Apparate sind ihm zu eng

Vollmundig klingt sein Facebook-Profil: „Das Team Nešković bringt Wolfgang Nešković in den Bundestag“, heißt es da. Und dann weiter: „Wir sind viele. Und wir werden immer mehr.“ Unter diesem Motto kämpft der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Nešković darum, in die deutsche Parlamentsgeschichte einzugehen. Der 65-Jährige will als erster parteiloser Kandidat den Wiedereinzug in den Bundestag schaffen. Drei Parteien hat Nešković schon verschlissen – oder sie ihn, je nach Perspektive. Von 1979 bis 1994 war er Mitglied der SPD, von 1995 bis 1999 der Grünen. Die verließ er aus Protest gegen den Bundeswehreinsatz im Kosovo. In die dritte Partei ist er schon nicht mehr eingetreten, als Parteiloser saß er ab 2005 für die Linke im Bundestag, zuletzt mit einem Direktmandat im brandenburgischen Cottbus. Bis vergangenen Dezember, als Nešković nach langen Querelen aus der Fraktion austrat.

Sie haben ihn immer alle haben wol len, ihn, den serbischen Maurersohn, brillanten Juristen, der es zum Richter am Bundesgerichtshof brachte. Aber es ist nie gut gegangen, weil Nešković fast immer sagte, was er dachte – ohne Rücksicht auf die anderen, Parteidisziplin hin oder her. Mit dieser Unabhängigkeit des Geistes will er es nun im Cottbuser Wahlkreis im Alleingang schaffen. Es wäre ein kleines Wunder, wenn ihm das gelänge. Das Volk liebt Michael Kohlhaas, aber es wählt dann doch die Macht der Apparate.