Deutschland abwerten? Politiker kritisieren Moody's

Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagiert mit demonstrativer Gelassenheit auf die Zweifel der US-Rating-Agentur Moody's an der Topbonität Deutschlands. "Die Bundesregierung nimmt das zur Kenntnis. Die Einschätzung betrifft ein Land, von dem man sich Hilfe erhofft", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter gestern. Merkel habe mehrfach betont, dass die Kraft Deutschlands nicht unbegrenzt ist.

Moody's hatte am späten Montagabend den Ausblick für Deutschland, die Niederlande und Luxemburg von stabil auf negativ gesenkt und dies mit der steigenden Unsicherheit über den Ausgang der Schuldenkrise begründet. Das Bundesfinanzministerium kritisierte die Entscheidung als einseitig. Auch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle äußerte Unverständnis. Die Wertung von Moody's sei "eher kurzfristig, vielleicht auch ein bisschen kurzsichtig". Die Bundesrepublik habe ein solides Wirtschaftswachstum, und die Märkte hätten großes Vertrauen in das Land, sagte Brüderle der "Welt".

Ökonomen gehen nicht davon aus, dass das Schuldenmachen für Deutschland nun teurer wird. Die Bundesrepublik genieße "in der Schuldenkrise den Status eines sicheren Hafens", sagt ein Experte der Berenberg-Bank. Auch die deutsche Börse zeigte sich weitgehend unbeeindruckt: Der Leitindex DAX verlor zwar ein halbes Prozent, die anderen Indizes aber legten sogar leicht zu.

( (HA) )