidatur zurück.

Berlin. Der Göttinger Politikwissenschaftler Franz Walter hat erste Ergebnisse seiner Studie über die Haltung der Grünen gegenüber Pädophilie in den 80er-Jahren vorgelegt. Demnach sprach sich die Partei 1980 in ihrem ersten Grundsatzprogramm für eine weitgehende Legalisierung sexueller Beziehungen von Erwachsenen mit Kindern aus. In einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schreibt Walter, auch mehrere grüne Landesverbände hätten sich in den frühen 80er-Jahren die Forderung zu eigen gemacht, Pädophilie aus dem Sexualstrafrecht herauszunehmen – so etwa in Rheinland-Pfalz, Bremen, Hamburg und Berlin. Ein Sinneswandel sei erst nach 1985 eingetreten, als sich Feministinnen und Homosexuelle von der Pädophilenszene distanzierten. Formell aufgehoben worden sei die Forderung nach Legalisierung von Pädophilie allerdings erst 1993 während des Zusammenschlusses der Grünen mit dem ostdeutschen Bündnis 90. Auftraggeber der Studie ist die Partei Bündnis 90/Die Grünen.

Die Partei Bündnis 90/Die Grünen gab die Studie selbst in Auftrag

Der grüne Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Jürgen Trittin, sagte der „Welt am Sonntag“, ein endgültiges Ergebnis der Studie sei nicht kurzfristig zu erwarten. „Wir haben Franz Walter keine Vorschriften gemacht – auch keine zeitlichen“, sagte Trittin. Man müsse schauen, welche „weiteren Konsequenzen gegebenenfalls daraus zu ziehen sind“. Eine von der CSU geforderte Anlaufstelle für Opfer von pädophilen Grünen lehnte Trittin ab: „Ich kenne niemanden, der behauptet, es habe systematischen Missbrauch innerhalb der Partei gegeben“. Die möglichen Straftaten seien „nicht Parteistrukturen zuzuordnen, sondern Individuen“.

Walter zufolge setzten sich 1980 auch die FDP-Nachwuchsorganisation Junge Demokraten und der damalige FDP-Generalsekretär Günter Verheugen für eine Änderung des Sexualstrafrechts zugunsten Pädophiler ein. Entsprechende Beschlüsse fasste die FDP aber nicht. Die Jungdemokraten trennten sich 1982 von der FDP, Verheugen wechselte zur SPD. Dennoch führten Walters Forschungen zu einem Rücktritt in der FDP. Die Landeschefin der Liberalen Frauen Hessen, Dagmar Döring, zog ihre Kandidatur für den Bundestag zurück.

Im Rahmen der Studie sollte die 53-Jährige als Zeitzeugin befragt werden. Sie hatte als 19-Jährige zu Beginn der 80er-Jahre in dem Sammelband „Pädophilie heute“ einen Aufsatz veröffentlicht, der die Legalisierung sexueller Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern unterstützte. Darin berichtete sie von einer „längeren, auch sexuell intensiveren Beziehung zu einem Mädchen“. Diese Sichtweisen seien aus heutiger Sicht „völlig inakzeptabel, sie distanziere sich von allen Schriften aus „diesem früheren Kapitel aus meinem Leben“, schrieb Döring nun an den FDP-Kreis Wiesbaden. Mit ihrem Rücktritt wolle sie Schaden von ihrer Familie und der Partei abwenden.

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