Karl-Theodor zu Guttenberg

Der Ex-Hoffnungsträger und die CSU entfremden sich

Kritik aus Bayern an Guttenbergs Parteischelte lässt nicht nach. Andere warnen: Der Ex-Minister spreche aus, was manche in der CSU denken.

Berlin. Als im März nach dem Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenbergs als Verteidigungsminister das Personalkarussell der CSU sich drehte, katapultierte es auch Bundestagsvizepräsidentin Gerda Hasselfeldt in eine neue Aufgabe. Von Hans-Peter Friedrich, der ins Kabinett aufrückte, übernahm sie die Führung der CSU-Landesgruppe im Bundestag. In diesem Amt fällt die 61-Jährige bislang kaum durch markige Ansagen auf. Ihre Worte sind stets auf Ausgleich bedacht, selbst dann, wenn man ihr anmerkt, dass sie eigentlich deutlicher werden möchte. Gestern gab es so einen Moment. In der bayerischen Landesvertretung wurde Hasselfeldt von Journalisten nach ihrer Meinung zu Guttenbergs Interview-Buch "Vorerst gescheitert" gefragt. Vorsichtig entgegnete sie: "Es war sicher eine durchdachte Marketing-Strategie. Ob sie unterm Strich optimal läuft, ist meines Erachtens durchaus fraglich." Ob sie das Buch ganz lesen werde, wisse sie noch nicht. Aber sie gebe "grundsätzlich keine despektierlichen Äußerungen über Kollegen ab".

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Erst auf Nachfrage wagte sich die Landesgruppenchefin hervor. Guttenbergs Kritik an der Volkspartei CSU könne sie nicht nachvollziehen. Und: "Ich glaube, dass ein Stück Demut gegen Politiker guttut." Für Hasselfeldts Verhältnisse ist so ein Satz schon eine harsche Kritik. Und er spiegelt eine Gereiztheit gegenüber dem tief gefallenen Franken in der CSU wieder, die es selbst in den Tagen rund um den Rücktritt des früheren Hoffnungsträgers nicht gab. Guttenberg hat in seinem Comeback-Buch Dinge gesagt, die die bayerische Unionsschwester ins Mark getroffen haben. Wenn diese sich noch als Volkspartei bezeichne, wirke dies "nur noch wie die Verhöhnung früherer Träume", war so ein Satz. Dass Guttenberg von der Gefahr sprach, die CSU könne zu einer Regionalpartei absteigen, will man so nicht akzeptieren.

Die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär nannte es im ZDF "schon ein bisschen schade", wenn die über 200 000 Mitglieder der CSU sich jetzt so belehren lassen müssten. "Das hat er nicht nötig, und das hat die CSU auch nicht nötig", sagte Bär. Herabgesetzt fühlen sich die Parteispitzen auch von Guttenberg, weil dieser auch mit Blick auf die zuletzt mickrigen Wahlergebnisse und dauerhaft wenig zufriedenstellende Umfragen zur Kritik angesetzt hatte.

"Es kann nicht schaden, sich mit Guttenbergs Thesen auseinanderzusetzen, auch wenn ich nicht alles teile", rät der parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Stefan Müller, seiner Partei. Müller sagte dem Abendblatt, Guttenberg spreche aus, "was manche in der Partei denken". Die Bindungskraft der Parteien gehe bekanntlich insgesamt zurück. Aber nach wie vor gelinge es der CSU, alle gesellschaftlichen Gruppen anzusprechen, verteidigte der CSU-Politiker seine Partei. Er rate allen in der CSU, von der Parteiführung bis zur Basis, zu mehr Gelassenheit im Umgang mit den Äußerungen von Guttenberg.

Müller verteidigte die Leistungen des einstigen Superstars der CSU. "Guttenberg konnte in seiner aktiven Zeit Menschen für Politik begeistern, die ansonsten wenig Interesse an Politik gezeigt haben. Davon hat sowohl die CSU profitiert wie auch viele CSU-Politiker, die sich um Termine mit ihm im Wahlkampf bemüht haben."

Guttenberg habe von seiner Anziehungskraft wenig eingebüßt, so Müller. "Die Parteibasis und unsere Anhänger stehen weiter zum ihm." Er riet seiner Partei, es zu begrüßen, wenn Guttenberg in die Politik zurückkehre. An der CSU wird es wohl nicht liegen. "Nach allem, was ich höre, wird ihn sein Wahlkreis wieder nominieren, wenn er in den Bundestag zurückwill. Ich glaube, niemand wird ihm seinen Bundestagswahlkreis streitig machen."