Olympische Winterspiele

Sportausschuss-Vorsitzende: Zu viele Staatssportler in Vancouver

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Zu viele deutsche Olympia-Teilnehmer werden mit Steuermitteln gefördert, kritisiert die Vorsitzende des Sportausschusses, Dagmar Freitag.

Hamburg. Die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, die SPD-Politikerin Dagmar Freitag, hat die hohe Zahl an Staatsbediensteten im deutschen Olympiakader von Vancouver kritisiert. "Im Verhältnis haben wir zu viele Sportler in Vancouver, die mit Steuermitteln gefördert werden", sagte Freitag dem Abendblatt. "Man kann den Eindruck gewinnen, dass wir vor allem Staatssportler nach Vancouver schicken. Davon sollte man wegkommen", so Freitag weiter.

Für die am Sonnabend beginnenden Winterspiele hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) 153 Athleten nominiert. Allein 99 davon sind nach DOSB-Angaben Mitglieder der Sportfördergruppen von Bundeswehr, Bundespolizei und Zoll. 63 gehören der Bundeswehr an, 24 der Bundespolizei und zwölf Aktive dem Zoll. Damit sind knapp zwei Drittel aller deutschen Teilnehmer in einem Beamten- oder beamtenähnlichen Status. Die Sportausschuss-Vorsitzende betonte, es seien jedoch alle gesellschaftlichen Kräfte gefragt, "damit wir den Spitzensport auf breitere Füße stellen können".

Freitag appellierte an die Wirtschaft, Sportler zukünftig finanziell besser zu unterstützen. Spitzensportförderung sei "eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und nicht nur die des Steuerzahlers. Auch Unternehmen sollten sich intensiv daran beteiligen", sagte Freitag. "Von Sponsorengeldern allein können die meisten Sportler gar nicht leben", begründete die SPD-Politikerin ihren Vorstoß und ergänzte: "Ein Ausbildungs- oder ein den Anforderungen des Hochleistungssports angepasster Arbeitsplatz würde sehr helfen."

Freitag kritisierte zudem die Bundeswehr für ihren Umgang mit Spitzensportlern. "Ich sehe durchaus Probleme bei der Sportförderung der Bundeswehr. Dort gibt es Sportsoldaten, die 15 Jahre oder länger mit Steuergeld gefördert werden, dann aber nach ihrer Karriere ohne Beruf dastehen", monierte Freitag. "Gesellschaftspolitisch ist das ein verheerendes Signal." Ein Sportler in Uniform sollte während seiner Zugehörigkeit zu einer Sportfördergruppe auch die Chance zu einer parallel laufenden Ausbildung haben, so Freitag. Im Gegensatz zu Sportlern bei Polizei oder Zoll, die dort eine berufliche Zukunft hätten, blieben die wenigsten Angehörigen einer Sportfördergruppe nach Karriereende tatsächlich bei der Bundeswehr. "Es kann nicht sein, dass ein Sportsoldat darum kämpfen muss, während seiner Bundeswehrzeit an einer Universität mit Präsenzzeiten studieren zu dürfen."

Bisher sei bei der Bundeswehr ausschließlich ein Studium an der Fernuniversität Hagen erwünscht, sagte die Ausschuss-Vorsitzende.